Wirtschaft

Globaler Trend zeigt nach unten New Yorks Wohnungsmarkt bricht ein

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In vielen Städten haben sich die Immobilienpreise von der Entwicklung der Einkommen gelöst. Das erhöht das Risiko von Preisstürzen.

(Foto: imago/Photocase)

Während die Immobilienpreise in Deutschlands Großstädten immer weiter steigen, fallen sie in New York so heftig wie seit der großen Krise nicht mehr. Die US-Metropole steht mit dieser Entwicklung global nicht allein da. In vielen Großstädten sinken die Preise - außer in der Eurozone.

In New York brechen die Immobilienpreise so stark ein wie seit Zeiten der großen Finanzkrise nicht mehr. Im vergangenen Quartal sei der Median-Preis für Wohnungen in Manhattan um zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken, berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf Daten des Maklerunternehmens Core. Das ist der heftigste Rückgang seit 2009. Zum ersten Mal seit mehreren Jahren fiel der Median-Preis zudem unter die Marke von einer Million Dollar. Der Median ist der Wert zwischen den oberen und den unteren fünfzig Prozent.

Median und Mittel

Durchschnitt ist nicht gleich Durchschnitt. Statistiker unterscheiden zwischen dem Median - dem Wert, die betrachtete Menge genau in zwei Hälften teilt, und dem arithmetischen Mittel, für das alle Werte einer Menge zusammenaddiert - und durch ihre Anzahl geteilt werden. Der Mittelwert liegt etwa bei Statistiken zum Einkommen oder Immobilienpreisen häufig über dem Median, da sich beim arithmetischen Mittel Ausreisser bei den Werten stark niederschlagen können. So liegt das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen in Deutschland gemäß arithmetischem Mittel bei knapp 24.000 Euro (2016 laut sozioökonomischem Panel). Das Medianeinkommen beträgt dagegen etwa 21.000 Euro.

Auch die Zahlen anderer New Yorker Makler zeigen einen drastischen Preisrückgang im dritten Quartal dieses Jahres. "Es sind weitere Zeichen, dass die Verkäufer kapitulieren", zitiert der Finanznachrichtendienst Bloomberg Jonathan Miller, Chef des Immobilienberaters Miller Samuel. Während die Zahl der Verkäufe den Zahlen der Makler zufolge deutlich gesunken ist, nimmt das Angebot vor allem an zum Verkauf stehenden Luxus-Wohnungen in der US-Metropole immer weiter zu. Laut Core waren die in den vergangenen drei Monaten verkauften Apartments im Durchschnitt 192 Tage auf dem Markt bevor sich, in der Regel für einen deutlichen Preisnachlass, ein Käufer fand.

Als einen Grund für den Einbruch nennen die Makler eine Steuer für Wohnungsverkäufe für mehr als eine Million Dollar. Doch der Preisrückgang hat lange davor begonnen. Bereits im vergangenen Jahr waren die Immobilienpreise in New York gesunken. Einem Bericht der "New York Times" zufolge wurden die Immobilienentwickler ein Viertel der von ihnen in den vergangen fünf Jahren gebauten Eigentumswohnungen bis heute nicht los. Der Markt sei schlicht übersättigt. Zudem übten viele Investoren aus Angst vor einer möglichen Rezession in den USA Zurückhaltung.

München am stärksten überhitzt

Der Preissturz in New York ist zwar besonders heftig, auf dem globalen Immobilienmarkt aber keine Ausnahme. Einer Untersuchung der Schweizer Großbank UBS zufolge sinken die Preise in zahlreichen Metropolen von San Francisco über Stockholm bis London. Den heftigsten Einbruch erlebte Sydney. Hauptsächlich im Euroraum und da vor allem in Deutschland kommt es allerdings weiterhin zu deutlichen Steigerungen. Das, so die UBS-Experten, liege vor allem an den extrem niedrigen Zinsen in der Eurozone. Weltweit gesehen sei die Preisentwicklung in den vergangenen zwölf Monaten zu einem Stillstand gekommen.

Den mit Abstand heftigsten Anstieg unter den zwei Dutzend untersuchten globalen Metropolen gab es in den vergangenen 24 Monaten in Frankfurt. Den weltweit am stärksten überhitzten Immobilienmarkt hat demzufolge München. Nirgendwo sonst sind die Hauspreise im Verhältnis zu den verfügbaren Einkommen der Bewohner so hoch wie in der bayerischen Hauptstadt.

Immobilien in den Metropolen seien kein Garant mehr für Wertsteigerungen, schreiben die UBS-Experten. Denn die Hauspreise hätten sich vielerorts in den vergangenen Jahren von der Entwicklung der Einkommen gelöst. Das erhöhe das Risiko sinkender Preise. Zumal auch angesichts der explodierenden Wohnkosten in vielen Städten politische Eingriffe in den Immobilienmarkt wahrscheinlicher geworden seien.

Quelle: n-tv.de