Wirtschaft

Trotz großer Bedenken Osram will AMS-Angebot annehmen

d3b8cd1a7ea0f6dfea14bec4b68d7212.jpg

Um Osram kämpfen derzeit zwei Anbieter - der kleinere von beiden könnte jetzt zuschlagen.

(Foto: imago images / Schöning)

Der strauchelnde Lichtkonzern Osram steht zum Verkauf und wird von zwei Bietern umworben. Vorstand und Aufsichtsrat beurteilen eine der beiden Offerten schlechter - und sehen sich dennoch gezwungen, genau diese zu empfehlen.

Vorstand und Aufsichtsrat von Osram empfehlen den Aktionären des zum Verkauf stehenden Lichtkonzerns ein Übernahmeangebot aus Österreich. Obwohl das Management offene Fragen sieht und die Arbeitnehmer es ablehnen. In einer Stellungnahme äußert die Osram-Chefetage eine ganze Reihe gravierender Bedenken gegen die Offerte des österreichischen Konkurrenten AMS.

Osram
Osram 42,80

Doch da der Sensorhersteller den Osram-Aktionären gut 300 Millionen Euro mehr bietet als die eigentlich vom Vorstand bevorzugten US-Finanzinvestoren, sprechen sich Management und Aufseher des Unternehmens dennoch für AMS aus. Die wirtschaftliche Attraktivität des Angebots veranlasste den Vorstand und mehrheitlich auch den Aufsichtsrat, den Osram-Aktionären die Annahme des Angebots zu empfehlen, heißt es in der gut 90 Seiten umfassenden Stellungnahme.

AMS bietet 38,50 Euro je Aktie. Das wären insgesamt etwa 3,7 Milliarden Euro, während die US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle nur knapp 3,4 Milliarden Euro offerieren. Der Aufsichtsrat ist jedoch gespalten: Die Arbeitnehmervertreter lehnten das AMS-Angebot in einem Sondervotum ab. Hauptbedenken sowohl im Management als auch bei den Arbeitnehmern sind die von AMS geplante Milliardenfinanzierung auf Pump, Zweifel an der Fähigkeit des in der Steiermark ansässigen Kaufinteressenten, die Übernahme zu bewältigen, und Angst vor einer drohenden Zerschlagung des mehr als 110 Jahre alten Münchner Traditionsunternehmens.

AMS will sich mit weniger zufrieden geben

AMS wiederum senkte angesichts der Bedenken die Mindestannahmeschwelle für das eigene Angebot. Die Österreicher wollen sich nun damit zufrieden geben, wenn die Eigentümer von 62,5 Prozent der Osram-Aktien die Offerte annehmen, bisher waren 70 Prozent die Zielmarke. AMS will nach eigenen Angaben das Risiko für die Übernahme senken und schneller zum Ziel kommen. Doch das Osram-Management ist von der Offerte keineswegs überzeugt, wie aus dem Papier hervorgeht. Vorstandschef Olaf Berlien will seine eigenen 31.750 Aktien nicht an die Österreicher verkaufen.

AMS ist erheblich kleiner als Osram. Um den Beleuchtungshersteller übernehmen zu können, will AMS ungeachtet einer jetzt schon hohen langfristigen Verschuldung von mehr als 1,4 Milliarden Euro weitere Kredite in Höhe von knapp 3,9 Milliarden Euro aufnehmen. Mittelfristig soll mit einer Kapitalerhöhung frisches Geld beschafft werden.

Dass das wie vorgesehen gelingt, sehen Vorstand und Aufsichtsrat bei Osram skeptisch. Sollte die Refinanzierung nicht gelingen, würde dies negative Folgen nicht nur für die Aktionäre des zusammengeschlossenen Unternehmens, sondern auch für Mitarbeiter, Geschäftspartner und andere Stakeholder nach sich ziehen, heißt es in der Stellungnahme.

Osram sieht Gefahren durch Übernahme

Außerdem sehen Osram-Vorstand und -Aufsichtsrat die Gefahr, dass AMS sich mit Osram schlicht überheben könnte. AMS habe wenig Erfahrung mit der Integration großer und komplexer Unternehmen. Dem Unternehmen könnte es daher nicht gelingen, die Integration erfolgreich zu organisieren, warnt die Osram-Chefetage. Die Unternehmensleitung zweifelt außerdem an den von AMS versprochenen Synergieeffekten in Höhe von 300 Millionen Euro. Die Bedenken von Betriebsrat und IG Metall werden in der Stellungnahme ausführlich dargelegt: Die Arbeitnehmervertreter fürchten, dass AMS letztlich Osram zerlegen will.

Der AMS-Vorstand will seine Pläne am Vormittag bei einer Pressekonferenz in München erläutern. Die ins Hintertreffen geratenen US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle haben noch die Möglichkeit, ihr Angebot zu erhöhen. Die Annahmefrist für beide Offerten läuft bis zum 1. Oktober. Die IG Metall will eine Übernahme durch AMS nach wie vor verhindern und hat ebenfalls zu einer Pressekonferenz in München eingeladen.

Quelle: n-tv.de, aeh/dpa

Mehr zum Thema