Wirtschaft

Ölkonzern lockt Anleger an Petrobras versilbert Tankstellen

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Massenproteste in Sao Paulo: Die Petrobras-Affäre brachte erst am vergangenen Wochenende wieder zehntausende wütende Brasilianer auf die Straße.

(Foto: REUTERS)

Einstiegschancen in einem wirtschaftlich gebeutelten Schwellenland: In Reaktion auf die Belastungen einer Korruptionsaffäre kündigt Brasiliens Rohöl-Gigant Petrobras den Verkauf eines Viertels seines Tankstellennetzes an.

Der staatliche Ölkonzern Petrobras will 25 Prozent seiner Anteile am größten Tankstellennetz des Landes an die Börse bringen. Das Unternehmen kündigte eine öffentliche Ausschreibung der Aktien an.

Der brasilianische Rohstoffkonzern kämpft mit den Folgen eines umfangreichen Schmiergeldskandals. Die Korruptionsfälle kosteten Petrobras letztlich mindestens zwei Milliarden Dollar. Von 2004 bis 2014 sollen mehr als zwei Dutzend Firmen Bestechungsgelder an Petrobras gezahlt haben, um auf diese Weise an lukrative Aufträge zu gelangen. Petrobras zahlte den Ermittlungen zufolge ebenfalls Geld aus dunklen Kassen, unter anderem an Politiker.

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Eine der 7500 BR-Tankstellen, hier vor der Petrobras-Zentrale in Sao Paulo.

(Foto: REUTERS)

Spuren bis in die Staatsspitze

Die heutige Staatschefin Dilma Rousseff saß dem Petrobras-Aufsichtsrat in den Jahren 2003 bis 2010 vor. Sie versichert aber, keine Kenntnis von den Vorgängen gehabt zu haben. Der frühere Schatzmeister ihrer Arbeiterpartei, João Vaccari, wurde im April im Zusammenhang mit den Betrügereien festgenommen.

Wegen des Schmiergeldverdachts forderten Demonstranten wiederholt den Rücktritt von Präsidentin Rousseff. Umfragen zufolge würden rund zwei Drittel der Brasilianer ein Amtsenthebungsverfahren gegen die Präsidentin befürworten. Zuletzt zogen bei landesweiten Protesten gegen die Korruption auch in São Paulo Zehntausende auf die Straße, um gegen Rousseff zu demonstrieren.

Petrobras in Schwierigkeiten

Das staatliche Unternehmen Petrobras muss sich unterdessen um einen Ausgleich seiner Konten bemühen. Anfang August hatte der Verwaltungsrat von Petrobras beschlossen, ein Viertel der Anteile an der Konzerntochter BR zu veräußern - gegen den Widerstand des Petrobras-Vorsitzenden Murilo Ferreira.

BR betreibt die rund 7500 Petrobras-Tankstellen im ganzen Land. Die Petrobras-Tochter kommt nach Einschätzung der Analysten von UBS Securities auf einen Wert von etwa 10 Milliarden US-Dollar. Noch ist schwer abzuschätzen, ob die großen Petrobras-Rivalen aus dem Ausland den Einstieg in Brasilien wagen. Im März hatte Petrobras den Verkauf von Aktiva im Wert von mindestens 13,7 Milliarden Dollar für 2015 und 2016 angekündigt.

Neben der Korruptionsaffäre machen dem Unternehmen die dramatisch gesunkenen Ölpreise sowie negative Wechselkurseffekte zu schaffen. Der Großteil der hohen Schulden von Petrobras muss in Dollar bedient werden, während die Einkünfte des Konzerns vorwiegend mit der Landeswährung Real erzielt werden.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

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