Auswirkungen des Iran-KriegesÖlvorräte in OECD-Ländern auf niedrigstem Stand seit 1990

Durch den Iran-Krieg schrumpfen die Ölexporte aus dem Nahen Osten dramatisch. OECD-Staaten zapfen ihre Reserven an, um dem entgegenzuwirken. Nun zeigt sich, dass die Lagerstände so niedrig sind wie seit Jahrzehnten nicht.
Der Iran-Krieg hat sich erheblich auf die Ölvorräte vor allem der Industriestaaten ausgewirkt. "Trotz des deutlichen Rückgangs der Ölnachfrage (...) schrumpfen die Vorräte weiterhin in Rekordtempo", teilte die IEA in ihrem veröffentlichten Monatsbericht mit. Demnach fielen die Ölreserven in den Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Mai auf den niedrigsten Stand seit 1990.
Die erfassten weltweiten Lagerbestände sanken laut IEA infolge des Iran-Krieges bis zum 12. Juni um 252 Millionen Barrel. Allein in den OECD-Staaten wurden 163 Millionen Barrel entnommen. Die Regierungen dieser Länder hatten ihre Bestände angezapft, um die Blockade der Rohöllieferungen aus der Golfregion während des Krieges auszugleichen und den Anstieg der Preise trotz monatelanger schwerer Lieferunterbrechungen zu begrenzen.
Eine schwächere globale Nachfrage, geringere Rohölimporte Chinas, stärkere US-Exporte und die verstärkte Nutzung von Pipelinerouten aus Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben ebenfalls dazu beigetragen, den Druck auf den Markt zu verringern und einen Teil des Angebotsdefizits auszugleichen.
IEA-Chef Fatih Birol hat die Auswirkungen des Iran-Krieges als "größte Energiekrise" in der Geschichte bezeichnet. Die Agentur mit Sitz in Paris hat die Freigabe von 400 Millionen Barrel Öl aus den Reserven ihrer 32 Mitgliedsländer koordiniert. Nach der Einigung zwischen den USA und dem Iran auf ein Rahmenabkommen forderte Birol am Dienstag die "bedingungslose" Öffnung der Straße von Hormus. Deren weitgehende Blockade durch den Iran hat den weltweiten Anstieg der Ölpreise ausgelöst.