Wirtschaft

"Black Friday" für den Dax Mit neuer Corona-Variante kehrt die Angst zurück

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Die WHO könnte die Krankheit heute als "besorgniserregende Variante" einstufen.. Die Reise- und Toursimusbranche muss befürchten, dass der interrnationale Flugverkehr wieder schließen muss.

(Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Die Furcht vor neuen weltweiten Lockdowns wegen einer in Südafrika entdeckten neuen Coronavirus-Variante treibt Anleger scharenweise in die Flucht. Einige Staaten schränken bereits die Reisefreiheit ein oder stehen kurz davor. Lufthansa-Titel reagieren mit einem Kurssturz von bis zu 16 Prozent.

Der "Black Friday" wird zum Schwarzen Freitag für die Börsen. Es herrscht Ausverkaufsstimmung. Aus Angst vor einer neuen gefährlichen Virusvariante brechen Dax und EuroStoxx50 so stark ein wie zuletzt beim Börsen-Crash im März 2020, als die erste Pandemie-Welle Rezessionsängste geschürt hatte.

Der Dax stürzte im frühen Handel um bis zu vier Prozent auf 15.283 Punkte ab und lag am Vormittag noch 2,9 Prozent im Minus. Der EuroStoxx50 verlor bis zu 4,6 Prozent auf 4098 Zähler. "Der 'Black Friday' scheint heute auch an der Börse mit Kurs-Rabatten einherzugehen", kommentierte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Ob Aktien damit aber bereits wieder günstig seien, wisse im Moment aber niemand.

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Sorgen bereitet Börsianern die in Südafrika entdeckte neue Coronavirus-Variante, die Furcht vor neuen Lockdowns und Konjunktureinbrüchen schürt. Experten zufolge könnte die Variante noch ansteckender sein als der aktuell grassierende Typ Delta und resistenter gegen die bisherigen Impfstoffe.

"Sollte sich die neue Variante als sehr aggressiv herausstellen, könnte dies wie bei der ersten Corona-Welle mit der Schließung des internationalen Flugverkehrs einhergehen", warnte Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets. Einige Staaten schränken die Reisefreiheit bereits ein oder stehen kurz davor.

Das Vereinigte Königreich und Israel haben bereits vorübergehend Flüge aus Südafrika und einigen Nachbarländern gestoppt. Auch aus Hongkong wurden zwei Fälle gemeldet (ein Reisender aus Südafrika und ein Gast, der im selben Stockwerk eines Hotels wohnte). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) könnte die Krankheit heute als "besorgniserregende Variante" einstufen.

Vor dem Hintergrund brach der Index der europäischen Reise- und Tourismuswerte um bis zu 7,3 Prozent ein. Zu den größten Verlierern zählte hier die Lufthansa, die mit einem Minus von zeitweise knapp 16 Prozent auf den größten Tagesverlust seit mindestens 30 Jahren zusteuerten.

"Neue Variante wie ein neues Virus"

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"Solange man über Ansteckungsraten und Impfschutz nichts weiß, regiert an der Börse die Unsicherheit, und es wird verkauft", kommentiert Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. "Und eine neue Variante, die durch Impfstoffe nicht bekämpft werden kann, ist wie ein neues Virus."

Auch vor Kryptowährungen macht der Ausverkauf an den Börsen nicht halt. Bitcoin und Ethereum fallen um 7,5 Prozent auf 54.429 Dollar beziehungsweise um elf Prozent auf 4006 Dollar. "Anleger kehren riskanteren Anlageklassen den Rücken und gehen auf Nummer sicher", sagt Analyst Timo Emden von Emden Research.

In Spekulation auf zusätzliche Geschäfte bei einem neuen Lockdown steigen Anleger unterdessen bei möglichen Profiteuren ein. So gewinnen die Aktien der Essenslieferanten Delivery Hero, Just Eat Takeaway und Deliveroo bis zu zwei Prozent. Die Papiere des Kochbox-Versenders Hellofresh legen fast drei Prozent zu. Der Online-Händler Zalando und der Computerspiele-Anbieter Ubisoft rückten ein beziehungsweise zwei Prozent vor.

Gefragt sind auch wieder "sichere Häfen" wie Gold. Das Edelmetall legte ein Prozent auf 1806 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zu. "Wenn die neue Variante sich in den USA ausbreitet, würde es das dortige Wachstum dämpfen", sagte Stephen Innes, Partner beim Vermögensverwalter SPI. In so einem Umfeld werde eine Zinserhöhung der Notenbank Fed unwahrscheinlicher. Gleiches gilt für die Euro-Zone.

Zum jetzigen Zeitpunkt sei es noch zu früh, um die möglichen wirtschaftlichen Folgen abzuschätzen, kommentiert Holger Schmieding von der Berenberg Bank. "Jede neue Welle könnte ernsthafte wirtschaftliche Schäden verursachen. Ein potenziell mildernder Faktor ist, dass die Welt jetzt in höchster Alarmbereitschaft ist und ihre Kapazitäten zur Entwicklung, Anpassung und Herstellung von Impfstoffen aufgestockt hat."

Da die Wall Street nach dem US-Erntedankfest nur für einen verkürzten Handel öffnet und viele Anleger die Gelegenheit für ein verlängertes Wochenende nutzen, rechnen Börsianer mit ähnlich dünnen Umsätzen in Europa wie am Donnerstag. Dadurch könnten sich Kursausschläge verstärken.

Auch der MDax der mittelgroßen Werte gab am Morgen kräftig nach, erholte sich im Laufe des Vormittagshandel aber geringfügig und notierte zuletzt 2,2 Prozent leichter bei 34.272 Punkten. Am frühen Morgen hatte die neune Virusmutation bereits in Asien den letzten Handelstag der Woche verdorben und für teils hohe Kursverluste gesorgt.

Zaghafter Erholungsversuch an Thanksgiving

Dabei war der gestrige Handelstag noch positiv. Am Vortag hatten sich die Anleger nach den Kursverlusten in dieser Woche vorsichtig zurückgetastet. Dax und EuroStoxx50 legten am Donnerstag jeweils ein knappes halbes Prozent auf 15.971 beziehungsweise 4293 Punkte zu. "Wir betrachten Kursrücksetzer weiterhin als Gelegenheit zum Einstieg", kommentierte Anlagestrategin Marija Veitmane vom Vermögensverwalter State Street.

Ein kleiner Lichtblick war die Zulassung des Coronavirus-Impfstoffs von Biontech für Kinder zwischen fünf und elf Jahren durch die europäische Arzneimittelbehörde EMA. Wenn die aktuelle Infektionswelle erst einmal gebrochen sei, könne der Versuch der neuen Bundesregierung, mehr Fortschritt zu wagen, die Stimmung der Anleger aufhellen, prognostizierte CMC-Experte Stanzl.

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Zuversicht fürs kommende Jahr versprüht deshalb auch die Commerzbank in ihrer neuen Prognose. "2022 wird wieder ein gutes Aktienjahr", erwartet Chefvolkswirt Jörg Krämer anlässlich eines Ausblicks der Bank auf Konjunktur und Aktienmärkte. Den Dax sieht die Bank zum Jahresende bei 17.200 Punkten. Das wäre ein Plus zum aktuellen Niveau von rund 11 Prozent. Krämer begründet seinen Optimismus vor allem mit der Erwartung einer rückläufigen Inflation im kommenden Jahr.

Neue Virus-Varianten hat die Commerzbank dabei eingerechnet. "Sie werden aber von Welle zu Welle weniger Effekte haben", glaubt Krämer. Deutlich weniger optimistisch gibt sich die Bank jedoch im Hinblick auf die Konjunktur. Wegen der erwarteten weiteren Wellen sei die Commerzbank weniger optimistisch als andere Häuser. Sie rechnet mit einem Wachstum um 3 Prozent.

Quelle: ntv.de, ddi/rts

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