Wirtschaft
Das Model und der Polizist.
Das Model und der Polizist.(Foto: Pepsi Global)
Mittwoch, 05. April 2017

Hippe Demonstranten: Pepsi-Werbung geht nach hinten los

Von Jan Gänger

Wenn über einen Werbespot geredet wird, dann freut sich der Auftraggeber über die große Aufmerksamkeit. Bei Pepsi dürfte es derzeit allerdings anders sein.

Pepsi hat in den USA einen neuen Werbespot veröffentlicht - und sich damit nicht gerade viele Freunde gemacht. Im Gegenteil: Während einige über den Spot lediglich lästern, sind andere sichtlich verärgert.

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Worum es geht? Das Model Kendall Jenner ist inmitten eines Foto-Shootings. Über den Dächern der Stadt spielt jemand Cello. Ein Demonstrationszug von hippen Großstädtern zieht vorbei. Auf den Plakaten sind so liebenswürdige wie nichtssagende Botschaften wie "Frieden", "Liebe" und "Werde Teil des Gesprächs" zu lesen. Nach der Bitte eines schönen Mannes bricht das Model das Shooting ab, entfernt die blonde Perücke, schüttelt ihr dunkles Haar und schließt sich dem Zug an. Dann der Höhepunkt: Jenner nimmt sich eine eiskalte Dose Pepsi und drückt sie einem attraktiven Polizisten in die Hand. Dokumentiert wird dieser Augenblick von einer hübschen, offenbar muslimischen Fotografin. Die Demonstration bricht in Jubel aus. Die Menschen umarmen sich und klatschen ab. Und der Polizist? Lächelt. Das war's.

Ein Blick in die sozialen Netzwerke zeigt, dass die Werbung bei vielen Amerikanern - zurückhaltend ausgedrückt - nicht sonderlich gut ankommt. Ihre Kritik: Pepsi stelle Proteste als angesagten, inhaltsleeren Zeitvertreib dar, der Freude macht - und nicht als etwas, das Aufmerksamkeit auf wirklich wichtige Dinge lenken soll. Und als etwas, das unter Umständen Mut erfordert.

"Pepsi hat eine Antwort für die vielen Millionen Amerikaner, die Angst haben, dass ihnen das Weiße Haus ihre Grundrechte und unverzichtbare Dienstleistungen [wie die Krankenversicherung] wegnimmt. Kleiner Hinweis: Es geht um eine Pepsi-Dose", spottete die Nachrichten-Website "Mashable".

Einige Amerikaner werfen Pepsi vor, mit dem Spot ein berühmtes Foto zu missbrauchen: Es ist das Bild einer schwarzen Frau in einem langen Sommerkleid, die sich im vergangenen Jahr im Rahmen der "Black Lives Matter"-Proteste in Baton Rouge in Lousiana Bereitschaftspolizisten entgegenstellte.

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"Diese Szene beruft sich auf das mittlerweile ikonographische Foto, auf dem Ieshia Evans festgenommen wird", schreibt "Elle". "Doch es setzt ein weißes, reiches Supermodel in den Mittelpunkt." Das sei schon ziemlich unerhört.

Pepsi versteht die ganze Aufregung nicht. "Das ist eine globale Werbung, in der Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten im Geist von Harmonie zusammenkommen. Wir denken, das ist eine wichtige Botschaft", so der Konzern. 

"Pepsi hat eben den Spot des Jahres gemacht - für Coke", lästerte derweil Schauspieler John Fugelsang. Oder wie es Kollege Adam Carl ausdrückte: "Wenn die fast einhellige Verurteilung von Pepsi in meinem Twitter-Feed ein Hinweis ist, dann darauf, dass die Firma auf dem besten Wege ist, die Präsidentschaftswahl zu gewinnen."

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Quelle: n-tv.de