Wirtschaft

Studios wollen mehr On-Demand Killt Hollywood das Kino-Geschäft?

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(Foto: picture alliance / Monika Skolim)

Statt monatelang auf DVDs in ihrer Videothek zu warten, sollen Kino-Fans die neuesten Filme bald sofort zu Hause schauen können: Die Hollywood-Studios werkeln heimlich an Premium-Diensten, die das Kino-Geschäft revolutionieren könnten.

In der Kinobranche geht ein neues Schreckenswort um: Premium-on-Demand. Bisher kommen große Hollywood-Blockbuster erst Monate nach dem Kinostart in die Videothek oder zu Online-Streamingdiensten. Doch weil dank Netflix, Amazon und Co. immer mehr Zuschauer Filme lieber auf der Couch abrufen, wenn's ihnen passt, statt sich zu festen Zeiten in einen Kinosessel zu setzen, werkeln die Hollywood-Studios im Stillen an einer Revolution im Ticketgeschäft: Sie wollen die Verleihfrist für ihre Filme deutlich verkürzen und sie kurz nach dem Start auch im heimischen Wohnzimmer anbieten.

Laut "Wall Street Journal" (WSJ) planen die Studiobosse, ihre Filme bald schon nach weniger als 45 Tagen in den digitalen Verleih zu geben, statt sie wie bisher mindestens 90 Tage an die Kinoketten zu lizensieren. Die Hollywoodstudios fordern schon lange deutlich kürzere Verleihfristen, scheiterten bisher aber an den Kinobetreibern, die Umsatzeinbrüche fürchten. Weil die Konkurrenz durch Netflix aber immer größer wird, sollen die Gespräche nun vor dem Durchbruch stehen.

Die Frage ist offenbar nur noch, wann die sogenannten Premium-on-Demand-Dienste starten, und nicht ob. Bis Jahresende könnten aktuelle Filme daher schon wenige Wochen nach ihrem Debüt für 30 bis 50 Dollar zu Hause abrufbar sein, schreibt das Blatt. Details des neuen Geschäftsmodells sind noch unklar: Einige Studios wollen ihre Filme schon nach zehn Tagen bei Streaming-Diensten anbieten, andere die Länge der Verleihfrist an den Erfolg an der Kinokasse knüpfen - Flops könnte man dann früher streamen als Hits. Doch so oder so dürften die Verhandlungen die Kinobranche revolutionieren.

Kinostart auf der Couch

Die hat Angst um ihr Geschäft: Noch ist die Rede von bis zu 50 Dollar pro gestreamtem Film. Aber langfristig dürften die Preise sinken - dann geht womöglich kaum noch jemand ins Kino. Die Priorität liegt für die Betreiber deshalb darauf, sich einen Anteil an den neuen Digitaleinnahmen der Filmproduzenten zu sichern. Man werde einem Plan zustimmen, wenn er "angemessene langfristige Beteiligung" sicherstelle, sagte die Chefin der zweitgrößten US-Kinokette im Februar 2017.

Angeboten hätten die Studios bisher 10 bis 20 Prozent der neuen Umsätze, falls die Verleihfrist unter 30 Tage verkürzt wird, schreibt das "WSJ". Einer der Knackpunkte sei, für wie lange die Kinos an den neuen Einnahmen beteiligt würden. "Sie wollen wahrscheinlich lieber Sicherheit über längere Zeit als bloß fünf oder zehn Prozent mehr", zitiert das Blatt Rob Moore, den Ex-Vizechef der Paramount-Studios.

Am liebsten wäre den Studios eine gütliche Einigung mit den Kinoketten. Mindestens ein Produzent sei notfalls aber auch bereit für einen Alleingang, schreibt das "WSJ". Andere würden dann wohl folgen. Sicher ist das aber nicht: Aus Wettbewerbsgründen dürfen die Studios nicht gemeinsam mit den Kinobetreibern verhandeln, sondern nur einzeln.

Auch die Studios kommen unter Druck

Hollywood flirtet schon lange mit einem moderneren Vertriebsmodell. Die Chefs von Warner Bros. und 20th Century Fox haben sich in letzter Zeit für Premium-Dienste ausgesprochen. Schon 2015 einigte sich Paramount mit zwei Kinoketten auf ein kürzeres Verleihfenster. Der Vorstoß verlief aber im Sande, weil er nur wenige Streifen betraf. Diesmal soll es anders laufen, weil viele Studios einen Großteil ihrer Filme einbringen wollen.

Nicht nur die Kinos, auch die Studios geraten durch die neuen Sehgewohnheiten ihrer Zuschauer unter Druck. Ein neues Vertriebsmodell ist für sie überlebensnotwendig. Denn inzwischen bedroht Netflix nicht nur die Kinos, sondern auch die Hollywoodstudios. Der Streaming-Dienst produziert nicht mehr nur Serien, sondern auch Spielfilme mit Stars wie Will Smith ("Bright") oder Brad Pitt ("War Machine"), die bald anlaufen.

Angeblich verhandelt Netflix gerade über einen Martin-Scorsese-Film mit Robert de Niro und Al Pacino und einem Budget von 120 Millionen Dollar. "Wenn die Studios nicht Schritte zu mehr Wettbewerb unternehmen, werden sie Netflix einfach die Kontrolle über die Entertainmentindustrie übernehmen lassen", sagt Moore.

Quelle: n-tv.de

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