Wirtschaft

Aussicht auf Einstellungen Neuer Hella-Eigner gibt keine Jobgarantie

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Hella fährt künftig unter französischer Führung.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach dem Zusammenschluss von Faurecia und Hella zum siebtgrößten Autozulieferer der Welt versuchen beide Seiten, Arbeitsplatzsorgen der Belegschaft zu zerstreuen. Doch ein Versprechen gibt es nicht. Für Beruhigung soll das Versprechen von Einstellungen sorgen.

Der französische Automobilzulieferer Faurecia gibt nach der der milliardenschweren Übernahme des deutschen Konkurrenten Hella keine ausdrücklichen Arbeitssplatz- oder Standortgarantien für die Beschäftigten. Doch bemühten sich die Chefs beider Unternehmen, mögliche Zukunftsängste der Mitarbeiter zu zerstreuen. "Wir wachsen ganz stark. Wir werden Leute einstellen müssen", sagte Faurecia-Chef Patrick Koller. Und auch Hella-Chef Rolf Breidenbach betonte: "Wir brauchen mehr Hände." Es gebe keine konkreten Planungen für einen Stellenabbau im administrativen Bereich etwa am Hella-Firmensitz in Lippstadt. Die Standorte von Hella würden durch den Zusammenschluss eher sicherer als unsicherer. 

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Faurecia-Chef Koller rechnet nach der Übernahme, bei der Hella mit 6,8 Milliarden Euro bewertet wird, mit einem Wachstumsschub bei dem dann siebtgrößten Automobilzulieferer der Welt. Der Umsatz soll bis 2025 von derzeit 23 Milliarden Euro auf mehr als 33 Milliarden Euro steigen. Gleichzeitig soll sich auch die Profitabilität erhöhen. "Dieser Zusammenschluss ist eine einzigartige Gelegenheit, einen weltweit führenden Anbieter für Automobiltechnologien zu schaffen", sagte Koller. Die Unternehmen ergänzten sich hervorragend und seien nun klar auf die Megatrends der Branche ausgerichtet", sagte Koller.

"Wir brauchen Hella - und wir glauben, dass Hella auch uns braucht." In vier Jahren sollen weniger als zehn Prozent des gemeinsamen Umsatzes vom Verbrennungsmotor abhängen, zurzeit ist es bei Faurecia noch ein Viertel. "Wir wollten mehr Elektronik, mehr Software", sagte Koller weiter. Die beiden Firmen ergänzten sich - "das ist selten der Fall". Der seit fünf Jahren amtierende Faurecia-Chef hat neben der französischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Von 1991 bis 1994 hat er selbst für Hella gearbeitet.

Der Hella-Sitz in Lippstadt soll auch im neuen Konzern eine hervorgehobene Rolle spielen. Drei der sechs Firmensparten sollen von dort gelenkt werden: Licht, Elektronik und das wachsende Geschäft mit Lifecycle-Value-Management, mit dem über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts Einkünfte generiert werden sollen. 

Faurecia hatte angekündigt, von den Hella-Familiengesellschaftern Hueck und Röpke den 60-prozentigen Anteil am Lichtspezialisten zu übernehmen. 3,4 Milliarden Euro des Kaufpreises erhalten die Familien in bar, den Rest in Faurecia-Anteilen. Der Preis liegt dabei bei 60 Euro je Hella-Aktie. Den übrigen Aktionären will Faurecia Ende September ein Angebot ebenfalls über 60 Euro zuzüglich Dividende machen. Der Abschluss der Übernahme wird Anfang 2022 erwartet.

Faurecia will Hella nach der Übernahme nicht zwingend von der Börse nehmen, um alle Synergiepotenziale zu heben. "Mit mehr als 60 Prozent haben wir die Kontrolle, weshalb wir nicht unbedingt mehr benötigen, um (...) das Unternehmen zu führen", sagte Koller weiter. Wenn man aber mehr als 95 Prozent erreichen könne, würde Faurecia Hella von der Börse nehmen. "Dafür besteht aber keine absolute Notwendigkeit." Die Franzosen würden dann rund 85 Prozent der gesamten Synergiepotentiale heben können. Das gesamte Synergiepotenzial bezifferte Koller auf rund 200 Millionen Euro bis 2025.

Der traditionsreiche Markenname Hella, den seit 1986 auch das Unternehmen trägt, sei wertvoll und solle weiter genutzt werden, sagte Koller. Mehr noch: "Wir müssen uns überlegen, ob nicht ein neuer Name für die Gruppe Wert bringen könnte." Faurecia war 1999 aus der Fusion der Zulieferer Bertrand Faure und Ecia entstanden.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/DJ/rts

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