Wirtschaft

Job-Interview auf Twitter Musk spricht Mitarbeiter Behinderung ab

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Vergaloppierte sich wieder auf seiner eigenen Plattform: Twitter-Chef Elon Musk.

(Foto: via REUTERS)

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Rund die Hälfte aller Stellen bei Twitter streicht Elon Musk zusammen, der Prozess hat teils chaotisch Züge. Als ein Mitarbeiter Informationen über seinen Angestelltenstatus haben möchte, gerät der Milliardär in einen öffentlichkeitswirksamen Streit.

Wer noch für Twitter arbeitet, das wissen offenbar in manchen Fällen weder die Angestellten noch das Unternehmen. Nachdem Twitter-Chef Elon Musk aus Kostengründen Tausende Stellen zusammengestrichen hat, scheint es an der Kommunikation beim Kurznachrichtendienst zu hapern. Als Haraldur Thorleifsson sich nicht mehr über seinen Arbeitsrechner einloggen konnte und tagelang keine Antwort von seinem Arbeitgeber bekam, wandte sich der Isländer per Tweet an seinen Chef. Und Musk antwortete prompt. Die Unterhaltung zwischen Musk und seinem Angestellten mutierte im Verlauf zu einem Job-Interview, in dem der Milliardär die Behinderung Thorleifssons anzweifelte. Dabei sitzt der Isländer mit Muskeldystrophie im Rollstuhl.

Dabei fing der Autausch eher harmlos an. "Lieber Elon Musk", schrieb Thorleifsson seinen Chef an. "Vor neun Tagen wurde der Zugang zu meinem Arbeitscomputer gekappt, zusammen mit etwa 200 anderen Twitter-Mitarbeitern. Ihr Personalleiter ist jedoch nicht in der Lage zu bestätigen, ob ich ein Mitarbeiter bin oder nicht. Sie haben meine E-Mails nicht beantwortet." Er erhoffe sich eine Antwort, sofern die Twitter-Gemeinde seinen Beitrag retweeten würde. Thorleifsson hat fast 160.000 Twitter-Follower (Musk hat über 130 Millionen). Er kam 2021 zu Twitter, als das Unternehmen unter der vorherigen Geschäftsführung sein Startup Ueno übernahm.

Die Nachricht drang dann auch bis zu Musk durch, der nachfragte, in welchem Bereich der Isländer denn tätig sei. Thorleifsson berief sich auf die Vertraulichkeit seines Arbeitsvertrages, sofern Musks Anwälte den Austausch darüber via Twitter erlauben würden, könne er darüber sprechen. Musk gab umgehend seine Zustimmung. Thorleifsson listete eine ganze Reihe an Tätigkeitsfeldern auf, die er bei Twitter innehat.

Restaurant statt Twitter

Musk stellte daraufhin mehrere der Funktionen seines Mitarbeiters infrage, ehe er zu seinem persönlichen Fazit kam. "Die Realität ist, dass dieser Mann (der wohlhabend ist) keine wirkliche Arbeit verrichtet hat und als Entschuldigung angibt, er habe eine Behinderung, die ihn am Tippen hindere, während er gleichzeitig einen Sturm von Tweets absetzt."

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Der Isländer ließ es sich nicht nehmen, seinen Ex-Chef in einem freundlichen Ton darauf hinzuweisen, welche Probleme seine Krankheit mit sich bringt und dass es ja eigentlich um die Frage ging, ob er noch Angestellter des Unternehmens ist oder nicht. Noch während des Tweet-"Sturms" erhielt Thorleifsson eine Bestätigung, dass er gekündigt wurde.

Ein Videocall zwischen Musk und Thorleifsson brachte dann Klarheit - vom Milliardär folgte wenig später eine Entschuldigung: "Ich möchte mich bei Halli für mein Missverständnis seiner Situation entschuldigen. Es beruhte auf Dingen, die mir gesagt wurden, die nicht wahr sind oder in einigen Fällen zwar wahr, aber nicht aussagekräftig sind", schrieb Musk. Trotz Kündigung ziehe es Thorleifsson in Erwägung, bei Twitter zu bleiben, schrieb er weiter. Wahrscheinlich ist das allerdings nicht, da der Isländer schon neue Pläne hat: Er wolle ein Restaurant in Reykjavik eröffnen, kündigte er in einem Tweet an.

Quelle: ntv.de, mba

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