Wirtschaft

Dritte Pleite in sechs Jahren Mifa-Nachfolger erneut pleite

Mitarbeiter des Fahrradherstellers Sachsenring Bike Manufaktur GmbH montieren Fahrräder. Foto: Peter Endig/dpa/Archivbild

Bei Sachsenring Bike arbeiten 130 Beschäftigte.

(Foto: Peter Endig/dpa/Archivbild)

Seit mehr als 100 Jahren werden in Sangerhausen Fahrräder gebaut. Doch der Standort hat seit Längerem Probleme. Nun gerät ein weiterer Anlauf ins Schlingern. Sachsenring Bike kann seine Rechnung nicht mehr zahlen. Die vorhergehende Pleite wurde auch für die Kommune zu einem Desaster.

Zum dritten Mal in sechs Jahren ist der Hersteller der Fahrrad-Traditionsmarke Mifa pleite. Das Unternehmen Sachsenring Bike mit Sitz in Sangerhausen meldete Insolvenz an, wie ein Sprecher des zuständigen Amtsgerichts in Halle sagte. Sachsenring Bike hatte die Fahrradfertigung im Süden von Sachsen-Anhalt erst vor drei Jahren aus der Pleite übernommen und umbenannt. Neben der bekannten Marke Mifa setzte das Unternehmen vor allem auf die Fertigung von E-Bikes. Mifa und der Standort Sangerhausen blicken auf eine mehr als 110-jährige Fahrradbautradition zurück.

Das Gericht bestellte den Rechtsanwalt Philipp Hackländer von der Kanzlei White & Case zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Die Fertigung werde fortgesetzt, teilte Hackländer mit. Auch der Online- und der Werksverkauf liefen weiter. Ziel sei es, den Betrieb zu sanieren und langfristig zu erhalten, um die hohe Nachfrage nach Rädern und E-Bikes aus deutscher Fertigung zu bedienen.

Derzeit arbeiten laut vorläufigem Insolvenzverwalter rund 130 Beschäftigte im Werk, das sind deutlich weniger als in früheren Jahren. Ihre Löhne und Gehälter sind für drei Monate über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert. Bis zum Jahresende soll es eine Sanierungslösung geben, kündigte Hackländer an. Zudem seien bereits Gespräche mit potenziellen Investoren aufgenommen worden, "im Wesentlichen Interessenten aus der Branche".

Streit ums Grundstück - Kommune in Nöten

Zuletzt hatte sich bereits angedeutet, dass die Firma in Schwierigkeiten stecken könnte. Der Kreistag von Mansfeld-Südharz hatte vorige Woche entschieden, den Mietvertrag mit Sachsenring Bike aufzukündigen, wie eine Kreissprecherin sagte. Grund für die Entscheidung war, dass die Firma Mietschulden hatte. Über die Höhe wollte sich die Sprecherin nicht äußern. Laut "Mitteldeutscher Zeitung" geht es um rund 96.000 Euro.

Mit der Insolvenz ihres Mieters wird auch für den Landkreis Mansfeld-Südharz der finanzielle Schlamassel mit Bezug auf den Fahrradbauer größer. Denn die Kommune muss auch eine Schlappe im Streit darum verkraften, ob ihr das Werksgrundstück gehört. Kurz vor der ersten Mifa-Pleite vor sechs Jahren hatte der Kreis dem Unternehmen das Grundstück abgekauft, um dem wichtigen Arbeitgeber Liquidität zu verschaffen. Solche Deals sind aber nicht erlaubt, wenn ein Betrieb eigentlich schon insolvent ist. Der damalige Insolvenzverwalter Lucas Flöther klagte daher auf Rückgabe des Grundstücks - und bekam vor wenigen Tagen vom Bundesgerichtshof Recht.

Damit gehört dem Kreis das für 5,7 Millionen Euro gekaufte Grundstück nicht mehr, den damaligen Kaufpreis gibt es nicht zurück. Und da es den Deal nicht hätte geben dürfen, muss der Kreis zusätzlich Mieteinnahmen in Höhe von 273.600 Euro zurückzahlen. Mifa-Insolvenzverwalter Flöther kündigte an, das Grundstück weiterzuverkaufen. Ob dort auch künftig Fahrräder montiert werden, hängt von den Sanierungserfolgen des neuen vorläufigen Insolvenzverwalters Hackländer ab.

Quelle: jwu/dpa