Wirtschaft

Neue EZB-Chefin fordert Ausgaben Lagarde macht Bundesregierung Vorwürfe

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Länder mit Haushaltsüberschuss wie Deutschland sollten mehr investieren, findet Christine Lagarde.

(Foto: dpa)

Noch bevor sie ihr Amt an der Spitze der Europäischen Zentralbank antritt, teilt Christine Lagarde bereits aus. Sie mahnt die aus ihrer Sicht zu geringen Investitionen der Bundesregierung an. Mit ihrer Kritik bewegt sich die Französin ganz auf dem Kurs ihres Vorgängers Draghi.

Die künftige EZB-Chefin Christine Lagarde hat Deutschland zu höheren Investitionen ermahnt. Deutschland und andere Länder mit Haushaltsüberschüssen hätten "nicht die nötigen Anstrengungen unternommen", um ihr schwaches Wachstum anzukurbeln, sagte sie dem französischen Radiosender RTL. Sie reagierte damit auf die Warnungen deutscher Wirtschaftsinstitute vor einer Rezession.

Diejenigen Länder, die wie Deutschland und die Niederlande einen Haushaltsüberschuss aufweisen, sollten diesen nutzen und in die Infrastruktur investieren. Auch in die Bereiche wie Bildung und Forschung solle mehr Geld fließen. Lagarde bekräftigte damit ähnliche Forderungen des scheidenden EZB-Präsidenten Mario Draghi, der damit aber wenig Gehör gefunden hatte.

Unmittelbar nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 und der folgenden Wirtschaftskrise hätten die Staaten ihre Antworten "gut koordiniert", sagte Lagarde weiter. Später aber hätten "Länder mit chronischem Spielraum im Haushalt wie die Niederlande und Deutschland" nicht viel unternommen, um ihr Wachstum zu steigern.

Die Europäische Zentralbank erwartet für die Euro-Zone eine anhaltende Konjunkturschwäche. Im September hatte sie ein umfassendes Stützungspaket für die Wirtschaft beschlossen, das eine Zinssenkung, die Wiederauflage ihrer Anleihenkäufe und Erleichterungen für Banken umfasst. Lagarde rückt am Freitag als Nachfolgerin Draghis an die Spitze der EZB. Die ehemalige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird die erste Frau an der Spitze der EZB sein. Draghis achtjährige Amtszeit läuft Ende Oktober aus.

Quelle: n-tv.de, ibu/dpa/rts/AFP