Wirtschaft

Schwanger auf dem Chefsessel Marissa Mayer sollte Pause machen

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Liebes Energiebündel! Es gibt Menschen, die nicht täglich voller Energie sind. Das liegt nicht an schlampigen To-Do-Listen.

(Foto: REUTERS)

Yahoo-Chefin Marissa Mayer erwartet Zwillinge, wird also in Kürze Dreifach-Mama sein. Da Mayer aus purer Energie besteht, will sie nicht länger als zwei Wochen aussetzen. Das ist nicht besser als Super-After-Baby-Body-Bilder.

Marissa Mayer ist aufgeregt. Schon im Dezember wird sie zwei Baby-Töchter im Arm halten, die Yahoo-Chefin erwartet eineiige Zwillinge, zwei Schwestern für ihren dreijährigen Sohn. Es werde in nächster Zukunft viel zu tun geben, sowohl in ihrer Familie als auch bei Yahoo, erklärt Mayer. "Beides wird harte Arbeit und durchdachte Priorisierung erfordern. Beides erfüllt mich jedoch mit extremer Energie und ich werde alles, was nötig ist, tun, um beidem beim Gedeihen zu helfen. Die Zukunft sieht an beiden Fronten strahlend aus."

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Gut gebrüllt, Löwin. Finden zumindest manche Branchenbeobachter. "Mayer zeige, dass auch Frauen in hohen Positionen Kinder haben können und dass sie eine Wahl haben, wie sie ihr Familienleben gestalten", schreibt Betsy Myers, Gründungsdirektorin der Bentley Universität für Frauen und Business. "Während zum Beispiel einige Frauen ihre Elternzeit voll ausschöpften, können sich andere aussuchen, schneller wieder zum Arbeitsplatz zurückzukehren."

Klingt gut. Niemand will auch einen erklärten Workoholic wie Marissa Mayer von seiner Droge abhalten. Dennoch hat die nun entbrannte Diskussion um Mayers' Elternzeit ihre Berechtigung. Es ist vermessen, wie der Deutsche Kinderschutzbund es tut, der Managerin zu unterstellen, sie nehme sich nicht die Zeit, um eine Bindung zu ihren Kindern aufzubauen. Denn auf der anderen Seite hätte sie sich auch viel Kritik eingehandelt, wenn sie ihr Unternehmen in dieser schwierigen Zeit für ein bis drei Jahre im Stich gelassen hätte.

Kein Kinderzimmer im Büro?

Doch Mayer verpasst die Gelegenheit, mit gutem Beispiel voranzugehen und ihre eigene Firmenpolitik zu testen. Nach ihrer ersten Schwangerschaft hatte sie die bezahlte Elternzeit auf acht Wochen für jeden Yahoo-Mitarbeiter, der ein neues Kind hat und weitere acht Wochen für die gebärenden Mütter erhöht. Ein gutes Angebot für einen amerikanischen Arbeitgeber. Denn in den USA kehrt eine von vier berufstätigen Müttern innerhalb von zwei Wochen nach der Geburt an ihren Arbeitsplatz zurück.

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Doch wie sollen Mayers' MitarbeiterInnen diese Offerte noch guten Gewissens annehmen können, wenn ihre Chefin frei von Schwangerschafts- und anderen -beschwerden durcharbeitet? Besonders, wenn es sich bei jener Frau um dieselbe handelt, die erklärtermaßen "nicht wirklich an Burn-Outs" glaubt? Es ist Marissa Mayer zu wünschen, dass sie niemals aus persönlichen Gründen diese Ansicht aufgeben muss. Nicht jedes Leben lässt sich glücklich durchplanen, egal, wieviel Kraft man hat. Eine Familie, in der zwei weitere Kinder gesundheitlich und finanziell nur die reinsten Energiespender sind, ist eine sehr glückliche Familie. Deshalb sollte gerade sie achtsam damit umgehen, was für Signale sie aussendet.

Managerinnen, die mit dem Smartphone am Ohr in den Kreißsaal gehen, sind die Super-After-Baby-Body-Models der Arbeitswelt. Die wenigsten Frauen haben nach der Geburt einen Personal Trainer, einen Ernährungsberater und einen Stylisten zur Verfügung, die sie nach vier Wochen oder weniger strahlend à la Heidi Klum & Co in verführerischer Unterwäsche auf einen Laufsteg schicken können. Genauso wenig wie nur sehr wenige die Möglichkeit haben, sich wie Marissa Mayer ein Kinderzimmer nebst Nanny neben ihrem Eckbüro einrichten zu lassen.

Gerade im Silicon-Valley hätte Marissa Mayer, für die schon das ironische Hashtag #whatwouldmmdo ("what would Marissa Mayer do" – was würde Marissa Mayer tun) existiert, ein Zeichen setzen können. Ein Zeichen dafür, dass es in Ordnung ist, die Elternzeit auszukosten. Dass Kinder kein weiterer Organisationsaufwand sind, für die man nur eine App entwickeln muss. Wenn man sich denn überhaupt entscheidet, die auf Firmenkosten eingefrorenen Eizellen aufzutauen. Youtube-Chefin Susan Wojcicki hat 14 der 18 ihr zustehenden Elternzeit-Wochen genommen. Ihr Job hat auf sie gewartet. Der nächste, der mit gutem Beispiel vorangehen könnte, wäre Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der mit seiner Frau eine Tochter erwartet.

Quelle: n-tv.de

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