Wirtschaft

Kursgewinne an zehn Tagen "Lemming-Effekt" treibt VW-Aktie an

Negativschlagzeilen gehören bei Volkswagen mittlerweile fast zum guten Ton. An den Aktienmärkten bleiben die Anleger aber gelassen - mehr noch: Sie greifen kräftig zu. Das hat zwei Gründe.

Fast täglich wartet der Volkswagen-Konzern mit Negativschlagzeilen auf. So ordnete nun Südkoreas Regierung wegen manipulierter Abgaswerte einen Rückruf an. Die Anleger blenden den Skandal und seine Folgen aber immer mehr aus: Mittlerweile den zehnten Tag in Folge kann der Aktienkurs zulegen.

VW Vorzüge
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Das VW-Papier war auch am Donnerstag mit einem Aufschlag von rund 3 Prozent neben Infineon der größten Gewinner im deutschen Börsen-Leitindex. Damit summierten sich die Gewinne in Serie nun auf fast 30 Prozent.

Benchmarking und Lemming-Effekt

"VW ist seit zwei Wochen konstant in einem Aufwärtstrend durch Short-Eindeckungen und völlig resistent gegen negative Nachrichten", sagte ein Händler auf dem Frankfurter Börsenparkett. Die Eindeckungen hätten knapp unter 100 Euro eingesetzt, da nach einem Kursabsturz von über 30 Prozent kein zusätzliches Abwärtspotenzial mehr erkennbar gewesen sei, erläuterte er.

Ein weiterer Aspekt spielt dem Kurs in die Karten: "Verstärkt wird das durch Indexfonds und aktive Fondsmanager", so der Händler. Er unterstreicht: Die Fondsmanager hätten "Benchmarking-Angst". Sie könnten es sich nicht leisten, eine Erholung in VW zu verpassen und dadurch gegenüber den VW-haltigen Indizes an relativer Performance zu verlieren. Per Saldo zwinge das zu prozyklischen Käufen in der Aktie, sagte der Marktteilnehmer.

Jeder Preis-Tick nach oben zwinge daher einen weiteren Fondsmanager in die Aktie. Möglicherweise könne die Erholung daher noch bis zum Widerstand aus dem ersten Kurs-Gap bei rund 135 Euro laufen. Aktuell notieren die Titel bei rund 124 Euro.

 "Spiegelbildlich ist das der selbe Lemming-Effekt wie wenn bei Panikverkäufen alle auf einmal aussteigen wollen", ergänzte ein anderer Händler. Das sei ein unangenehmer Nebeneffekt des weitverbreiteten Benchmarkings von Fonds und automatisiertem, bei vielen Marktteilnehmern identischem Risiko-Management. "Per Saldo erhöht das nur die Kursausschläge in beide Richtungen und bringt Volatilität in den Markt", kritisierte ein weiterer Marktteilnehmer.

Nun auch Südkorea

VW muss in Südkorea wegen des Vorwurfs manipulierter Abgaswerte mehr als 125.000 Autos in die Werkstätten rufen. Nach eigenen Abgastests bei mehreren Modellen der Marken VW und Audi seit dem vergangenen Monat belegte das Umweltministerium in Seoul den deutschen Autobauer zudem mit einer Geldstrafe von 14,1 Milliarden Won (11,6 Millionen Euro). Die Tests hätten ergeben, dass VW die Abgaswerte bei Fahrzeugen mit Dieselmotoren geschönt habe, teilte die Behörde mit.

Volkswagen Korea muss demnach bis zum 6. Januar einen konkreten Rückrufplan für 125.522 Diesel-Fahrzeuge vorlegen. Betroffen sind Autos mit EA-189-Motoren, die vor allem zwischen 2008 und 2015 verkauft wurden, einschließlich des in Südkorea populären Tiguan. VW hat auch in Europa und den USA mit Hilfe manipulierter Software Abgaswerte geschönt.

Quelle: ntv.de, bad/DJ/rts/dpa