Wirtschaft

Für Mama die Nähmaschine Lidl reist in die 50er-Jahre

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Muttertags-Werbeaktion bei Lidl.

(Foto: Lidl)

Während sich eine Frau über ein Bügeleisen freut, wünscht sich ein Mann eine Bohrmaschine. Unbedingt zeitgemäß ist das zwar nicht. Doch das hält Lidl nicht davon ab, mit diesem Rollenbild zu werben.

Es kommt immer wieder vor, dass Unternehmen mit einer Werbekampagne regelrechten Schiffbruch erleiden - nun erwischt es Lidl. Der Grund: Die Marketing-Abteilung des Discounters hielt es für eine gute Idee, zum Muttertag ganz tief in die Klischeekiste zu greifen.

Auf der Website des Unternehmens wird für Geschenke "für die beste Mama" geworben. Und über was freut sich demnach die Frau von heute? Über ein Dampfbügeleisen, eine Nähmaschine, einen Staubsauger und eine Kaffeemaschine. Im zugehörigen Prospekt werden eine Erdbeertorte und eine Pizza Amore angepriesen - beide in neckischer Herzform. Aromakerzen gibt es auch. Eine duftet nach "frischer Wäsche".

Da wird sich Mutti richtig freuen, werden sich die Marketing-Experten gedacht haben. Und für Männer gibt es natürlich auch etwas: Unter dem Motto "Kraftvoll ans Werk" wird Werkzeug feilgeboten, etwa ein Bohr- und Meißelhammer sowie ein Dreieckschleifer.

Mit anderen Worten: Mama näht, während Papa den Bohrer schwingt. So richtig klasse findet das nicht jeder, entspricht dieses Bild doch dem Rollenverständnis vergangener Zeiten. "Ihre Angebote zum Muttertag spotten jeder Beschreibung. Da glaubte ich, Lidl sei in modernes Unternehmen. Weit gefehlt, mit Lidl zurück in die Nachkriegszeit, sprich 50er Jahre. Es ist nicht zu fassen.", schreibt eine Frau auf der Facebook-Seite des Unternehmens.

"Als Softwareentwicklerin und Mutter von 2 Kindern bin doch mehr erstaunt und auch erschüttert über das Rollenbild was ihr vermittelt. Vielleicht solltet ihr Eure Klischees mal überdenken. Meine Familie und ich leben übrigens im Jahr 2018 und ihr?", schreibt eine andere.

"Nehmen das Feedback sehr ernst"

Doch nicht alle teilen diese Meinung. "Ich hätte kein Problem damit nen Bügeleisen oder so zum Muttertag zu bekommen. Wenigstens was sinnvolles und nichts was nachher irgendwo im Schrank liegt oder im Müll landet. Verstehe das Problem nicht", heißt es auch auf der Seite.

Das Social-Media-Team des Unternehmens reagiert derweil eigenwillig. Statt auf die Vorwürfe einzugehen, gibt es eine nichtssagende Standard-Antwort: "Im Rahmen unserer wechselnden Aktionswochen greifen wir - wie alle Händler - saisonale Anlässe oder Feiertage in unseren Marketingmaßnahmen auf. Dabei bieten wir spezielle Aktionsprodukte an oder reduzieren ausgewählte Produkte für einen begrenzten Zeitraum teilweise deutlich im Preis, was bei unseren Kunden immer sehr gut ankommt. Wir bedauern, wenn wir mit den aktuellen Aktionsangeboten bei einigen Kunden für Unmut sorgen und nehmen das Feedback sehr ernst."

Quelle: n-tv.de, jga