Wirtschaft

22 Milliarden Euro versenkt Opel-Mutter Stellantis zieht Reißleine bei Elektro-Strategie

06.02.2026, 11:32 Uhr DSCF1383-2Von Jan Gänger
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Stellantis setzt in den USA nicht mehr auf E-Autos. (Foto: REUTERS)

Stellantis erschreckt die Börse mit einer Milliardenabschreibung. Der Konzern vollzieht in den USA eine Kehrtwende bei E-Autos. Der Aktienkurs bricht ein.

Der Autokonzern Stellantis dampft seine Elektro-Strategie ein und verbucht deshalb milliardenschwere Abschreibungen. Die Hiobsbotschaft riss die Aktien um 18 Prozent nach unten und belastete den gesamten europäischen Autosektor. Volkswagen-Papiere verloren 2,3 Prozent, BMW 1,5 Prozent und Porsche sogar 3,2 Prozent.

Stellantis war aus der Fusion von PSA aus Frankreich und FCA aus Italien hervorgegangen. Der Konzern vereint zahlreiche Kernmarken unter seinem Dach, darunter Peugeot, Fiat, Opel, Chrysler und Jeep.

Wegen der Drosselung der Entwicklungspläne für Elektroautos würden für die zweite Hälfte des vergangenen Jahres Belastungen von rund 22,2 Milliarden Euro verbucht, teilte das Management mit. Unter dem Strich entstehe dadurch für diesen Zeitraum ein vorläufiger Verlust zwischen 19 und 21 Milliarden Euro.

Die Abschreibungen zeigten, dass Stellantis die Entwicklung hin zur E-Mobilität überschätzt habe, sagte Vorstandschef Antonio Filosa. Knapp 15 Milliarden Euro gehen drauf für die Umkehr bei Elektroautos auf dem wichtigen US-Markt. Der Konzern streicht infolge der von US-Präsident Donald Trump abgeschafften Elektroautoförderung und geänderter Abgasrichtlinien Modelle und wird mit E-Mobilität wohl weniger Geld verdienen.

Die Aktionäre sollen für 2025 deshalb leer ausgehen. Eine Dividende werde in diesem Jahr nicht gezahlt. Zudem will sich das Unternehmen frisches Geld in Höhe von bis zu fünf Milliarden Euro über die Ausgabe neuer Anleihen besorgen, um die Bilanz zu stärken.

"Der zweite Schock"

Mit dem drastischen Schritt folgt Stellantis den US-Konkurrenten Ford und General Motors. Auch diese hatten sich wegen der Politik der US-Regierung unter Trump und der schwachen Nachfrage nach Elektroautos von ihren ehrgeizigen Plänen für batteriebetriebene Modelle verabschiedet.

Als Teil der Neuausrichtung verkauft Stellantis etwa seine Beteiligung von 49 Prozent an einem Batteriewerk in Kanada an den südkoreanischen Batteriehersteller LG Energy Solution für einen symbolischen Preis von 100 Dollar. Die Südkoreaner übernehmen damit die volle Kontrolle über das gemeinsame Werk. Bislang seien in den Standort mehr als fünf Milliarden kanadische Dollar (rund 3,4 Milliarden Euro) investiert worden, so Stellantis.

"Nach Volvo gestern ist das schon der zweite Schock im Sektor", sagte ein Aktienhändler. Als einer der Hauptgewinner der Umschichtung aus Technologie-Aktien sei hier zuvor viel frisches Geld investiert worden. Doch dann hatte der schwedische Autobauer, der mehrheitlich zum chinesischen Geely-Konzern gehört, für das vierte Quartal einen Gewinneinbruch vermeldet.

Stellantis trifft es in einer ohnehin kritischen Phase: Der Konzern war in den USA in einen Strudel aus schwachen Verkäufen und sinkenden Preisen geraten und musste teuer gegensteuern, Ex-Chef Carlos Tavares verlor darüber seinen Job. In Nordamerika hat das Unternehmen in aller Regel den Löwenanteil seines Gewinns erzielt. Die Aktie steht bereits seit geraumer Zeit unter Druck. Im vergangenen Jahr fiel sie um rund 25 Prozent, im Jahr davor um mehr als 40 Prozent. Seit Jahresbeginn haben die Papiere weitere 20 Prozent an Wert verloren.

Quelle: ntv.de, mit rts/dpa/DJ

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