Wirtschaft

Zweifel an Sewings Strategie Moody's prüft die Deutsche Bank

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Das Investmentstandbein auf europäische Kunden ausrichten? Bei Moody's fragen sich die Analysten, wie sich die Deutsche Bank damit im globalen Wettbewerb schlagen wird.

(Foto: dpa)

Der strategische Kurswechsel unter neuer Führung kommt bei den Bonitätswächtern nicht gut an: Analysten der US-Ratingagentur Moody's nehmen die Deutsche Bank auf ihre Liste und senken den Ausblick nach Börsenschluss auf "negativ".

Deutschlands größtes Geldhaus muss offenbar noch Überzeugungsarbeit leisten: Die Ratingagentur Moody's erwägt eigenen Angaben zufolge, ob die Kreditwürdigkeit der Deutschen Bank mit Blick auf die kürzlich vorgestellte neue Strategie herabgestuft werden muss. Der Ausblick für das langfristige Einlagenrating der Bank wurde von "stabil" auf "negativ" gesenkt, wie die Bonitätswächter nach Börsenschluss vor dem Wochenende mitteilten.

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Die Herausforderungen für die Umsetzung der Strategie seien hoch, erklärten die Analysten. Es sei zwar positiv, dass die Deutsche Bank stärker auf die stabileren Geschäftsbereiche setzen wolle. "Jedoch ist nicht klar, wie das Management eine stärker auf europäische Kunden ausgerichtete Investmentbank schaffen wird, die erfolgreich mit breiter aufgestellten globalen Wettbewerbern konkurrieren kann und gleichzeitig akzeptable Renditen über den Konjunkturzyklus hinweg erwirtschaftet." Zudem dürfte die Bank im laufenden Jahr nur mäßig profitabel sein.

Moody's stuft die Bonität der Deutschen Bank aktuell noch mit der Ratingnote "A3" (long-term deposit ratings) ein. Deutschlands prominentestes Geldhaus bewegt sich damit auch in den Augen der US-Ratingagentur noch immer im sicheren Bereich. Die Einstufung liegt allerdings bereits in der unteren Hälfte des Investmentbereichs und ist vier Stufen vom Ramschbereich entfernt.

Der neue Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hatte am Vortag nach nicht einmal drei Wochen im Amt eine neue Strategie angekündigt. Nach einem Gewinneinbruch um 80 Prozent zu Jahresbeginn soll im schwächelnden Investmentbanking kaum ein Stein auf dem anderen bleiben. Das lange schon unter Druck stehende Geschäft in den USA, aber auch zum Teil das in Asien, wird zugunsten Europas stark verkleinert.

Deutsche Bank unter Beobachtung

Zugleich begräbt die Bank ihre Ambitionen, mit den großen Wall-Street-Häusern in einer Liga zu spielen. Bereits nach dem Chefwechsel Anfang April hatte der Moody's Konkurrent Standard & Poor's (S&P) die Bonitätsnote der Deutschen Bank auf die Beobachtungsliste für eine beschleunigte Herabstufung ("Credit Watch Negative") gesetzt. Es liegt aktuell mit "A-" auf der gleichen Stufe wie die von Moody's vergebene Bonitätsnote.

In der Regel wird bei einer Bonitätsnote, die auf der Beobachtungsliste für eine beschleunigte Herabstufung steht, schneller eine Entscheidung getroffen als bei einem negativen Ausblick, bei dem sich die Analysten üblicherweise mehrere Monate Zeit für eine Überprüfung nehmen. Eine Veränderung der Ratingnote kann die Konditionen des betroffenen Unternehmens am Kapitalmarkt beeinflussen. Bei der Deutschen Bank wollte man die Entscheidung von Moody's nicht kommentieren.

Quelle: n-tv.de, mmo/rts

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