Wirtschaft

"Lage ist dramatisch" Luftfahrtverband ruft nach massiven Hilfen

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Die Corona-Krise trifft neben Airlines auch Hersteller und Zulieferer der Branche.

(Foto: dpa)

Der Flugverkehr steht wegen der Corona-Pandemie fast still. Der Branchenverband BDLI geht davon aus, dass es mehrere Jahre dauern wird, bis sich die Luft- und Raumfahrtindustrie davon erholt und fordert mehr Unterstützung vom Staat.

Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie sieht sich wegen der Corona-Pandemie in ihrer schwersten Krise und fordert umfangreiche Hilfen der öffentlichen Hand. Über 100.000 High-Tech-Arbeitsplätze in Deutschland seien in Gefahr, teilte der Branchenverband BDLI mit. "Die Lage ist dramatisch. Wir sind über Nacht ein halbes Jahrhundert zurückgeworfen worden, was Reisen und internationalen Austausch anbetrifft", sagte BDLI-Präsident und Airbus-Manager Dirk Hoke. "Es wird definitiv mehrere Jahre dauern, um aus dieser Krise herauszukommen."

Der für Luftfahrt zuständige BDLI-Vizepräsident Reiner Winkler sagte: "Wir erwarten für die Luftfahrtindustrie keine schnelle Erholung, sondern eine U-Kurve mit tiefem Tal." Erst 2022/23 dürfte sich das Flugaufkommen wieder normalisieren. Die weltweiten Reisebeschränkungen und die schwindende Nachfrage haben den Flugverkehr fast zum Stillstand gebracht.

Branchenriesen wie die Lufthansa verhandeln über Staatshilfen von rund zehn Milliarden Euro. Auch der Bedarf an Dienstleistungen wie Wartung und Instandsetzung sei global massiv eingebrochen, erklärte der BDLI. "Wir brauchen Exportbürgschaften sowie Finanzierungsunterstützung für den Absatz", betonte Winkler und warb für eine Erweiterung der Exportgarantien durch das Bundeswirtschaftsministerium.

Der Zusammenbruch des weltweiten Luftverkehrs trifft auch die Zulieferer mit voller Wucht. "Diese mittelständisch geprägten Unternehmen bluten in einem noch nie da gewesenen Tempo finanziell aus", warnte BDLI-Vizepräsident Arndt Schoenemann. Die Lage sei existenzbedrohlich für viele Firmen. Der Umsatz der Zulieferer dürfte 2020 um rund ein Drittel einbrechen. Die Bundesregierung habe mit ihren Hilfspaketen wie dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds WSF vieles richtig gemacht, sagte BDLI-Chef Hoke, betonte aber: "Wir brauchen natürlich weitere Maßnahmen."

Im Zusammenspiel mit dem Staat gehe es darum, dass die Branche nach der Krise im internationalen Wettbewerb nicht ins Hintertreffen gerate. So fordert der BDLI weitere Forschungsförderung und appellierte an den Staat, geplante Aufträge in der Raumfahrt und der militärischen Luftfahrt jetzt zu erteilen, "um die Auswirkungen der Krise nicht unnötig zu verschlimmern". Zudem will die Branche Regeln zum Corona-Kurzarbeitergeld über 2020 hinaus beibehalten, solange die Pandemie-Krise oder deren akute wirtschaftliche Folgen andauern.

Quelle: ntv.de, hul/rts