Wirtschaft

Ergebnis runter, Dividende hoch Linde-Kurs fällt trotz Anlegergeschenk

Nach mehr als elf Jahren an der Linde-Spitze ist für Wolfgang Reitzle im Mai Schluss. Dann findet die Hauptversammlung des weltgrößten Industriegasekonzerns statt. Und für die Aktionäre hat Reitzle zum Abschied noch etwas in petto. Die schauen dennoch skeptisch.

Währungsverluste aufgrund des starken Euro haben den weltgrößten Industriegasekonzern Linde Ende des vergangenen Jahres belastet, einen Rekordgewinn aber nicht verhindert. "Wir konnten uns ganz gut behaupten, obwohl die Rahmenbedingungen nicht günstig waren und unser Wachstum insbesondere im zweiten Halbjahr von Währungskurseffekten beeinträchtigt wurde", sagte der scheidende Konzernchef Wolfgang Reitzle. Der Konzern, der inzwischen den Erzrivalen Air Liquide an der Spitze der Gasebranche abgelöst hat, steigerte 2013 den operativen Gewinn um 7,6 Prozent auf einen Spitzenwert von 3,97 Milliarden Euro.

Linde setzte im vergangenen Jahr 16,66 Milliarden Euro um - ein Plus von 5,2 Prozent. Der Konzernüberschuss kletterte um 6,9 Prozent auf 1,32 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr erwartet Reitzle - Währungseffekte herausgerechnet - ein "solides Wachstum" des Konzernumsatzes. "Beim operativen Konzernergebnis ist mit einer moderaten Verbesserung zu rechnen", prognostizierte Manager.

 

Reitzle hatte den Konzern, der zuvor eher als langweiliges Mauerblümchen im Dax galt, in den vergangenen Jahren komplett umgekrempelt. Der charismatische Manager mit dem schmalen Oberlippenbart und einer Vorliebe für feinen Zwirn verkaufte zunächst das margenschwache Kühlregal-Geschäft. Ein kompletter Bruch mit der Tradition: Linde war 1879 als "Gesellschaft für Linde's Eismaschinen" gegründet worden. Der ganz große Wurf gelang Reitzle 2006 mit der rund zwölf Milliarden Euro teuren Übernahme des deutlich größeren britischen Konkurrenten BOC.

Mit BOC führte Reitzle Linde an die Spitze der Branche heran und baute das lukrative Asiengeschäft deutlich aus. Als Abschluss des Radikalumbaus gab Reitzle dann die Gabelstaplersparte an Finanzinvestoren ab - inzwischen ist sie als "Kion" an der Börse notiert. Das Geschäft Medizingasen verstärkte er 2012 durch die Übernahme des US-Konzerns Lincare - nach BOC die zweite Großübernahme.

Schwaches Schlussquartal

Der operative Gewinn sei im vierten Quartal binnen Jahresfrist dennoch um 3,6 Prozent auf 970 Millionen Euro gesunken, teilte das Dax-Unternehmen weiter mit. Analysten hatten im Schnitt mit 980 Millionen Euro gerechnet. Unter dem Strich blieb ein Überschuss von 320 Millionen Euro, ein Minus von 5,6 Prozent.

Die Kursrückgänge zum Euro beim US-Dollar, beim australischen Dollar, beim südafrikanischen Rand und beim britischen Pfund knabberten am Ergebnis. Linde setzte von Oktober bis Dezember 4,187 Milliarden Euro um - 4,1 Prozent weniger als vor Jahresfrist.

Gleichzeitig senkte Linde im vergangenen Jahr seine Schuldenlast leicht. Die Nettoverschuldung ist den Angaben zufolge 2013 um 300 Millionen Euro auf 8,2 Milliarden Euro gedrückt worden. Die Verschuldung war 2012 durch die rund 3,6 Milliarden Euro teure Übernahme des US-Gesundheitsdienstleisters Lincare nach oben geschnellt. 2011 hatte die Nettoverschuldung noch bei 5,1 Milliarden Euro gelegen.

Mittelfristziele bekräftigt

Für das laufende Jahr erwartet Reitzle währungsbereinigt ein "solides Wachstum" des Konzernumsatzes. "Beim operativen Konzernergebnis ist mit einer moderaten Verbesserung zu rechnen", sagte Reitzle, der Linde nach mehr als elf Jahren an der Spitze im Mai mit Abschluss der Hauptversammlung verlassen wird.

Reitzle bekräftigte die Mittelfristziele für 2016: Sollte aber der Euro weiterhin so stark sein wie Ende 2013, sei 2016 mit Einbußen von rund 400 Millionen Euro beim operativen Ergebnis zu rechnen.

Analysten zufrieden

Den Aktionären stellte der scheidende Konzernchef eine Anhebung der Dividende um 30 Cent auf 3,00 Euro je Aktie in Aussicht. "Er liegt leicht über der Erwartung um 2,90 Euro und unterstreicht die guten Zahlen", sagte ein Marktteilnehmer.

Keine großen Abweichungen gegenüber den Prognosen entdeckte ein anderer Händler in den Zahlen von Linde. "Das sieht alles völlig in line aus", sagte er. "Per Saldo dürfte der Markt honorieren, dass Linde verlässlich liefert und es ein Rekordergebnis ist". Auch der Unternehmensausblick 2016 sei erneut bestätigt worden, wenn auch mit der Warnung vor eventuellen Problemen durch Wechselkurseffekte.

Der Aktienkurs gab - in einem positiven Gesamtumfeld - dennoch nach: Rund 3 Prozent ging es für die Titel zum Handelsstart nach unten.

Quelle: ntv.de, bad/rts/dpa/DJ

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