Wirtschaft

Optimismus bei Mutter AMS Osram beendet Unabhängigkeit im Minus

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(Foto: picture alliance/dpa)

Der Leuchtmittelexperte Osram meldet rund um den Globus anziehende Geschäfte. Lediglich Europa hinkt der Entwicklung etwas hinterher. Wegen Corona endet das letzte Jahr auf eigenen Füßen aber in den roten Zahlen. Dennoch sind sowohl die Münchener als auch die österreichische Mutter zuversichtlich.

Der angeschlagene Lichtkonzern Osram und sein österreichischer Mehrheitsaktionär AMS stecken in den roten Zahlen. Beide Unternehmen meldeten deutliche Verluste für den Sommer, wobei die Zahlen von AMS erstmals auch die Ergebnisse der neuen Tochter aus München beinhalteten. Dennoch sind beide Unternehmen optimistisch für die Zukunft. 

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Osram-Chef Olaf Berlien betonte: "Wie erwartet kam es in den meisten Geschäftsbereichen im Laufe des vierten Quartals zu schrittweisen Verbesserungen", sagte er. Zudem gebe es für das laufende neue Geschäftsjahr gute Auftragseingänge im wichtigen Auto-Geschäft. Wie bereits mehrere Unternehmen der Autobranche sprach der Osram-Chef von einer deutlichen Erholung der Märkte in China, Südkorea und Japan von der Corona-Krise. "Indien zieht gerade stark an", fügte Berlien hinzu. "Wo wir auch sehr starke Signale haben, ist Nordamerika." Weil dort viele Menschen mehr mit dem eigenen Auto statt mit dem Flugzeug unterwegs sind, seien dort bestimmte Ersatzlampen für Halogenscheinwerfer sogar ausverkauft. Osram ist in diesem Geschäft Weltmarktführer. In Europa hingegen laufe das Geschäft in Deutschland zwar "ordentlich", in südlichen Ländern aber schwach.

Osrams Geschäftsjahr weicht vom Kalenderjahr ab und dauert jeweils von Oktober bis September. Im Vergleich zu den Vorjahreszeiträumen sehen die aktuellen Ergebnis-Zahlen von Osram allerdings ein Stück weit besser aus, auch wenn der Verlust der fortgeführten Geschäfte im vierten Quartal mit 89 Millionen Euro nach Steuern und 267 Millionen im gesamten Geschäftsjahr deutlich ausfiel. Im letzten Geschäftsjahr der Unabhängigkeit sank der Umsatz um 14 Prozent auf drei Milliarden Euro. Die Umsatzrendite lag mit 8,3 Prozent knapp unter dem Vorjahreswert. Im neuen Geschäftsjahr, in dem Osram in den AMS-Konzern eingegliedert werden soll, erwarten die Münchner unverändert ein Umsatzplus von sechs bis zehn Prozent und eine Ebitda-Marge von neun bis elf Prozent.

AMS mit deutlichem Minus

Auch AMS rutschte im dritten Quartal in die roten Zahlen. Im Frühjahr hatten sich die Österreicher, bei denen sich Geschäfts- und Kalenderjahr decken, noch knapp im Gewinn halten können. Zum deutlichen Fehlbetrag von 125 Millionen Euro in den fortgeführten Geschäften trug aber auch die erstmalige Konsolidierung der neuen Tochter bei. Gemeinsam machten die Unternehmen gut 1,2 Milliarden Euro Umsatz.

AMS berichtete seinerseits von guten Geschäften mit Sensoren für Smartphones und anziehender Nachfrage aus den Branchen Automobil, Industrie und Medizintechnik. Deswegen wollen die Österreicher in den Geschäftsbereichen, die sie selbst in den neuen Konzern einbringen, den Umsatz im laufenden Quartal auf 650 bis 690 Millionen Dollar steigern. Das entspricht einem Anstieg von 19 Prozent gegenüber dem dritten Quartal und zwei Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Umsatzrendite soll auf 24 bis 27 Prozent steigen.

Osram-Chef befürchtet keinen Squeeze-Out

AMS will Osram nun zügig weiter integrieren. Nachdem eine außerordentliche Hauptversammlung bei Osram jüngst einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit den Österreichern bestätigt hat, soll dieser um das Jahresende umgesetzt werden. Osram erwartet, dass die operativen Tätigkeiten Anfang 2021 kombiniert werden können.

Bis zu einem möglichen sogenannten Squeeze-Out, bei dem die verbliebenen Aktionäre aus dem Unternehmen gedrängt werden, dürfte es nach Einschätzung von Osram-Chef Olaf Berlien aber noch lange dauern. Bei den aktuellen Anteilen - AMS liegt den letzten veröffentlichten Zahlen zufolge etwas über 70 Prozent - sei ein Squeeze-Out gar nicht möglich. Um dorthin zu kommen, brauche es Jahre, zumal es für die verbliebenen Aktionäre derzeit wenig Grund gebe, ihre Anteile abzugeben - zumal AMS eine solide Garantie-Dividende versprochen hat.

Der österreichische Sensorspezialist AMS war im vergangenen Jahr nach längerem Ringen mit einem Übernahmeangebot für Osram erfolgreich. Umgesetzt wurde das Geschäft allerdings erst im Sommer nach Zustimmung der Wettbewerbsbehörden. Berlien sagte zum Verlust der Eigenständigkeit von Osram, dass das Unternehmen in seiner mehr als hundertjährigen Geschichte nur sieben Jahre lang wirklich unabhängig gewesen sei. Jetzt sei man gut gerüstet für eine gemeinsame Zukunft mit AMS.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa