Wirtschaft
Montag, 01. März 2010

Für die Zukunft genau hingeschaut: Merck stemmt Milliarden-Deal

Millipore heißt der neue Clou von Merck. Allerdings ist es kein Medikament des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns, sondern der Name der jüngsten Übernahme. Mit mehreren Milliarden Euro erkauft sich Merck neues Wachstumspotential bei Biotech-Dienstleistungen. Allerdings brauchen die Darmstädter Geduld.

Merck vergrößert sich: Milliarden-Zukauf in den USA.
Merck vergrößert sich: Milliarden-Zukauf in den USA.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck weitet sein Biotech-Geschäft durch einen milliardenschweren Zukauf aus. Für die Übernahme des US-Unternehmens Millipore legen die Darmstädter - die Verschuldung eingerechnet - 5,3 Mrd. Euro auf den Tisch. Millipore stellt unter anderem die Ausrüstung für Labore her und berät Pharma- und Chemiefirmen. "Durch das Angebot integrierter Lösungen, die über unser bestehendes Chemieportfolio hinausgehen, eröffnen sich uns ganze neue Wachstumsmöglichkeiten", erklärte Merck-Chef Karl-Ludwig Kley. Synergien mit den eigenen Biotech-Aktivitäten erwartet Merck dagegen frühestens in zehn Jahren.

An der Börse wurde das Geschäft, das eine der größten Übernahmen von Merck seit dem Kauf der Schweizer Biotechfirma Serono für über 10 Mrd. Euro ist, zurückhaltend aufgenommen. Die Merck-Aktie verlor gegen den Trend 1,1 Prozent auf 57,19 Euro. "Auf den ersten Blick erscheint der Kaufpreis etwas teuer", erklärten die Analysten der DZ Bank in einem Kurzkommentar. Strategisch sei die Übernahme jedoch positiv zu bewerten, da Merck nun im Wachstumsmarkt der Biotechnologie-Dienstleistungen stärker Fuß fasse.

Merck geht davon aus, in dem Dienstleistungsbereich künftig zwei Milliarden Euro Umsatz zu machen. Millipore hat im vergangenen Jahr Erlöse von umgerechnet 1,2 Milliarden Euro erzielt. Die Geschäftsleitung des US-Konzerns mit Sitz in Billerica im US-Bundesstaat Massachusetts hat der Übernahme den Angaben zufolge bereits zugestimmt, die Genehmigung der Wettbewerbsbehörden steht noch aus.

Bilderserie

Merck bietet den Aktionären des Biotechnologiedienstleisters 107 Dollar je Aktie in bar, was einem Aufschlag von 13 Prozent auf den Millipore-Schlusskurs vom Freitag entspricht. Mit seinem Angebot stach der Darmstädter Konzern wohl den US-Konzern Thermo Fischer Scientific aus, der Kreisen zufolge ebenfalls für Millipore geboten hatte. Das Geschäft soll laut Merck im zweiten Halbjahr 2010 abgeschlossen werden. "Die Akquisition wird vom ersten Tag an positiv zu unserem Ergebnis beitragen", betonte Merck-Chef Kley in einer Telefonkonferenz. "Es ist für uns ein ganz wichtiger Schritt nach vorne."

Quelle: n-tv.de