Wirtschaft

Milliardärsfamilie spart Steuern Pears kauft verdeckt 3000 Wohnungen

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Berlin erlebt seit Jahren einen Immobilienboom - und rasant steigende Mieten.

(Foto: imago images / Dirk Sattler)

Dass eine britische Milliardärsfamilie mindestens 3000 Wohnungen in Berlin aufgekauft hat, davon ahnt die Verwaltung der Hauptstadt nichts – bis jetzt. Einem Bericht zufolge trickst das Unternehmen bei der Steuer und prellt Berlin so um Einnahmen.

Die vermögende britische Familie Pears hat sich nach Informationen des "Tagesspiegels" einen Bestand von mindestens 3000 Berliner Wohnungen gesichert. Der Firmenverbund habe diese über ein verzweigtes Netzwerk von Firmen mit Sitz in Steueroasen wie Luxemburg, den Britischen Jungferninseln und auf Zypern erworben. Er zahlt in Deutschland, gemessen an seinen Umsätzen, nur wenig Steuern.

Der vom Recherchezentrum "Correctiv" und dem "Tagesspiegel" recherchierte Fall zeigt, dass Berlin zu den attraktivsten Standorten für global operierende Immobilieninvestoren zählt. Der Senat hatte die Firma bisher nicht als einen der größten Immobilienbesitzer in Berlin registriert. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen schloss auf Anfrage nicht aus, dass neben Pears auch andere Eigentümer unerkannt größere Wohnungsbestände zusammengekauft haben könnten.

Matthias Kollatz (SPD), Senator für Finanzen, spricht zum Thema der Berliner Finanzplanung bis zum Jahr 2022. Foto: Gregor Fischer/Archivbild

Matthias Kollatz (SPD), Senator für Finanzen. Foto: Gregor Fischer/Archivbild

(Foto: Gregor Fischer/dpa)

Für die Stadt hat der Wandel der Eigentümerstrukturen von bisher mittelständisch geprägten Besitzern zu global operierenden Konzernen massive Steuerausfälle zur Folge. Berlins Senator für Finanzen, Matthias Kollatz, fordert, dass "die Staaten Vorkehrungen treffen, mit denen ansässige Unternehmen vor Steuervermeidung und Steuerdumping der Konkurrenz geschützt und zustehende Steuereinnahmen gesichert werden".

Kollatz für Mindestbesteuerung

Angesichts der sich globalisierenden Wirtschaft schlägt der SPD-Politiker eine "Publikationspflicht für Gewinne, Erträge und Umsätze international agierender Firmen in einer ‚Country by country‘-Berichterstattung" vor. Diese könne für mehr Transparenz über Ländergrenzen hinweg sorgen und "nicht plausible Gewinne durch sogenannte Gestaltungsmaßnahmen" offenbaren, sagte er dem "Tagesspiegel". Eine "effektive Mindestbesteuerung" könne das Kleinrechnen von Gewinnen eindämmen.

Internationale Wohnungskonzerne wie Pears zahlen auf ihre in Berlin erzielten Einnahmen nicht annähernd so viele Steuern wie ausschließlich hier ansässige Unternehmen. Zur Steuerminderung nutzen sie Holding-Strukturen mit Sitz in Steueroasen, um Gewinne in Ländern mit hohen Steuern niedrig zu rechnen.

Offenbar schlossen mehrere Luxemburger Firmen aus dem Pears-Netzwerk Verträge über Darlehen, die teuer verzinst werden müssen, mit anderen Firmen desselben Konzerns. Berliner Mieten dienen dann zur Bezahlung der Darlehenszinsen, die steuerliche Bilanz der Wohnungsbewirtschaftung wird auf einen Bruchteil kleingerechnet. Dieses Muster wiederholt sich bei mehreren Pears-Firmen, die in Berlin Wohnhäuser besitzen.

Quelle: n-tv.de, vpe