Wirtschaft

Wegen Kartoffelchips Pepsi droht indischen Kleinbauern mit Klage

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Die Bauern sollen 150.000 US-Dollar Schadenersatz zahlen - dabei können sie sich von ihrem Lohn kaum ihren Lebensunterhalt, geschweige denn die Gerichtskosten leisten.

(Foto: REUTERS)

Pepsi will mit aller Härte gegen Landwirte in Indien vorgehen, weil sie angeblich eine vom Konzern patentierte Kartoffelsorte illegal angebaut haben sollen. Eine Welle der Empörung schwappt durch das Land.

"Schikane" und "Einschüchterung" werfen verärgerte Bauern Pepsico in Indien vor. Tatsächlich scheint ein Streit um Kartoffeln völlig aus dem Ruder zu laufen: Der milliardenschwere Lebensmittelkonzern will vier Kleinbauern verklagen, weil sie angeblich illegal eine von Pepsi patentierte Kartoffelsorte angebaut haben sollen, die nur für die hauseigenen Chips der Marke Lays verwendet werden darf, wie der US-Sender CNN berichtet. Die Bauern sollen pro Kopf rund 150.000 US-Dollar Schadenersatz zahlen, wenn sie sich nicht bereiterklären sollten, sich von Pepsi lizenzieren zu lassen und künftig exklusiv an das Unternehmen zu verkaufen.

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Für seine Lays-Chips ließ Pepsi spezielle Kartoffel-Samen patentieren.

(Foto: REUTERS)

Der Fall hat im ganzen Land eine Welle der Empörung ausgelöst. Bauern und Bürgerrechtler warfen Pepsi vor, Druck auf unabhängige Landwirte und lokale Geschäfte auszuüben. Der große US-Player würde seine wirtschaftliche Stärke  nutzen, um sich in die heimische Lebensmittelversorgung einzumischen. Die Einflussnahme von ausländischen Unternehmen ist in Indien umstritten, vor allem wenn es um genmanipulierte Nutzpflanzen geht. Zuletzt gab es massive Proteste gegen den Agrarkonzern Monsanto.

"Indiens Souveränität über Saatgut, Lebensmittel sowie Grund und Boden steht auf dem Spiel", sagte Aktivist Kapil Shah indischen Medien. Die Klage versetze viele Landwirte in Panik. Mehrere Bauernverbände schlossen sich laut CNN bereits zusammen, um gegen die Klage zu protestieren. In einem offenen Brief forderten sie die Regierung in Delhi auf, gegen Pepsi vorzugehen.

Pepsi heuerte wohl Privatdetektive an

Pepsi verteidigte sich derweil damit, dass die Bauern die Interessen derer verletzen würden, die mit Lizenz für den Konzern produzieren. Das Unternehmen versorge die lizenzierten Landwirte mit dem Saatgut und kaufe anschließend die geernteten Kartoffeln. Pepsico sei Indiens wichtigster Aufkäufer. Tausende lokale Bauern würden speziell für den US-Konzern die geschützte Sorte anbauen, sagte ein Konzern-Sprecher. "Um unsere Rechte zu schützen, haben wir rechtliche Schritte gegen diejenigen eingeleitet, die mit unserem Produkt illegal handeln."

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Laut CNN ist die rechtliche Grundlage zumindest fraglich, da die bestehenden Agrargesetze Bauern erlauben, auch geschützte Marken anzubauen und zu verkaufen, solange sie nicht mit dem patentierten Saatgut handeln. "Wir glauben, dass die Einschüchterung und juristische Schikane der Bauern nur geschieht, weil diese ihre Rechte nicht kennen", heißt in dem Brief der Bauernverbände.

Auch das Vorgehen des US-Konzern gilt als fragwürdig. In einer Art Geheimoperation soll Pepsi Bauern ausspioniert haben. Engagierte Privatdetektive, die sich als potenzielle Käufer ausgegeben hätten, sollen geheime Videoaufnahmen gemacht und Proben von den Feldern der Bauern gesammelt haben. Ihre wahren Absichten hätten sie dabei unterschlagen. Zu diesen Vorwürfen schweigt Pepsi bislang.

"Wir werden weiterkämpfen"

Dass ein Unternehmen, das im letzten Quartal einen Gewinn von rund 1,5 Milliarden US-Dollar gemacht hat, gegen mittellose Bauern vorgehen will, die gerade einmal Felder von anderthalb Hektar bewirtschaften, stieß auch in den sozialen Netzwerken auf Unverständnis und Wut. Unter dem Hashtag #BoycottPepsi riefen User zum Boykott der Produkte von Pepsi auf. "Lasst uns hoffen, dass Pepsi nicht Leute verklagt, die das gleiche Grundwasser wie Pepsi benutzen", twitterte der indische Journalist Ravi Nair.

*Datenschutz

Auch wenn Indien in den letzten Jahren große Sprünge als Industrienation gemacht hat, ist immer noch über die Hälfte der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt. Sie steckt seit langem in der Krise. Dürre und hohe Schulden machen vielen Bauern schwer zu schaffen. Jedes Jahr wählen angeblich fast 12.000 von ihnen den Freitod, weil sie aus dem Teufelskreis aus Armut, Verzweiflung und Neuverschuldung nicht mehr herauskommen.

Die Politik scheint gegenüber der starken Agrarlobby globaler Schwergewichte wie Pepsico ohnmächtig zu sein. Die Menschen wollen das offenbar nicht länger hinnehmen. In vielen Regionen formiert sich zunehmend Widerstand. Im vergangenen Jahr gingen Zehntausende Bauern bei Delhi auf die Straße, um für höhere Preise und einen Schuldenerlass zu protestieren. "Wir werden weiterkämpfen, egal wie groß das Unternehmen ist", sagte auch Aktivist Shah. "Pepsi hat einen großen Fehler gemacht."

 

 

Quelle: n-tv.de