Wirtschaft

Radikales ExperimentMeta will KI-Doppelgänger von Zuckerberg ins Büro schicken

14.04.2026, 19:16 Uhr
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Künftig sollen sich Meta-Mitarbeiter auch an eine KI-Version ihres Chefs wenden können. Der Avatar soll eine komplette Kopie Zuckerbergs sein. Er selbst wirkt bei der Entwicklung mit. (Foto: REUTERS)

Ein Avatar für Mitarbeiter, der aussieht und spricht wie Meta-Chef Zuckerberg – und ein KI-Agent, der den Chef bei der Arbeit unterstützt: Was wie Science Fiction klingt, wird bei Meta konkret erprobt.

Viele Unternehmenschefs wünschen sich wohl mehr als einmal am Tag, sie könnten sich klonen. Im besten Fall sogar hundertfach. Meta Platforms, der Mutterkonzern von Facebook, Instagram und WhatsApp will diesen Traum Wirklichkeit werden lassen. Wie die "Financial Times" (FT) berichtet, will das Unternehmen den Einsatz künstlicher Intelligenz radikal vorantreiben – und beginnt damit bei der eigenen Führung.

Insidern zufolge arbeitet Meta demnach an einem KI-gestützten Avatar von Mark Zuckerberg, der den Mitarbeitern künftig sofort und rund um die Uhr mit Rat und Tat zur Seite stehen kann. Geplant ist eine fotorealistische Figur, die den Tonfall, die Argumentationsmuster und die strategischen Leitlinien Zuckerbergs möglichst präzise abbildet. Die Angestellten sollen so in Zukunft Feedback oder Orientierung erhalten, ohne mit dem Management direkt kommunizieren zu müssen.

Parallel dazu arbeitet Meta an einem "CEO-Agenten", der den Chef selbst bei seiner Arbeit unterstützen soll, wie das "Wall Street Journal" berichtet. Das Konzept dahinter: Führung soll zumindest teilweise digitalisiert und skalierbar gemacht werden. Ein Avatar könnte beispielsweise für interne Abstimmungen oder Schulungen beliebig oft gleichzeitig eingesetzt werden.

Laut den Berichten ist Zuckerberg eng in die Entwicklung eingebunden und nimmt regelmäßig an Tests teil. Die Rede ist von fünf bis zehn Stunden in der Woche, die er unter anderem mit der Programmierung der unterschiedlichen KI-Projekte verbringt.

Teil eines umfassenden KI-Umbaus

Hinter den Projekten steht eine milliardenschwere Neuausrichtung des Unternehmens, um mit Konkurrenten wie Google und OpenAI gleichzuziehen. Die KI-Aktivitäten wurden dafür in den vergangenen Monaten neu organisiert und spezialisierte Teams für angewandte KI-Technik aufgebaut, die enger mit den Modell-Entwicklungseinheiten zusammenarbeiten. Konkret geht es darum, Ergebnisse aus der Forschung deutlich früher in Anwendungen wie Instagram, WhatsApp oder interne Tools zu überführen.

Parallel dazu entwickelt Meta unterschiedliche KI-Modelle für klar abgegrenzte Aufgaben. Während große Basismodelle die technologische Grundlage für Sprach- und Bildverarbeitung liefern, entstehen ergänzend spezialisierte Systeme für einzelne Funktionen innerhalb der Produktpalette.

Ein Beispiel dafür ist "Muse Spark", ein auf visuelle Analyseaufgaben ausgerichtetes Modell, das etwa Bilder automatisiert auswerten und strukturieren kann - zum Beispiel in der Gesundheitsanalyse. Die so gewonnenen Informationen sollen direkt in Produkte und interne Anwendungen einfließen. An den Finanzmärkten wurde die Ankündigung positiv aufgenommen; die Aktie von Meta Platforms legte am Tag der Vorstellung vergangenen Mittwoch um rund sieben Prozent zu.

Auf dieser Grundlage verspricht sich das Unternehmen Effizienzgewinne: Durch Avatare könnte Wissen schneller verbreitet und Entscheidungsprozesse beschleunigt werden. Zudem könnten sich neue Geschäftsmodelle ergeben. So sei es denkbar, dass künftig auch Influencer oder Entwickler digitale Versionen ihrer selbst einsetzen, heißt es aus informierten Kreisen.

Die FT berichtet jedoch auch von internen Vorbehalten gegenüber dem verstärkten KI-Einsatz. Wie hoch die Akzeptanz ist und ob ein KI-gestützter Avatar des Chefs als glaubwürdige Autorität wahrgenommen wird, ist unklar. Hinzu kommen Sorgen mit Blick auf mögliche Auswirkungen auf die Beschäftigung. Einige Mitarbeiter befürchten demnach, dass der verstärkte Einsatz von KI langfristig Stellen überflüssig machen könnte. Das Unternehmen weist dies zurück und betont, dass es hierbei vor allem um Effizienz und Weiterbildung gehe.

Erfahrungen mit KI-Charakteren

KI-gestützte Charaktere bescherten Meta zudem schon einmal Negativschlagzeilen. Im Jahr 2023 stellte der Konzern Chatbots mit unterschiedlichen Persönlichkeiten vor, die teilweise auf Prominenten wie dem amerikanischen Rapper Snoop Dogg basierten. Diese Angebote stießen jedoch auf Kritik, nachdem Nutzer sexualisierte und teils explizite KI-Charaktere erstellt hatten. In der Folge schränkte Meta den Zugang für jüngere Nutzer ein.

Mit den aktuellen Projekten geht Meta nun einen Schritt weiter. Sie stecken zwar noch in einer frühen Phase, und es ist offen, ob sich daraus ein neues Modell der Unternehmenssteuerung entwickelt. Klar ist jedoch: Meta begreift KI nicht mehr nur als Produkt, sondern als zentrales Element der eigenen Organisation.

Quelle: ntv.de, ddi

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