Wirtschaft

Investieren in Alkohol Nicht jeder Wein taugt als Wertanlage

Der Handel mit Top-Weinen ist ein lukratives Geschäft. Bei Auktionen werden Millionen umgesetzt. Doch unerfahrene Käufer können auch einige Fehler machen. Wann lohnt es sich, Weine als Wertanlage zu sammeln?

Wenn in Omas Keller plötzlich eine verstaubte Weinflasche aus dem letzten Jahrhundert auftaucht, glaubt so mancher an einen wertvollen Fund. Doch die Enttäuschung ist groß, wenn sich herausstellt, dass der vermeintlich edle Tropfen längst zur ungenießbaren Brühe geworden ist. Gleichzeitig werden bei Auktionen immer wieder spektakuläre Preise für seltene Weine erzielt. Wann lohnt es sich also, eine gute Flasche Wein in den Keller zu legen und auf eine Wertsteigerung zu spekulieren?

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Sammeln oder trinken? Das Investment in Wein ist nichts für faule Anleger.

(Foto: picture alliance / Monika Skolim)

Nicht jeder teure Wein taugt als Wertanlage. "Es muss sich um einen seltenen Wein handeln, um einen Wein, der international bekannt ist", sagt Autor und Weinexperte Valentin Brodbecker gegenüber n-tv. Bei Top-Weinen, etwa aus dem Bordelais, sei aber eine Wertsteigerung von etwa sieben Prozent pro Jahr realistisch.

Besonders stabil zeige sich dabei die Wertsteigerung bei den weltbekannten Weingütern aus Frankreich. "Diese Label-Weine werden natürlich auch als Prestige gekauft. Nicht nur unbedingt von Weinkennern. Zum Beispiel in Asien gibt es immer mehr Millionäre, die solche Weine nachfragen, weil sie zum Luxus gehören wie eine teure Uhr oder ein Kunstwerk."

Weinkritiker beeinflussen Wertentwicklung

Wertvolle Weine könnte auch der Jahrgang 2018 hervorbringen. "Ob es ein Jahrhundertwein wird, das zeigt sich erst noch, denn ein bisschen Zeit brauchen wir noch. Aber es sieht sehr gut aus", so Weinexperte Brodbecker. "Wenn sich weiter Sonnentage und auch etwas Regen abwechseln und es dann in der Weinlese trocken bleibt, dann kriegen wir einen super Jahrgang."

Das Investment in Wein ist jedoch nichts für faule Anleger. So braucht es einiges an Fachwissen, auch über die richtigen Jahrgänge. "Der Name allein ist natürlich schon die Reputation. Aber das kann auch ins Auge gehen", warnt Weinexperte Brodbecker. "Wein ist ein Naturprodukt. Wir haben jedes Jahr einen anderen Wein, jedes Jahr eine andere Bewertung und eine andere Qualität. Zum Beispiel ein 1991er Mouton-Rothschild ist heute nur noch 150 Euro wert. Ein 1990er kostet 600 Euro. Einfach weil es ein besserer Jahrgang war."

Auch Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut mahnt gegenüber n-tv.de zur Vorsicht: "Für eine Geldanlage eignen sich nur sehr gute Jahrgänge und Weine von international renommierten Weingütern. Zudem wird die Wertentwicklung auch von den Urteilen namhafter Weinkritiker beeinflusst. Diese Weine haben auch ihren Preis, mit einem Wein für 20 Euro kann man keinen großen Wertzuwachs erwarten".

Der abgefüllte Wein ist außerdem sehr anspruchsvoll, vor allem wenn es um Temperatur und Luftfeuchtigkeit geht. Bei falscher Lagerung droht dem unvorsichtigen Anleger der Totalverlust. Wenn der teure Tropfen beispielsweise zu warm gelagert wird, kann sich der Korken herauslösen. Der Wein kann dann an Qualität einbüßen und im schlimmsten Fall ungenießbar werden. Das Investment ist dann nur noch ein Fall für den Abfluss.

Und wie sieht es mit dem verstaubten Wein aus Omas Keller aus? Leider ist das Alter allein kein Qualitätsmerkmal: "Alt heißt nicht automatisch auch gut, weil nur die sehr guten Qualitäten auch lange halten", sagt Weinexperte Brodbecker. Viele Faktoren wie zum Beispiel das Säure-Süße-Gleichgewicht oder Gerbstoffe entscheiden darüber, wie lange ein Wein gelagert werden kann. "Und das haben nur die Top-Weine."

Wein für 30 Millionen Euro versteigert

Dass mit Wein Millionen verdient werden können, hat erst im Juni eine Auktion in Genf gezeigt. 1064 Flaschen Wein des legendären französischen Winzers Henri Jayer wurden dort versteigert und brachten insgesamt 30 Millionen Euro ein. Der Starwinzer, den Kenner als den "König des Pinot Noir" verehrten, war vor zwölf Jahren gestorben und hatte seinen beiden Töchtern die Sammlung hinterlassen.

Unter den versteigerten Flaschen waren auch einige der Sorte Cros-Parantoux Vosne-Romanée Premier Cru. Sie zählt zu den teuersten Weinsorten der Welt. So mancher Käufer wird die Flaschen deshalb sicher auch als Wertanlage betrachten. Im Sinne der Verkäuferinnen ist das jedoch nicht.

"Weil wir diese Flaschen nicht alle selbst trinken können, bieten wir sie Weinliebhabern an", sagten die Töchter Jayers. "Wir hoffen, dass diese Weine zu Kennern gelangen, die wissen, wie man solche Weine trinkt." Die Flaschen sollten besser nicht einfach in den Kellern von Sammlern verschwinden. "Wein steht für Gemeinschaft. Diese Weine sind vor allem dazu da, getrunken und genossen zu werden."

Quelle: n-tv.de, mit AFP

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