Wirtschaft

Produktivität im Vergleich Ost-Betriebe verpassen Anschluss

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Der Energie-Drink von Vita wird in Thüringen hergestellt.

(Foto: picture alliance / Martin Schutt)

Sind ostdeutsche Unternehmen weniger produktiv als westdeutsche? Eine neue Studie beantwortet diese Frage mit deutlichen Zahlen. Sogar West-Schlusslicht Saarland ist danach stärker als alle Ostländer.

In Ostdeutschland ist die Produktivität 30 Jahre nach der Wiedervereinigung einem MDR-Bericht zufolge immer noch deutlich geringer als im Westen. Der Fernsehsender bezieht sich dabei auf eine neue Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Danach erreicht kein Bundesland im Osten die Produktivität des schwächsten westdeutschen Bundeslands, des Saarlands.

IWH-Präsident Reint Gropp erklärte, ein ostdeutsches Unternehmen sei 20 Prozent weniger produktiv als eine vergleichbare West-Firma. Praktisch bedeutet dies, dass ein Ostunternehmen durchschnittlich bei gleicher Mitarbeiterzahl 20 Prozent weniger als ein Westunternehmen produziert. Das habe auch, aber nicht nur mit fehlenden Konzernzentralen in Ostdeutschland zu tun, führte Gropp aus. Hauptsächlich machte er aber staatliche Subventionen für die Entwicklung verantwortlich.

Ähnlich hatte sich Gropp bereits beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum in Bad Saarow im November 2018 geäußert. Der IWH-Präsident stieß damals mit seinen Thesen auf Zustimmung, aber auch auf Widerstand aus Wissenschaft und Politik. Der Chef der Ifo-Niederlassung in Dresden, Joachim Ragnitz, führte dagegen eine geringere Produktivität darauf zurück, dass ostdeutsche Firmen ihre Produkte zu billig auf den Märkten anböten. Das führe zu einem Teufelskreis aus niedrigen Löhnen und niedrigen Preisen.

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte, sagte, ohne die gezielte Förderung würde es heute die industriellen Strukturen im Osten nicht geben. Der CDU-Politiker verwies darauf, dass es im Westen weiterhin im Schnitt mehr Jobs in höher qualifizierten Berufen gebe. Experten führen das auf die großen Konzerne zurück, die es im Osten kaum gibt. Erst kürzlich hatte Hirte jedoch angemahnt, dem Image des Ostens schade eine "Jammer-Ossi"-Debatte, nach der die neuen Länder zu kurz gekommen seien.

Quelle: n-tv.de, mau/dpa

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