Wirtschaft

Bayern fürchtet Benachteiligung Netzagentur widerspricht Dobrindt bei Gasmangel

In Winter könnte es regional zu Gasmangellagen kommen. Diese Aussage vom Chef der Bundesnetzagentur ruft CSU-Mann Dobrindt auf den Plan. Dieser befürchtet etwa für Bayern Nachteile, falls tatsächlich zu wenig Gas fließt. Die Behörde weist den Vorwurf zurück.

Die Bundesnetzagentur hat Äußerungen von CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt zurückgewiesen, wonach die Behörde im Fall einer Gasmangellage den Süden und Osten bei der Gaszuteilung benachteiligen will. "Die Bundesnetzagentur ist für ganz Deutschland da, und sie wird für ganz Deutschland alles tun, dass es nicht zu einer bundesweiten oder regionalen Gasmangellage kommt", sagte Behördenpräsident Klaus Müller. "Ich denke, das weiß auch jeder."

Die CSU im Bundestag hatte die Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP aufgefordert, eine Benachteiligung einzelner Regionen bei der Gasversorgung in diesem Winter zu verhindern. "Die Bundesnetzagentur macht klar, dass sie den Süden und den Osten Deutschlands bei der Energieverteilung benachteiligen will", hatte Dobrindt gesagt. Dies sei nicht akzeptabel.

Der CSU-Politiker bezog sich damit auf ein Interview des Portals T-Online, in dem Müller gesagt hatte, dass nicht zwingend eine bundesweite Gasmangellage eintreten müsse. "Regional könnte es durchaus Gasmangellagen geben. Vermutlich wären die Einschränkungen erst einmal temporär und können auch wieder enden oder mehrfach auftreten. Wir müssen in diesem Fall dafür sorgen, dass wir das Gas gut durchs Land transportiert bekommen."

Dobrindt forderte, die Bundesregierung müsse klarstellen, was die Aussage der Netzagentur konkret bedeuten solle. Sie müsse zudem "dafür sorgen, dass diese offensichtlich vorbereiteten regionalen Benachteiligungen umgehend gestoppt werden". CSU-Politiker fürchten seit Längerem eine Benachteiligung bei der Energieversorgung und werfen der Bundesregierung vor, Bayern so schwächen zu wollen.

Deutschlands Gasspeicher sind derzeit zu gut 78 Prozent gefüllt. Am 1. November sollen sie zu mindestens 95 Prozent gefüllt sein. Die Versorgung sei trotz der angespannten Gaslage nach wie vor stabil, betonte Müller. "Sowohl die Industrie wie die privaten Haushalte leiden allerdings unter gravierenden Preissprüngen." Es sei "ganz wichtig", den Gasverbrauch zu reduzieren. "Weil wir befürchten müssen, dass wir nach wie vor zu wenig Gas von Russland bekommen und andere Gasquellen aus Norwegen, Belgien, Holland, vielleicht Frankreich, das nicht komplett kompensieren können." Darum sei eine Einsparung von mindestens 20 Prozent des Gases über alle Abnehmer hinweg eine wichtige Aufgabe für diesen Winter. Ob im kommenden Winter die Notfallstufe ausgerufen werden müsse, könne seriös niemand vorhersagen.

Süden sorgt sich um seine Wirtschaft

In Ländern wie Bayern und Baden-Württemberg gibt es große Sorgen, bei einem Gasmangel besonders betroffen zu sein, weil beide Länder fernab der geplanten Flüssiggas-Terminals und der großen Gasspeicher im Nordwesten liegen. Dabei geht es vor allem um die Folgen für die Wirtschaft. Ende Juli warnte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei einem Krisengipfel zur Gasversorgung, die Industrie wolle wissen, ob der Süden bei einer Notfallverteilung von Gas gegenüber dem Norden benachteiligt werde, es seien "große Ängste" im Spiel. In der "Südwest Presse" erklärte die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut, "bei den Pipelines sind Bayern und Baden-Württemberg die letzten Glieder in der Kette. Wenn im Norden zu viel Gas entnommen wird, schaut der Süden in die Röhre. Das darf nicht passieren, das wäre fatal."

Auch Bayerns Landeschef Markus Söder äußerte damals Bedenken. Mit Blick auf den österreichischen Gasspeicher Haidach erklärte er: "Sollte Bayern als wirtschaftsstärkstes Bundesland nicht ausreichend versorgt werden, betrifft das die Gesamtwirtschaft. Wer den Süden abkoppelt, legt das ganze Land lahm." Er reagierte damit auf die Ankündigung Österreichs, den auch für Bayern wichtigen Gasspeicher bei Salzburg möglichst bald - neben dem deutschen - auch mit dem österreichischen Netz zu verbinden.

Quelle: ntv.de, hul/dpa

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