Wirtschaft

Virus lähmt auch deutsche Firmen OECD sagt globale Rezession voraus

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1600 Beschäftigte von DMG Mori sollen für mindestens zwei Tage zu Hause bleiben.

(Foto: dpa)

Auch in Deutschland stehen Fabriken still, Büros werden geräumt, die Nachfrage bricht ein. Nicht nur in China zeigen sich die Auswirkungen des neuen Coronavirus. Die Wirtschaftsorganisation OECD schraubt ihre Konjunkturprognosen deutlich herunter.

Beim Maschinenbauer DMG Mori im Allgäu geht zu Anfang der Woche nichts mehr. Alle 1600 Beschäftigen des Werkes in Pfronten sollen - zunächst für zwei Tage - zu Hause bleiben, teilte der Spezialist für Dreh- und Fräsmaschinen mit. Grund für den Stillstand: Ein Mitarbeiter hat sich mit Sars-CoV-2 infiziert. Der Maschinenbauer ist kein Einzelfall in Deutschland und Europa. Nachdem das neue Coronavirus zunächst Chinas Wirtschaft wochenlang lähmte, bekommen nun nach und nach auch Unternehmen im Rest der Welt die Auswirkungen der Pandemie zu spüren. So schloss der Sportartikelhersteller Nike seine Europazentrale in den Niederlanden wegen eines Covid-19-Verdachtsfalls. Die Unternehmensberatung EY räumte ihre Büros in Düsseldorf bereits in der vergangenen Woche.

Zu diesen direkten Beeinträchtigungen in Fabriken, Büros und anderen Arbeitsstätten melden Unternehmen massive Auswirkungen auf die Logistik, die Lieferketten und auf die Nachfrage. Besonders drastisch zeigte sich das bislang in China, wo der Verkauf etwa von Autos und Bekleidung zeitweise um mehr als 90 Prozent einbrach.

Aber auch in Europa spüren manche Branchen bereits deutliche Folgen. So reduziert die Lufthansa in diesem Monat die Zahl ihrer Flugverbindungen vor allem, aber nicht nur nach Italien. Auch die Frequenzen auf innerdeutschen Verbindungen würden verringert, da die Nachfrage zurückgegangen sei, teilte der Konzern mit. Ähnlich reagieren andere Fluglinien und Tourismusunternehmen. Der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft befürchtet, dass vor allem kleinere Firmen seiner Branche die Epidemie nicht überstehen könnten. Auch wenn in Deutschland noch nicht wie etwa in der Schweiz alle Großveranstaltungen verboten sind, fallen der Angst vor dem Virus bereits viele Veranstaltungen zum Opfer. Auch sagen viele Unternehmen interne Events wegen des Infektionsrisikos ab.

Italien besonders hart getroffen

Nach Einschätzung der Industriestaatenorganisation OECD könnten all diese Auswirkungen der Epidemie die Weltwirtschaft in eine Rezession stürzen. Die OECD-Ökonomen erwarten in diesem Jahr ein globales Wachstum von nur noch 2,4 Prozent. Wachstumsraten unter 2,5 Prozent für die Weltwirtschaft gelten - anders als bei einzelnen Ländern - allgemein als Rezession. Und das ist laut OECD noch ein optimistisches Szenario. Falls der Ausbruch des neuartigen Coronavirus länger dauere und den asiatisch-pazifischen Raum, Europa und Nordamerika breit erfasse, seien noch deutlichere Auswirkungen zu befürchten. "In diesem Fall könnte das weltweite Wachstum 2020 auf 1,5 Prozent sinken", hieß es. Vor Ausbruch der Corona-Krise war die OECD noch von knapp 3 Prozent globalem Wirtschaftswachstum ausgegangen.

Für Deutschland rechnet die OECD im laufenden Jahr nur noch mit einem Wachstum von 0,3 Prozent, 0,1 Prozentpunkte weniger als bisher. Deutlich stärker betroffen ist Italien, das in Europa die meisten Infektionen zählt: Dort erwartet die OECD nur noch ein Nullwachstum statt bislang 0,4 Prozent. Für die gesamte Eurozone sagte die Organisation eine Abschwächung um 0,3 Punkte auf 0,8 Prozent Wachstum voraus.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa/DJ/rts

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