Wirtschaft

Linke: "Moderne Sklaverei" Leiharbeiter sind so viele wie nie zuvor

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Vergangenes Jahr stieg die Zahl der Leiharbeiter auf mehr als eine Million an.

(Foto: picture alliance/dpa)

Leiharbeitnehmer verdienen im Schnitt 1300 Euro weniger als ihre fest angestellten Kollegen. Trotzdem steigt die Zahl der Menschen in dieser Beschäftigungsform auf einen neuen Rekordwert. Die Linkspartei fällt ein vernichtendes Urteil.

Die Zahl der Leiharbeiter in Deutschland ist Ende vergangenen Jahres erstmals auf mehr als eine Million gestiegen. Binnen eines Jahrzehnts nahm damit die Leiharbeiterzahl um rund 43 Prozent zu, wie aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Linken-Anfrage hervorgeht.

Ende 2007 hatte die Zahl der Leiharbeiter noch bei 721.345 gelegen. Vergangenes Jahr stieg die Zahl auf 1.031.589 an. Der Anteil an der Gesamtbeschäftigung habe im vergangenen Jahr bei 2,8 Prozent gelegen. Laut Regierungsantwort hatten rund 308.000 der insgesamt 783.000 Menschen, die im zweiten Halbjahr 2017 ein Beschäftigungsverhältnis in der Leiharbeit beendeten, 90 Tage danach noch keinen neuen Job. 475.000 fanden demnach in diesem Zeitraum eine neue Beschäftigung - 160.000 von ihnen jedoch ein weiteres Mal in der Leiharbeit.

Die Linke wertete die Zahlen als Beleg, dass der Trend zur Leiharbeit trotz Wirtschaftsboom und "angeblichem Fachkräftemangel" ungebrochen sei. Mehr als jeder zweite Leiharbeitnehmer arbeite trotz Vollzeit zu einem Niedriglohn. Leiharbeitnehmer verdienten im Bundesschnitt 1300 Euro weniger als ihre fest angestellten Kollegen. Zudem werde mehr als ein Drittel der Leiharbeiternehmer spätestens nach neun Monaten entlassen.

"Offene Drohung gegenüber Stammbelegschaften"

Linken-Fraktionsvize Susanne Ferschl erklärte, diese Form der Arbeit biete keine Zukunftsperspektive. Leiharbeiter seien Beschäftigte zweiter Klasse, "und zu Recht kann von moderner Sklaverei gesprochen werden". Der Einsatz von Leiharbeitern führe zur Spaltung von Belegschaften und sei "eine offene Drohung gegenüber Stammbelegschaften, ihre Lohnforderungen gering zu halten".

Leiharbeit soll Betrieben die Flexibilität ermöglichen, kurzfristig Personal aufzustocken. Sie soll vor allem Langzeitarbeitslosen und Geringqualifizierten die Chance bieten, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Leiharbeiter erhalten einen deutlichen geringeren Lohn als andere Arbeitnehmer. 2017 betrug der mittlere Bruttolohn von Vollzeit-Leiharbeitern den Angaben zufolge 1868 Euro monatlich, der von allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 3209 Euro.

Quelle: ntv.de, nen/AFP