Wirtschaft

Neuer Aufsichtsrats-Chef Müller übernimmt das Steuer bei Audi

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Mathhias Müller

(Foto: AP)

Stühlerücken im Aufsichtsrat von Audi: Ab sofort übernimmt VW-Chef Müller die Leitung des Gremiums. Darüber hinaus sichert sich die VW-Eigentümerfamilie weiterhin großen Einfluss in dem Unternehmen.

VW-Vorstandschef Matthias Müller übernimmt nun auch die Führung bei der Konzern-Tochter Audi. Er wird mit sofortiger Wirkung neuer Vorsitzender des Aufsichtrates. Wie das Unternehmen aus Ingolstadt im Anschluss an eine Aufsichtsratsitzung mitteilte, wird der beurlaubte Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg den Vorstand verlassen. Seine Nachfolge tritt zum 1. Januar 2016 Stefan Knirsch an. Außerdem wurden die beiden freien Sitze der Kapitalseite neu besetzt. Julia Kuhn-Piëch und Josef Ahorner treten in das Gremium ein.

Das Kontrollgremium beschäftigte sich in seiner letzten turnusgemäßen Sitzung des Jahres zudem mit der Abgasaffäre. "Die Aufklärung geht voran", lobte der stellvertretende Aufsichtsratschef, der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber. "Das ist ein notwendiges und gutes Zeichen."

Müller tritt seinen neuen Posten als Audi-Oberaufseher mit sofortiger Wirkung an, wie es in der Mitteilung hieß. Huber bleibe Stellvertreter. Müllers Vorgänger als Audi-Aufsichtsratvorsitzender, der frühere VW-Chef Martin Winterkorn, war wegen des Abgasskandals von seinen Ämtern zurückgetreten. Auch VW-Patriarch Ferdinand Piech und seine Frau Ursula schieden aus.

Entwicklungschef wehrte sich gegen Suspendierung

In den Audi-Aufsichtsrat ziehen dafür andere Mitglieder der Eigentümerfamilie ein: Piechs Nichte Julia Kuhn-Piech, bereits Kontrolleurin bei der Konzerntochter MAN, sowie sein Neffe Josef Ahorner, der lange Jahre im Gesellschafterausschuss der Salzburger Porsche Holding saß.

Wie Audi mitteilte, scheidet Entwicklungschef Ulrich Hackenberg im Einvernehmen aus. Der 65 Jahre alte Manager, der sein komplettes Berufsleben bei Audi und VW verbracht hatte, hatte sich einem Insider zufolge gegen seine Suspendierung gewehrt. Nun verabschiedete ihn Audi mit Lob und Dank: Müller würdigte Hackenberg als "prägend für die technische Entwicklung des gesamten Volkswagen-Konzerns". Von seiner Idee der modularen Baukästen profitiere heute der ganze Unternehmensverbund.

Der neue Entwicklungschef Stefan Knirsch, ein 49-jähriger promovierter Werkstofftechniker, startete seine Karriere bei Audi. Später wechselte er zu Porsche, danach in den Rheinmetall-Konzern. 2013 kehrte er als Leiter der Aggregateentwicklung zu Audi zurück.

"Sind auf dem richtigen Weg"

Außer mit Personalien befasste sich der Aufsichtsrat mit der Affäre um manipulierte Abgas-Werte. Audi-Chef Rupert Stadler musste den Kontrolleuren in intensiven Diskussionen Rede und Antwort stehen und erläutern, wie es zu dem Skandal kommen konnte und wie die Aufklärung vorangeht. "Die bisher getroffenen Maßnahmen des Vorstands zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagte Audi-Betriebsratschef Peter Mosch. "Zudem müssen jetzt weiter Konsequenzen gezogen werden, damit so etwas nicht mehr passiert." Der neue Entwicklungschef Knirsch müsse Stadler bei der weiteren Aufklärung unterstützen.

Vor knapp zwei Wochen hatte Audi einräumen müssen, eine nach US-Recht illegale Software bei 3-Liter-Dieselmotoren eingebaut zu haben. Zuvor war man im Konzern davon ausgegangen, dass die Technik gesetzeskonform ist. Seit dem Eingeständnis steht Stadler im Fadenkreuz der Kritik.

Quelle: ntv.de, bdk/rts/DJ