Wirtschaft

Warenhaus steckt in tiefer Krise Kaufhof-Mutter soll "raus aus Europa"

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Tot oder lebendig? Manche Beobachter halten das Warenhaus grundsätzlich für überholt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Kaufhof, einst das Gegenmodell zum dauerkriselnden Karstadt-Konzern, wird zum Problemfall: Ein Kreditversicherer zweifelt an der Bonität, Verluste häufen sich, ein Investor will den kanadischen Mutterkonzern zum Verkauf zwingen.

Etwa elf Kanadische Dollar (7,46 Euro) sind die Aktien des Kaufhof-Mutterkonzerns Hudson's Bay Company (HBC) noch wert. Vor zwei Jahren waren es noch fast 30 Dollar. Das ist, während die Börsen in Nordamerika und Europa von einem Allzeit-Hoch zum nächsten klettern, ernüchternd für die Anteilseigner. Noch schwerer wiegt für Jonathan Litt, den Chef des Hedgefonds und HBC-Großaktionärs Land and Buildings, jedoch ein anderer Vergleich. Allein der Wert der Immobilien des Handelskonzerns sei mehr als dreimal so hoch wie die Börsen-Bewertung des Gesamtunternehmens von aktuell umgerechnet etwa 1,3 Milliarden Euro.

Hudson's Bay
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Für Litt, dessen Hedgefonds knapp fünf Prozent der HBC-Aktien hält, ist deshalb klar, was im Interesse der Aktionäre passieren muss: In einem offenen Brief an seine "Lieben Hudson's-Bay-Mitaktionäre" fordert er, die Nutzung aller Immobilien zu überprüfen, sich auf das Kerngeschäft in der Heimat Kanada zu konzentrieren und: "Raus aus Europa". "Das Unternehmen sollte Europa verlassen, indem es die Galeria-Kaufhof-Immobilien, dessen operatives Geschäft oder beides verkauft und die Einnahmen an die Aktionäre verteilt".

Litt hat mit seinem Fünf-Prozent-Anteil nicht die Macht, sein Konzept durchzusetzen oder, wie er androht, den HBC-Vorstand abzusetzen. Doch insbesondere für den Plan, Kaufhof abzustoßen, könnte er Unterstützung bei seinen Mitaktionären finden. Zwei Jahre nach dem Verkauf durch Metro steckt der deutsche Warenhausbetreiber in einer tiefen Krise. Aus Hudson's Bays Hoffnungsträger für eine großangelegte Europa-Expedition ist ein Sorgenkind geworden.

Verlust durch selbstgemachte Mieterhöhung

Als HBC Kaufhof vor zwei Jahren für 2,85 Milliarden Euro übernahm, schrieben die Kaufhäuser anders als die des Rivalen Karstadt noch schwarze Zahlen. Kaufhof schien das bessere Konzept zu haben, mit dem die Kanadier sogar expandieren wollten. Doch seitdem hat sich die Lage massiv verschlechtert. Und das keineswegs nur wegen des schlechten Weihnachtsgeschäfts im vergangenen Jahr oder weil der stationäre Mode-Handel in Deutschlands Städten durch Online-Verkauf und aggressiv expandierende Ketten von Primark bis Zara stark unter Druck gesetzt wird.

Berichten zufolge schreibt Kaufhof vor allem deshalb inzwischen rote Zahlen, weil die Mieten für die Kaufhäuser im Zuge eines fragwürden Deals drastisch erhöht wurden - durch die eigene Konzernmutter. Bereits kurz nach der Übernahme verkaufte HBC die damals noch zu Kaufhof gehörenden Häuser für 2,6 Milliarden Euro an eine Immobiliengesellschaft, die mehrheitlich zum eigenen Konzern gehört. Die hohe Bewertung wurde möglich, weil Kaufhof stark steigende Staffelmieten für die Nutzung der Gebäude zahlen muss. So soll Kaufhof letztlich die Kosten für die eigene Übernahme durch HBC wieder hereinholen.

Doch dieser für Finanzinvestoren nicht unübliche Plan droht gerade, in sich zusammenzustürzen. Aufgrund der sich anhäufenden Verluste stufte Berichten zufolge der Kreditversicherer Euler Hermes bereits die Bonität von Kaufhof herab. Statt bislang 80 Prozent können Lieferanten noch 20 bis 25 Prozent ihrer Forderungen an Kaufhof gegen eine Insolvenz des Konzerns absichern.

Spekulationen über Verkauf

Bislang gebe es keinerlei Probleme mit Lieferanten, versichert Kaufhof. "HBC ist solide finanziert und verfügt über eine globale Betriebsmittelkreditlinie von 2,25 Mrd. US-Dollar", teilte Galeria Kaufhof n-tv.de auf Anfrage mit. Alle HBC-Gesellschaften seien nicht einzeln, sondern als Gruppe zu betrachten und verfügten so über ausreichend Liquidität. Galeria Kaufhof stehe aus dem globalen Betriebsmittelkredit ein deutlich höherer Betrag zur Verfügung als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.

Doch es droht weiterer Ärger: Laut "Süddeutscher Zeitung" verletzt Hudson's Bay aufgrund der schlechten Geschäftsentwicklung bei Kaufhof Auflagen seiner Kreditgeber. Kreditverträge mit einem Konsortium deutscher Landesbanken, das die Kaufhof-Übernahme mitfinanziert hatte, sehen demnach unter anderem vor, dass die Kaufhof-Filialen deutlich mehr verdienen müssen, als sie an Miete zahlen. Zudem muss das Unternehmen einen Jahresgewinn ausweisen - andernfalls droht eine Kündigung des Kreditvertrags. Bei Kaufhof heißt es, es handle sich um "standardisierte Kreditverträge", die regelmäßig überprüft würden. Alle Vereinbarungen würden "vollumfänglich" eingehalten.

Zwar weisen Kaufhof und Hudson's Bay darauf hin, dass sie von Zahlungsschwierigkeiten weit entfernt seien und das Engagement der Kanadier bei Kaufhof nicht zur Disposition stehe. "Wir stehen hundertprozentig zu Galeria Kaufhof und unserem Investment in Deutschland und Europa", sagte ein HBC-Sprecher. Er verwies darauf, dass Hudson's Bay massiv in das deutsche Warenhausgeschäft investiere. In den vergangenen zwei Monaten eröffneten zudem fünf neue Häuser der Marke Saks Off 5th. Noch im August solle schließlich in Amsterdam das erste von zehn Häusern der Marke Hudson's Bay in diesem Jahr eröffnen, weitere Standorte stünden bereits fest. Doch das "Manager Magazin" spekuliert bereits über einen möglichen Verkauf von Kaufhof oder von Teilen der Immobilien.

Ein Interessent stünde wohl bereit: Bereits vor der Übernahme durch Hudson's Bay bot Karstadt-Eigentümer René Benko erfolglos für Kaufhof, um die beiden Kaufhausbetreiber zu einer deutschen Warenhaus AG zu verschmelzen. Der Preis - und die Wahrscheinlichkeit, dass sich alle Filialen und Arbeitsplätze erhalten lassen - dürfte jedoch aufgrund der aktuellen Krise bei Kaufhof deutlich niedriger sein als noch vor zwei Jahren. Hudson's Bay erteilte jedoch entsprechenden Verkaufsgerüchten eine entschiedene Absage: "HBC hat kein Interesse an Geschäften mit [Benkos Holding] Signa."

Quelle: n-tv.de

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