Wirtschaft

"Gigantische Transformation" Klimaschutz ist für Merkel eine Existenzfrage

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Merkel besuchte zum zwölften Mal das Weltwirtschaftsforum in Davos.

(Foto: REUTERS)

Nicht weniger als eine Existenzfrage sei der Klimaschutz, sagt Kanzlerin Merkel in Davos. Den Gesellschaften stünden "Transformationen von gigantischem historischen Ausmaß" bevor, so Merkel. Sie warnt in der Debatte aber auch vor Konflikten und einer "Sprachlosigkeit" zwischen Menschen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos die Bedeutung des Klimaschutzes als Existenzfrage betont. "Die Frage der Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens könnte eine Frage des Überlebens für den ganzen Kontinent sein", sagte Merkel in Davos. "Deshalb ist Handlungsdruck da."

Mit den derzeitigen Verpflichtungen der Staaten werde das Ziel nicht erreicht, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf 1,5 Grad zu begrenzen. Die Welt müsse gemeinsam handeln, aber jedes Land müsse einen Beitrag leisten. Der Auftrag, unter 1,5 Grad zu bleiben, bedeute "nicht mehr und nicht weniger" für Europa, als dass man bis 2050 "klimaneutral" sein müsse. Das bedeutet, unterm Strich keine Treibhausgase mehr auszustoßen und nicht vermeidbare Emissionen auszugleichen.

Das seien "natürlich Transformationen von gigantischem historischem Ausmaß", sagte Merkel weiter. "Diese Transformation heißt im Grunde, die gesamte Art des Wirtschaftens und des Lebens, wie wir es uns im Industriezeitalter angewöhnt haben, in den nächsten 30 Jahren zu verlassen." Man müsse zu neuen Wertschöpfungsformen kommen.

Sprachlosigkeit überwinden

Das Ziel, bis 2050 klimaneutral zu wirtschaften, sei ein riesiger Kraftakt. Produktionsprozesse etwa in der Stahlindustrie müssten völlig umgestellt werden. Dabei werde "grüner" Wasserstoff eine große Rolle spielen. Dieser könne außerhalb Europas besser erzeugt werden. Die Kanzlerin verwies darauf, dass Deutschland aus der Kernenergie aussteigt und bis spätestens 2038 aus der Kohleverstromung - und "wenn möglich" bis 2035.

Zugleich warnte Merkel vor gesellschaftlichen Konflikten im Kampf gegen die Erderwärmung. Es gebe eine "Sprachlosigkeit" zwischen Menschen, die den Klimawandel leugneten und denjenigen, für die Klimaschutz höchste Dringlichkeit habe. Dies mache ihr Sorgen, so Merkel. Diese "Sprachlosigkeit" müsse überwunden werden durch mehr Dialog. Dabei konkurrierten Fakten mit Emotionen.

Merkel sagte, die "Ungeduld der Jugend" müsse positiv und konstruktiv aufgenommen werden. Die Jugend habe einen ganz anderen Lebenshorizont. "Deswegen sind wir zum Handeln aufgefordert."

Große Chancen sieht Merkel in einer Zusammenarbeit mit China beim Klimaschutz. Dies sei eines der großen Themen auch beim geplanten EU-China-Gipfel im September in Deutschland. China führe ein Emissionshandelssystem ein, dies könne mit dem europäischen System verknüpft werden.

Grüne fordern "mehr als leere Worte"

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hatte Merkel zuvor aufgefordert, sich in Davos zu mehr Klimaschutz zu bekennen und Unternehmen Unterstützung bei der Umstellung auf klimaneutrale Produktionen zuzusagen. "Ich erwarte von Angela Merkel, dass sie mehr als leere Worte mitgebracht hat und Nachbesserungen beim deutschen Klimaschutz ankündigt", sagte Hofreiter der "Rheinischen Post". Viele Unternehmen hätten verstanden, dass Klimaschutz die Agenda der nächsten Jahrzehnte bestimmen werde.

Luisa Neubauer von der Klimaschutzbewegung Fridays for Future sagte der Zeitung, sie erwarte "klare und mutige Ansagen und daraus folgende Taten" von Merkel. Die Kanzlerin sei gefragt, in Davos zu beweisen, "dass sie als Kanzlerin und auch als Physikerin verstanden hat, wie ernst die klimapolitische und damit auch wirtschaftliche Lage ist". Die Verantwortung, die auf der Kanzlerin laste, sei groß - "auch als Antagonistin zu den Trumps dieser Welt".

Quelle: ntv.de, mli/dpa/AFP