Wirtschaft

A380 praktisch ausgemustert Lufthansa stemmt sich gegen den Sturzflug

Die Kranich-Airline wird in der Corona-Krise immer mehr zu einem gerupften Vogel. Auch nach dem Einstieg des Staates mit Milliarden Euro stabilisiert sich die Lage nicht. Mit einem inzwischen dritten Sparpaket innerhalb weniger Monate soll der Crash verhindert werden.

Deutschlands größte Airline versucht mit dem inzwischen dritten Sparprogramm der massiven Folgen der Corona-Pandemie Herr zu werden. Nach einer leichten Entspannung der Lage in der Urlaubszeit schrillen bei der inzwischen mit Staatshilfe am Leben gehaltenen Airline erneut die Alarmglocken. In der Folge werden deutlich mehr Flugzeuge stillgelegt. Der Großraumflieger A380 wird wahrscheinlich gar nicht mehr abheben. Und auch der Wegfall von 22.000 Stellen im Konzern ist längst nicht das Ende der Fahnenstange.

Grund für die neuerliche Sparrunde ist bei der Kranich-Airline die bittere Erkenntnis, dass sich die Prognosen für das in wenigen Wochen beginnende vierte Quartal als zu optimistisch erwiesen haben. Die Buchungszahlen sinken seit September wieder, weil mit steigenden Infektionszahlen in Europa wieder mehr Reisewarnungen und Quarantäneauflagen verhängt wurden. Nun rechnet das Unternehmen nach eigenem Bekunden nur noch mit einem Produktionsniveau von 20 bis 30 Prozent des Vorjahreswertes. Zuletzt war man immerhin noch von 50 Prozent ausgegangen.

Bis Mitte des Jahrzehnts sollen nun 150 Flugzeuge stillgelegt werden - 50 mehr als bislang. Sechs A380 sind bereits eingemottet. die verbleibenden sechs Maschinen sowie zehn Flugzeuge vom Typ A340-600 werden in einen "sogenannten Langzeitparkmodus überführt und aus der Planung genommen", wie es heißt. Zwar könnten sie wieder in Betrieb genommen werden - doch "nur im Falle einer unerwartet schnellen Markterholung". Praktisch also werden sie, solange sie das Lufthansa-Logo tragen, wohl nur noch Bodenkontakt haben. In der Bilanz werden dadurch Wertberichtigungen im Höhe von mehr als einer Milliarden Euro nötig.

Straffung der Leitungsebene

Mit der ausgeweiteten Flottenstillegung steigt zudem der sogenannte Überhang an Personal. Waren am Ende der bisherigen Sparpakete 22.000 Beschäftigte ohne wirkliche Perspektive, ist diese Zahl nun nochmals gestiegen. Darüber wird nun mit den Gewerkschaften verhandelt. Immerhin soll die Zahl der betriebsbedingten Kündigungen so klein wie möglich gehalten werden. Schließlich sollen noch jede fünfte Leitungsstelle wegfallen und die Prozesse neu strukturiert werden.

Die Lufthansa und die Tochtergesellschaften Austrian Airlines, Swiss und Brussels Airlines mussten mit neun Milliarden Euro Staatshilfen aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Belgien vor der Pleite bewahrt werden. Aus der Gruppe der Dax-Unternehmen musste sich das Unternehmen bereits verabschieden.

Vor der Krise hatte der Konzern 760 Flugzeuge und etwa 138.000 Mitarbeiter. Die Belegschaft hatte Konzernchef Carsten Spohr in der vergangenen Woche bereits auf die weiteren Einschnitte eingestimmt.

Die überarbeitete Finanzplanung siehe trotz des eingetrübten Ausblicks vor, die Mittelabflüsse durch striktes Kostenmanagement weiter zu senken. Der Liquiditätsabfluss soll von aktuell rund 500 Millionen Euro pro Monat auf durchschnittlich 400 Millionen pro Monat im kommenden Winter gesenkt werden. Der Konzern bekräftigte das Ziel, im kommenden Jahr wieder einen positiven freien Cashflow zu generieren.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/DJ