Wirtschaft

Immobilienpräsident Mattner "Manchen ist die Situation der Mieter egal"

121451199.jpg

Mangelware: Allein in Berlin werden Schätzungen zufolge mehrere Hunderttausend neue Wohnungen in den kommenden Jahren benötigt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Morgen treffen sich Spitzenvertreter der Branche und der Politik zum "Tag der Immobilienwirtschaft". Vor dem Tagungsort wollen gleich mehrere Gruppen protestieren. Auch die politische Debatte über Enteignungen und den Mietendeckel in Berlin ist aufgeheizt. Der Präsident des Spitzenverbands ZIA, Andreas Mattner, setzt auf Dialog - aber nicht mit allen.

n-tv.de: Zum Tag der Immobilienbranche haben mehrere Gruppen Proteste angekündigt. Die Polizei wird vor Ort sein, um Sie zu schützen. Zuletzt gab es sogar Angriffe auf Wohnungsgesellschaften, etwa in Brand gesetzte Autos. Wie reagieren Sie auf diese aufgeheizte Atmosphäre?

Andreas Mattner: Proteste bei Immobilienkongressen sind etwas völlig anderes als Gewalt gegen Wohnungsunternehmen. Das muss man unterscheiden. Bei Demonstrationen muss man den Dialog anbieten. Das haben wir auch getan bei einer Gruppe, die morgen zu unserem Tag der Immobilienwirtschaft eine Mahnwache abhalten will. Das ist leider abgelehnt worden. Alle Kräfte, die ernsthaft daran interessiert sind, die Situation der Mieter zu verbessern, müssen miteinander reden. Wer diesen Dialog verweigert, stellt sich selbst ins Abseits.

Wie ist es aus Ihrer Sicht zu dieser aufgeheizten Stimmung gekommen? Wer trägt die Verantwortung für diese vergiftete Atmosphäre, in der teilweise kein Dialog mehr möglich ist?

Die meisten, die sich in der Wohnungspolitik engagieren, machen das mit demokratischen Mitteln einschließlich Demonstrationen. Es gibt aber manche Gruppen, die wollen eine ganz andere Republik, ein ganz anderes politisches System. Für die ist die Diskussion über die Wohnungen nur Mittel zum Zweck. Denen ist die persönliche Lebenssituation der Mieter ziemlich egal. Mit denen in einen Dialog zu treten, führt zu nichts. Wichtig ist, dass man den Dialog mit allen anderen führt. Eines der Hauptprobleme ist ja ganz offenkundig, dass in den vergangenen Jahren nicht ausreichend gebaut wurde. Und die Investoren werden das gerne tun, aber nur in einem Klima, das einem das Gefühl gibt, die Investitionen sind langfristig sicher. Wenn man in Berlin über Enteignungen redet, ist das nicht das Klima, das man braucht um zu bauen.

Sie haben eine Umfrage vorgestellt, der zufolge die Mehrheit der Bevölkerung Enteignungen und Mietendeckel kritisch sieht. Glauben Sie, die breite Öffentlichkeit und die Immobilienwirtschaft stehen in dieser polarisierten Diskussion auf derselben Seite?

Unsere Umfrage zeigt, die Bevölkerung sieht sehr klug, dass Mietendeckel und Enteignungen der falsche Weg sind. Und das, obwohl den Menschen da ja ein Schlaraffenland versprochen wird.

Sie haben sich immer vehement gegen neue Maßnahmen zur Mietregulierung wie Mietpreisbremse oder Mietendeckel ausgesprochen. Zuletzt haben einige Wohnungsgesellschaften sich teils weitreichende Selbstverpflichtungen auferlegt. Haben Sie das Thema falsch eingeschätzt?

Das glaube ich nicht. Die Unternehmen haben verstanden, dass jeder leisten muss, was es kann. Das ist guter Weg. Warum wir Regulierung allgemein kritisch sehen: Wenn wir alle erkannt haben, dass Neubau wichtig ist, darf man es auf dem Weg dahin mit der Regulierung nicht übertreiben. Je mehr reguliert wird, desto weniger werden die Investoren und Entwickler bereit sein zu bauen.

Deutsche Wohnen zum Beispiel geht mit dem Versprechen, Mieten höchstens auf ein Drittel des Nettoeinkommens der Mieter zu begrenzen, sehr viel weiter als viele Regulierungsvorschläge, die Sie in der Vergangenheit kritisiert haben.

Jeder Konzern prüft immer wieder neu die Situation, in der er sich befindet, und macht Angebote. Es ist ja nicht neu, dass Wohnungsbaugesellschaften über das Vorgeschriebene hinausgehen. Viele haben schon immer beispielsweise Gemeinschaftseinrichtungen kostenlos zur Verfügung gestellt. Dazu zwingt sie kein Gesetz. Sie haben Integrationsarbeit gemacht für Flüchtlinge. Auch dazu zwingt sie kein Gesetz. Und nicht jedes Unternehmen hat die Möglichkeiten ausgeschöpft, Modernisierungskosten auf die Mieter umzulegen. Neu ist eigentlich nur die Diskussion darüber.

Würden Sie anderen Unternehmen empfehlen, dem Beispiel der Deutsche Wohnen zu folgen?

91773422.jpg

Andreas Mattner ist Präsident des Zentralen Immobilienausschusses (ZIA), in dem die verschieden Zweige und Verbände der Immobilienbranche zusammengeschlossen sind.

(Foto: picture alliance / Bernd von Jut)

Ja, jedem entsprechend seiner Möglichkeiten. Die Leistungsfähigkeit der Unternehmen ist sehr unterschiedlich. Jedes Unternehmen sollte tun, wozu es in der Lage ist.

Kommen diese Zugeständnisse nicht zu spät. Wäre die Diskussion um Enteignungen und Mietendeckel vielleicht anders verlaufen, wenn die Deutsche Wohnen und andere früher gehandelt hätten?

Das ist Spekulation. Darüber kann ich für einzelne Unternehmen nicht urteilen. Ich kann nur für die gesamte Immobilienbranche sagen: Ja, wir hätten noch früher darauf hinweisen müssen, was wir leisten für Deutschland. Wie viel Arbeitsplätze wir sichern. Dass wir gute Immobilien - nicht nur Wohnungen, sondern auch Schulen, Büros und Handelszentren - bauen. Rund 18 Prozent des Bruttosozialprodukts hängen von unserer Branche ab.

Mit Andreas Mattner sprach Max Borowski

Quelle: n-tv.de, mbo

Mehr zum Thema