Wirtschaft

40 Prozent Rückgang realistisch Konzerne streichen reihenweise Dividenden

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Eine bisher noch nicht zu beobachtende Welle von Dividendenstreichungen rolle über die Aktienmärkte, konstatiert die DZ Bank.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

In Zeiten mickriger Sparzinsen sind Dividenden für Anleger ein willkommenes Zubrot. Und in den letzten Jahren auch ein recht lukratives. Nun kappen viele Konzerne wegen der Corona-Krise ihre Gewinnausschüttung. Die Kürzungen könnten erst der Anfang sein.

Zehntausende Aktionäre europäischer Unternehmen müssen sich wegen der Corona-Krise in diesem Jahr mit deutlich weniger Dividende begnügen - oder gehen ganz leer aus. Fast ein Viertel, exakt 141 der 600 Unternehmen im europäischen Aktienindex Stoxx haben einer Übersicht der DZ Bank zufolge bisher eine Streichung oder Aussetzung ihrer Gewinnausschüttung bekannt gegeben.

"Eine bisher noch nicht zu beobachtende Welle von Dividendenstreichungen rollt über die Aktienmärkte", heißt es in der Analyse. Die erwartete Ausschüttung im Stoxx für das Geschäftsjahr 2019 falle um 23 Prozent auf rund 310 Milliarden Euro, rechnet DZ-Bank-Experte Michael Bissinger vor. "Wir gehen davon aus, dass in den kommenden Monaten die Ausschüttungen weiter reduziert werden." Ein Rückgang der Dividenden um etwa 40 Prozent erscheine realistisch. Dies wäre vergleichbar mit den Kürzungen für Aktionäre in Europa während der Finanzkrise 2008/2009. "Wir gehen davon aus, dass die Dividenden dieses Mal mindestens so stark wie zur Finanzkrise fallen werden", schreibt Bissinger in seiner Analyse.

Nicht alle Branchen sind betroffen

Überdurchschnittlich häufig fällt die Dividende demnach bei Banken, Industrieunternehmen, in der Tourismusbranche und im Einzelhandel weg. Fast zwei Drittel der europäischen Banken im Stoxx - 27 von 44 - haben die Gewinnausschüttung vorerst gestrichen. Hier war der Druck der Aufseher groß: Sie hatten die Finanzinstitute aufgefordert, wegen des wirtschaftlichen Abschwungs ihr Geld lieber zusammenzuhalten. Relativ konstant ist der Analyse zufolge das zu erwartende Ausschüttungsvolumen in den Sektoren Gesundheit, Chemie und Telekommunikation.

"Zwar hat eine Reduktion oder Streichung der Dividende immer einen großen Vertrauensverlust zur Folge", schreibt Bissinger. "In der aktuellen Krise führt aber bei vielen Unternehmen kein Weg an einer Sicherung der Liquidität und Stärkung der Bilanz vorbei." Und auch die Aussichten trüben sich ein: Seit Mitte Februar wurden die Dividendenschätzungen für das laufende Geschäftsjahr 2020 um 14 Prozent verringert. "Diese Reduzierung erscheint uns zu gering", heißt es in der Studie des genossenschaftlichen Spitzeninstituts.

Der Chefstratege der Privatbank Merck Finck, Robert Greil, hatte Mitte April seine Einschätzung kundgetan, dass im deutschen Leitindex Dax in diesem Jahr rund ein Zehntel weniger an Dividenden ausgeschüttet werden als im Vorjahr. Greils Fazit: "Die Dividenden europäischer Konzerne eilten in den vergangenen Jahren von Rekord zu Rekord - für viele Anleger waren Dividenden in Zeiten niedriger Zinsen eine willkommene Ertragsquelle. Doch dieses Jahr gibt es für manchen Dividendenjäger ein böses Erwachen."

Angesichts des Endes des Dividenden-Booms nach fünf Rekordjahren in Folge appelliert Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW): "Aus Sicht der DSW sollten alle die Unternehmen, die aufgrund ihres Geschäftsmodells oder aufgrund ihrer hohen Liquidität nicht Gefahr laufen, durch die Pandemie in Probleme zu kommen, an ihrem Dividendenvorschlag festhalten."

Quelle: ntv.de, ino/dpa