Wirtschaft
Die letzte Maschine von Air Berlin fliegt noch einmal von München nach Berlin.
Die letzte Maschine von Air Berlin fliegt noch einmal von München nach Berlin.(Foto: imago/Jürgen Ritter)
Freitag, 27. Oktober 2017

Letzter Flug von Air Berlin: Kapitän Dave erwartet "bittersüßes" Ende

Seit 27 Jahren fliegt David McCaleb für Air Berlin. Jetzt bringt der Pilot ein letztes Mal Reisende von München nach Berlin - und besiegelt damit das Ende der Airline. Der 60-Jährige will weiterfliegen, doch seine Aussichten sind bescheiden.

Der Pilot des letzten Air-Berlin-Flugs geht mit mulmigem Gefühl an seinen letzten Start für die Airline. "Bittersüß", sei ihm zumute, so David McCaleb. "Es ist schon komisch, so ein Ende zu erleben."

Der 60-jährige Amerikaner ist ein Urgestein bei Air Berlin, seit 1977 Pilot und seit 27 Jahren für die rot-weißen Farben unterwegs. Er hat Aufstieg und Fall der 1978 gegründeten Airline erlebt und konstatiert nun nüchtern: Seit dem Börsengang 2006 und der verzögerten Eröffnung des geplanten Großflughafens BER sei Air Berlin in Schieflage geraten. "Operativ waren wir immer eine sehr sichere Airline. Unternehmerisch lief leider nicht immer alles gut." Seit dem Börsengang summierten sich die Verluste auf rund 3 Milliarden Euro - im Schnitt etwa 25 Millionen Euro im Monat, wie der Konzern mitteilte.

Nach dem Börsengang 2006 machte die Fluggesellschaft keine schwarzen Zahlen mehr.
Nach dem Börsengang 2006 machte die Fluggesellschaft keine schwarzen Zahlen mehr.(Foto: picture alliance / Arne Dedert/d)

Kapitän McCaleb wird zusammen mit seinem Kollegen Roland Koch den bedeutungsschweren Flug von München nach Berlin-Tegel steuern. Der ausgebuchte Airbus A320 mit der Registrierung D-ABNW soll um 22.45 Uhr in der Hauptstadt landen und beendet eine Ära. Air Berlin stellt dann seinen Flugbetrieb in Eigenregie ein. Die 178 Passagiere und 8 Besatzungsmitglieder dürften am Airport von einer Wasserfontäne der Flughafenfeuerwehr begrüßt werden - wie bei solchen Ereignissen üblich.

Von den ehemals 8000 Beschäftigten der Air Berlin verlieren wohl Tausende ihren Job, nur wenige werden von Käufern verschiedener Unternehmensteile wie der Lufthansa übernommen. Die meisten müssen sich woanders neu bewerben. "Viele Piloten werden gekündigt", sagt McCaleb. Die Stimmung bei den Kollegen sei angespannt.

Emotionale Abschiedsworte statt Ehrenrunde

Er würde am liebsten weitermachen. "Ich würde gern bis 65 fliegen. Fliegen ist mein Leben und meine Berufung." Aber in seinem Alter seien die Angebote eher rar. "Es stimmt, dass wir am Arbeitsmarkt im Moment gute Perspektiven haben - aber dies meist im Ausland und für weniger Lohn."

Beim letzten Langstreckenflug von Air Berlin Mitte Oktober hatte ein Pilot kurz vor der Landung die Maschine hochgerissen und war eine "Ehrenrunde" geflogen. Später wurde er mit den Worten zitiert: "Wir wollten ein Zeichen setzen, einen würdigen und emotionalen Abschluss."

McCaleb plant so etwas nicht. "Sicherheit hat bei Air Berlin immer noch höchste Priorität." Er hat sich für die Durchsage kurz vor der Landung schon ein paar Abschiedsworte zurechtgelegt: "Dies ist ein sehr emotionaler Moment für mich und meine Crew." Aber man werde sich sicher irgendwo wiedersehen. Zum Abschluss will McCaleb dann sagen: "Vielen Dank für alles und einen schönen und erfolgreichen Weiterflug durch Ihr persönliches Leben wünschen Ihnen Ihr Kapitän Dave und die ganze Crew."

Quelle: n-tv.de

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