Wirtschaft

Mit gutem Beispiel voran Ökonomen: EU sollte Zölle senken

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Aus der Not eine Tugend machen: Wissenschaftler plädieren für die ökonomische Öffnung.

(Foto: imago/Christian Ohde)

Nach einer Schonfrist sollen die US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium für die EU nun ab Juni in Kraft treten. Die bisherige Strategie der EU hierzu bezeichnen Ökonomen als "jämmerlich" - und nennen ausgerechnet China als Vorbild.

Führende Ökonomen haben die EU aufgefordert, ihre Import-Zölle einseitig zu senken. Das sei die einzig akzeptable Reaktion auf die aggressive Anti-Freihandelspolitik von US-Präsident Donald Trump, argumentieren sie nach einem Bericht der "Welt am Sonntag".

"Was Trump tut, ist schändlich", sagte Jagdish Bhagwati von der Columbia University dem Blatt. "Die Reaktion der EU aber auch. Dass sie angekrochen kommt und Ausnahmen nur für sich fordert, ist genauso jämmerlich. Sie sollte für den Rest der Welt mit gutem Beispiel vorangehen." Der US-Handelsexperte ergänzte: "Selbst wenn die USA ihren Markt abschotten, die EU sollte ihren weiter öffnen."

Führende deutsche Ökonomen sähen das ähnlich. "Die US-Regierung wirft der EU vor, sie würde teilweise ungerechtfertigt hohe Zölle auf einzelne Produkte erheben. Darauf gibt es eine einfache beste Antwort", sagte Christoph Schmidt, Chef der sogenannten Wirtschaftsweisen dem Blatt. "Die EU sollte dies als Gelegenheit verstehen, diese Zölle rigoros abzubauen. Ein neu verhandeltes transatlantisches Abkommen wäre dazu ein geeignetes Vehikel."

Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), forderte die EU auf, einseitig Zölle abzubauen. "Man muss aus der Not eine Tugend machen.", sagte er. Ähnlich wie China, das in der zurückliegenden Woche die Zölle für Autoimporte gesenkt habe, solle auch die EU als Reaktion auf Trumps Strafzölle ihre Zölle im gleichen Ausmaß verringern. "Zölle helfen nur ineffizienten Produzenten, aber zahlen für diesen Schutz müssen die Menschen im In- und Ausland gleichermaßen. Wenn Menschen diese Zusammenhänge verständen, wären Zölle auch bei den Wählern plötzlich sehr unpopulär", so Snower.

Trump hat den EU-Staaten mit zusätzlichen Zöllen auf Aluminium und Stahl gedroht. Nachdem die Zölle zunächst ausgesetzt wurde, läuft die Frist dafür am 1. Juni aus. Dies würde unter anderem deutsche Autohersteller treffen. Die EU ist zu Handelsgesprächen bereit, wenn die USA auf die Zölle verzichten.

Quelle: n-tv.de, lou/dpa/rts

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