Wirtschaft

Boarding mit Negativ-Ergebnis Lufthansa erprobt Flüge mit Schnelltest

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Die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines testet den neuen Antigen-Schnelltest im Flugbetrieb.

(Foto: REUTERS)

Erst Corona-Test machen, dann an Bord: Die Lufthansa-Gruppe testet die neuen Antigen-Schnelltests. Die Hoffnungen sind groß - irgendwann könnten die Negativnachweise die Quarantänepflicht ersetzen und das Transatlantikgeschäft wieder in Schwung bringen.

Als erste Airline der Lufthansa-Gruppe erprobt Austrian Airlines (AUA) den Einsatz von Corona-Schnelltests auf einem Flug von Wien nach Berlin. Der am Morgen gestartete Probebetrieb von Antigen-Schnelltests soll bis 8. November dauern, teilte die österreichische Fluggesellschaft mit. Der für die Passagiere kostenlose Test, der nach 15 Minuten ein Ergebnis liefern soll, sei allerdings kein Ersatz für den weniger schnellen PCR-Test. Er ändert auch nichts an den strengen Einreisebestimmungen aufgrund der Pandemie. Da fast ganz Österreich einschließlich der Hauptstadt von Deutschland als Risikogebiet eingestuft ist, gilt für Ankommende eine mindestens fünftägige Quarantänepflicht. Für Kurzaufenthalte etwa von Geschäftsreisenden gelten Ausnahmen.

Die AUA und der Flughafen Wien wollen herausfinden, wie sich die Schnelltests in den Ablauf einer Flugreise integrieren lassen. "Perspektivisch ist es unser Ziel, auch entsprechende Lockerungen bei Reiserestriktionen zu erreichen", erklärte AUA-Manager Jens Ritter. In einem Testzentrum im Check-in-Bereich können Fluggäste den Test vornehmen lassen. Das Ergebnis erfahren sie eine Viertelstunde später per SMS oder mündlich. Erst bei Vorliegen eines negativen Tests werde die Bordkarte freigeschaltet.

Sollte das Testergebnis positiv ausfallen, müssen betroffene Passagiere das weitere Vorgehen mit der Gesundheitsbehörde abklären. Sie könnten dann kostenfrei umbuchen oder den Flug stornieren. "Wir müssen die Grenzen, die Corona in den letzten Monaten aufgebaut hat, wieder abbauen", forderte Ritter. Die Lufthansa hatte im September angekündigt, im Rahmen eines Pilotprojekts Schnelltests auch auf Transatlantikflügen einzusetzen.

Transatlantikgeschäft am Boden

Auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr erhofft sich durch marktreife Schnelltests eine Wiederbelebung des interkontinentalen Flugverkehrs. Mit "verbindlichen negativen Tests bei Abflug oder Rückkehr" könnten die Fernflugverbindungen etwa in Richtung USA und Asien bald wieder aufgenommen werden, sagte er dem "Tagesspiegel". Sein Unternehmen würde daher "gern so bald wie möglich mit den ersten Pilotstrecken starten".

Die Antigen-Schnelltests kämen "jetzt in großen Stückzahlen auf den Markt", ergänzte Spohr. Die Behörden in Europa und den USA könnten etwa erlauben, damit negativ getestete Reisende ins Land zu lassen. Der internationale Flugverkehr liegt durch die Folgen der Corona-Krise und der damit einhergehenden Reisebeschränkungen am Boden. Die Branche befindet sich in großer wirtschaftlicher Not.

Anders als zu Beginn der Pandemie können seit kurzem Antigen-Schnelltests eingesetzt werden, die eine Infektion viel schneller als PCR-Standardtests nachweisen können. Letztere sind zwar verlässlicher, müssen allerdings im Labor ausgewertet werden. Auch die deutschen Behörden wollen diese zur Ergänzung nutzen. Sie kündigten jedoch an, den begrenzten Nachschub auf Bereiche wie das Gesundheits- und Bildungssystem zu konzentrieren.

Quelle: ntv.de, mau/rts/AFP