Wirtschaft

Insider-Berichte zu Konzernumbau Kehrt Nissan Europa den Rücken?

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Nissan will sich offenbar auf die Hauptmärkte USA, China und Japan konzentrieren.

(Foto: imago images/Waldmüller)

Der skandalgeplagte Autobauer Nissan will sich Insidern zufolge neu aufstellen. Dazu gehört offenbar auch ein Rückzug aus dem Europa-Geschäft. Auch die Partnerschaft mit Renault und Mitsubishi will der japanische Konzern wohl anders aufteilen.

Der kriselnde japanische Autobauer Nissan will sich offenbar aus Europa zurückziehen und sich stattdessen stärker auf seine Hauptmärkte USA, China und Japan konzentrieren. Dies sei Teil einer neuen Strategie, an der das neue Management derzeit feile, um die Ertragskraft des nach Toyota zweitgrößten japanischen Autobauers zu stärken, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Nissan teilte dazu mit, man treibe uneingeschränkt die Stärkung des europäischen Produkt-Portfolios voran "als Teil seiner Verpflichtung, die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens in der Region zu steigern." Man habe erst im November des vergangenen Jahres den neue Nissan Juke auf den Markt gebracht. Dieser markiere "den ersten Schritt auf dem Weg zu einem runderneuerten Pkw-Portfolio für Europa".

Zudem habe man bereits mit umfangreichen Umbauarbeiten im britischen Werk Sunderland begonnen, das derzeit für den Produktionsstart des neuen Nissan Qashqai vorbereitet werde. "Und nicht zuletzt forcieren wir auch die Elektrifizierung unserer Line-Ups, das wir zudem mit vollkommen neuen Modellen ergänzen werden."

Nissan Motor
Nissan Motor 3,02

Den Insidern zufolge soll der "operative Leistungsplan" am 28. Mai vorgestellt werden und über die Behebung der Probleme hinausgehen, die durch den aggressiven Expansionsdrang unter dem inzwischen geschassten Konzernchef Carlos Ghosn entstanden seien. Unter Ghosn hatte Nissan vor allem in den USA hohe Preisabschläge gewährt, um Marktanteile zu gewinnen, was auf Kosten der Rendite ging.

Erster Betriebsverlust seit elf Jahren

Im Rahmen der neuen Strategie will Nissan auch die Kräfte mit seinen Partnern Renault und Mitsubishi besser aufteilen. So will sich Nissan bei Plug-in-Hybriden künftig an Mitsubishi orientieren und dem kleineren Partner auf den asiatischen Märkten außerhalb Chinas und Japans die Führung überlassen. Renault werde sich wahrscheinlich auf elektrische Fahrzeugtechnologien und Europa konzentrieren. "Dies ist nicht nur ein Kostensenkungsplan. Wir rationalisieren den Betrieb, setzen neue Prioritäten und richten unser Geschäft neu aus", sagte einer der Insider. Nissan und Mitsubishi lehnten einen Kommentar ab. Von Renault war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

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Der neue Plan, der unter Leitung des für das operative Geschäft zuständigen Managers Ashwani Gupta erarbeitet wurde, ziele darauf ab, Ressourcen für Investitionen in Produkte und Technologie für die Vereinigten Staaten, China und Japan freizusetzen, sagte einer der Eingeweihten. In anderen Ländern werde Nissan seine Aktivitäten dagegen straffen - etwa in Indien, Indonesien, Malaysia, Südafrika, Russland, Brasilien und Mexiko. In Afrika und dem Nahen Osten wolle man sich stärker auf SUV konzentrieren. Damit sei nicht verbunden, dass sich Nissan aus dem Ausland zurückziehe, betonten die Insider.

Es bedeute aber womöglich, dass Nissan mehr als die im vergangenen Jahr weltweit angekündigten 14 Werke schließen werde. Im Juli hatte der skandalgeschüttelte Autobauer angekündigt, weltweit 12.500 Stellen abzubauen - jede zehnte Stelle. Die Coronakrise brockt Nissan in diesem Jahr wohl den ersten Betriebsverlust seit elf Jahren ein.

Quelle: ntv.de, jpe/rts