Wirtschaft

Minister sieht globalen ChampionKanadas Cohere übernimmt deutschen KI-Anbieter Aleph Alpha

24.04.2026, 15:49 Uhr
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Höchste Weihen für den Deal: Berlin, Digitalminister Wildberger (l.) Schwarz-Digits-Chef Schumann, Aleph Alpha-Mitbegründer Weinbach, Cohere-CEO Gomez und Kanadas KI-Minister Solomon. (Foto: picture alliance / dts-Agentur)

Lange Zeit wird das deutsche Startup Aleph Alpha zu den Konkurrenten von ChatGPT gezählt. Doch das Unternehmen richtet sich neu aus und weckt so das Interesse der Konkurrenz. Nun greifen Kanadier zu - unter dem Applaus der Politik. Und auch die Lidl-Mutter ist im Boot.

Der kanadische KI-Entwickler Cohere schluckt den deutschen Wettbewerber Aleph Alpha. Dies kündigten die beiden Unternehmen gemeinsam an. Cohere wolle das Geschäft mit europäischen Regierungen, staatlichen Institutionen und Unternehmen aus regulierten Branchen ausweiten, sagte Francois Chadwick, der Finanzchef des kanadischen Startups, zu Reuters. "Wir werden uns dazu verpflichten, europäische Infrastruktur zu nutzen und die hier geltenden Souveränitätsanforderungen einzuhalten."

Zu den finanziellen Details machte Chadwick keine Angaben. Das neue Unternehmen werde für seine KI-Angebote die Rechenzentren der Schwarz-Gruppe nutzen, hieß es weiter. Im Gegenzug verpflichte sich der Aleph-Alpha-Anteilseigner, 600 Millionen Dollar in die kommende Cohere-Finanzierungsrunde zu investieren. Im vergangenen Sommer hatte das kanadische Startup 500 Millionen Dollar frisches Kapital eingesammelt. Damals lag die Unternehmensbewertung bei 6,8 Milliarden Dollar. Dem "Handelsblatt" zufolge wird Cohere 90 Prozent an der fusionierten Firma halten.

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger und sein kanadischer Kollege Evan Solomon lobten den Zusammenschluss. "Es wird ein globaler KI-Champion entstehen", sagte der CDU-Politiker. Der Markt für vertrauenswürdige Künstliche Intelligenz sei riesig. "Wir werden KI im großen Stil in unseren Verwaltungen einsetzen, auch einsetzen müssen, um deutlich schneller zu werden und auch Prozesse konsequent zu automatisieren." Sein kanadischer Kollege ergänzte, dass die nun geschlossene kanadisch-deutsche Allianz für technologische Souveränität der Anfang sei, weitere Schritte folgten.

Die Schwarz-Gruppe, zu der die Einzelhändler Lidl und Kaufland gehören, bietet auch Cloud-Dienste an. Sie errichtet derzeit im brandenburgischen Lübbenau für elf Milliarden Euro ein neues Rechenzentrum. Aleph Alpha wurde anfänglich als deutsche Antwort auf OpenAI bezeichnet. Die Entwicklung großer KI-Sprachmodelle wie ChatGPT hat das Startup inzwischen aber aufgegeben. Stattdessen konzentriert es sich ähnlich wie Cohere auf spezialisierte KI-Anwendungen für Unternehmen.

Europa will seine technologische Abhängigkeit von ausländischen Technologiekonzernen verringern. Daher kündigte die Europäische Union (EU) die Förderung des Baus mehrerer sogenannter KI-Gigafactories an. Eines dieser besonders leistungsstarken Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) soll in Deutschland angesiedelt werden.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa

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