Neuwagengeschäft schwächeltConti bleibt vorsichtig - Viel hängt am Ölpreis

Der Reifenhersteller Conti baut sich gewaltig um und konzentriert sich wieder aufs Kerngeschäft. Das kostet zunächst Geld und drückt den Dax-Konzern ins Minus. Im Tagesgeschäft sind die Aussichten weiter verhalten - die Autokonjunktur lahmt. Anders sieht es bei Ersatzreifen aus.
Der Reifenhersteller Continental bleibt für das laufende Jahr auf der Hut. Das Unternehmen verwies auf die schwächelnde Autoproduktion und weltweite Handelsbarrieren. Finanzchef Roland Welzbacher erwähnte zudem negative Wechselkurseffekte. "Auch in diesem Jahr werden diese Herausforderungen nicht verschwinden." Zusätzliche Unsicherheit bringe der Iran-Krieg mit sich. "Wir streben an, dass wir die obere Hälfte der Prognosespanne erreichen, aber die Unsicherheiten sind hoch", sagte er.
Die direkten Auswirkungen des Iran-Krieges seien vernachlässigbar, sagte der Manager. Continental erwirtschafte in der Region nur einen geringen Anteil seines Umsatzes und beschäftige nur wenige Mitarbeiter. Allerdings sei der jüngste Anstieg der Öl- und Gaspreise besorgniserregend. Einige wichtige Rohstoffe wie etwa Ruß oder synthetischer Gummi sind vom Ölpreis abhängig.
Das Unternehmen sei mit seiner Prognose etwas zurückhaltender als die Analysten, kommentierte Michael Aspinall, Experte bei der Investmentbank Jefferies. Immerhin falle die Dividende so aus wie erwartet, sagte Bernstein-Experte Harry Martin. Continental will den Aktionären für das abgelaufene Jahr eine Dividende von 2,70 Euro zahlen, das sind 20 Cent mehr als im Vorjahr. Das Unternehmen begründete das unter anderem damit, dass der Barmittelzufluss mit 959 Millionen Euro höher ausgefallen sei. Unter dem Strich allerdings stand wegen Umbauaktionen, die mit rund 1,2 Milliarden Euro zu Buche schlugen, nach 1,2 Milliarden Euro Gewinn ein Jahr zuvor nun ein Minus von 165 Millionen Euro.
Das Unternehmen prognostiziert für das laufende Jahr Erlöse von 17,3 Milliarden bis 18,9 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es 19,7 Milliarden Euro gewesen. Allerdings sind darin noch 1,6 Milliarden Umsatz in der inzwischen verkauften Sparte OESL enthalten, die 2026 wegfallen. Beim Gewinn schätzt Continental die Aussichten günstiger ein und rechnet mit einer Gewinnmarge von 11 bis 12,5 Prozent nach 10,3 Prozent 2025. Das Unternehmen begründete das mit dem wachstumsstarken Geschäft mit Premiumreifen ab 18 Zoll. "Wir setzen sehr stark darauf, dass die Reifen immer größer werden", sagte Welzbacher.
Zwar schwächle das Geschäft mit der Erstausrüstung von Neuwagen weiter, aber dafür laufe es mit Ersatzreifen besser. Vor allem im zweiten Halbjahr dürfte sich das bemerkbar machen, sagte Welzbacher. Auch das Industriegeschäft dürfte dann wieder anziehen. Die Sparte ContiTech erwirtschaftete 2025 Erlöse von sechs Milliarden Euro, einschließlich des inzwischen verkauften Geschäftsbereichs OESL.
Continental hatte im vergangenen Jahr das Autozuliefer-Geschäft an die Börse gebracht und will auch ContiTech bis zum Jahresende verkaufen. Das Unternehmen wird dann wieder zu einem reinen Reifenhersteller. Der Verkaufsprozess laufe, sagte Welzbacher. Die ersten Gespräche mit Interessenten seien aufgenommen worden. Noch im ersten Quartal sei damit zu rechnen, dass die ersten Kaufangebote abgegeben würden. Zu seinen Preiserwartungen äußerte sich Welzbacher nicht. "Wir müssen aber nicht zu jedem Preis verkaufen."