Wirtschaft

"Albtraum für 590.000 Dollar" Maklerin testet Immo-Markt mit "Horror-Haus"

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Das Hausinnere offenbart den ganzen Horror: Vandalismus, Zerstörung, Tierexkremente und bestialischer Gestank.

(Foto: CNN Courtesy Mimi Foster/Falcon Property)

Eine Immobilienmaklerin in den USA will die Schmerzgrenze bei Käufern testen und ruft für ein verdrecktes und runtergekommenes Haus einen Fantasiepreis auf. Sie stellt fest: Maden oder bestialischer Gestank - Menschen, die Häuser kaufen wollen, lassen sich von nichts mehr abschrecken.

Der Immobilienmarkt gerät mancherorts zunehmend außer Kontrolle. Das hat eine Maklerin aus Colorado jetzt bewiesen. Um die Schmerzgrenze der Käufer auszuloten, startete sie vergangene Woche einen fast absurden Test, der sie am Ende wohl auch selbst etwas ratlos zurücklässt. Dass sich inzwischen jeder Dreck für teures Geld verkauft lässt, scheint schwer nachvollziehbar.

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Das "Haus der Hölle" sieht nur von außen nett aus.

(Foto: Redfin)

Laut dem US-Sender CNN bot die Maklerin Mimi Foster vergangene Woche ein Haus mit fünf Schlafzimmern im Viertel Broadmoor Bluffs Estates in Colorado Springs an. Kaufpreis: 590.000 US-Dollar. Was wie ein Schnäppchen daherkommt in einer Wohngegend, wo Villen in der Spitze für 800.000 Dollar den Besitzer wechseln, hat jedoch einen - für den Test beabsichtigten - Haken.

Hinter der Eingangtür einer passablen Fassade warten auf die Besucher Vandalismus, Zerstörung, Tierexkremente und bestialischer Gestank, wie Foster in ihrem Exposé auch unverblümt zugibt, um böse Überraschungen zu vermeiden. Es sei der "Albtraum jedes Vermieters", schreibt die Maklerin von der Firma Falcon Property. "Wenn Sie davon träumen, Ihr eigenes kleines Stück Hölle zu besitzen und es in ein Stück Himmel zu verwandeln, dann suchen Sie nicht weiter!"

Die Immobilie, die sie auch "Horror-Haus" oder "Haus aus der Hölle" nennt, wurde 2019 zwangsgeräumt, nachdem die Bewohner ihre Miete nicht mehr zahlten. Deren letzte Amtshandlung bestand darin, eine Sprühflasche zu nehmen, alles zu verschmieren und ansonsten so viel Dreck wie möglich zu hinterlassen. "Es gibt keinen Quadratmeter, der nicht verschandelt und verdreckt ist. Alles muss neu gemacht werden", sagt die Maklerin bei einem Rundgang.

Interessenten müssen sich vom Gestank überzeugen

Auf rund 150.000 US-Dollar schätzt Foster die Kosten, das Haus wieder instand zu setzen. Für ein Haus in dem Zustand verlangt sie einen dreisten Preis, das ist ihr klar. "Das will ich jetzt testen!", kündigt Foster dem Sender jedoch an, und stellt dabei eine wichtige Bedingung: Die Interessenten müssen sich vor Ort unbedingt selbst ein Bild und einen Eindruck vom bestialischen Gestank machen. Sie selbst sei sich nicht sicher, ob sie "irgendwann schon mal so was gerochen habe".

Dass das Haus kein Ladenhüter wird, ist schnell klar. Trotz der Horror-Beschreibung erhält sie innerhalb eines Tages 250 Anrufe von Interessenten. 16 Gebote lägen vor, erzählt die Immobilienmaklerin. Das Interesse an dem Objekt war überwältigend, wie auch ein Blick auf das Immobilienportal Redfin verrät. Fosters Anzeige für das"Horror-Haus" wurde insgesamt 836.000 geklickt.

Offenbar hat die Immobilie mittlerweile den Besitzer gewechselt, keine Woche hat es gedauert: Den Käufern war die Immobilie 573.493 US-Dollar wert, wie man lesen kann. Im Januar 2001 hatte das Haus für 212.750 Dollar den Besitzer gewechselt. Der Wert des Hauses hat sich demnach mehr als verdoppelt.

Der Verkäufer, der außerhalb von Colorado lebt und krank sein soll, kann zufrieden mit der Summe sein. Weil er seine Hypothek nicht mehr bedienen konnte, drohte ihm 2020 die Zwangsvollstreckung. Nur Corona und das zeitweise Verbot von Zwangsvollstreckungen während der Pandemie hat das verhindert. Dank des ambitionierten Kaufpreises, den die Maklerin Foster aufgerufen hat, sind nun alle seine Schulden getilgt.

Quer über die Wände des Wohnzimmers im Haus steht in großen Buchstaben die Kritzelei: "Ihr werdet nicht mehr in der Lage sein, es zu vermieten! … hahaha". Was wohl als böser Fluch gedacht war, hat sich nicht bewahrheitet. Das Haus wird in diesem Zustand sogar verkauft. Der Beweis ist erbracht: Es gibt Menschen, die bereit sind, astronomische Summen selbst für Dreckslöcher zu zahlen.

Quelle: ntv.de, ddi

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