Wirtschaft

Ende einer ÄraPeugeot-Familie wechselt auf Beifahrersitz

18.02.2014, 21:25 Uhr
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Die neue Eignerstruktur soll die Marke wieder zum Glänzen bringen. (Foto: REUTERS)

Der französische Autohersteller Peugeot steht vor einer Zäsur: Die Erben der Gründer verlieren ihre Mehrheit. Künftig reden der Staat und der chinesische Hersteller Dongfeng mit. Im Gegenzug erhält das Unternehmen dringend benötigtes Kapital.

Acht Generationen der Familie Peugeot haben den traditionsreichen französischen Autobauer kontrolliert und die Unabhängigkeit des Unternehmens hochgehalten. Doch angesichts der Finanznöte des angeschlagenen Konzerns müssen die Erben von Firmengründer Armand Peugeot nun klein beigeben: Der Aufsichtsrat von PSA Peugeot Citroën gibt grünes Licht für den Einstieg des französischen Staates und des chinesischen Autobauers Dongfeng beim 1896 gegründeten Auto-Unternehmen. Durch die Kapitalerhöhung sollen insgesamt drei Milliarden Euro in des Unternehmen fließen.

Der französische Staat und Dongfeng sollen demnach mit jeweils 800 Millionen Euro einsteigen und damit künftig jeweils 14 Prozent der PSA-Anteile halten. Zugleich soll der Anteil der Familie Peugeot an Frankreichs größtem Autobauer ebenfalls auf 14 Prozent sinken. Den Rest werden sich weiterhin französische und ausländische Investoren teilen, auch Angestellte halten einen kleinen Teil des Kapitals.

Chinas Staatschef besucht im März Paris

Bisher hielten die Erben gut ein Viertel des Kapitals und - wegen Aktien mit doppeltem Stimmrecht - gut 38 Prozent der Stimmrechte. Thierry Peugeot ist zudem Vorsitzender des Aufsichtsrats, unter den 15 Mitgliedern des Gremiums sind noch drei andere Angehörige der Familie.

Der Entschluss sieht darüber hinaus vor, dass weder Dongfeng noch der französische Staat noch die Familie Peugeot in den kommenden zehn Jahren ihre Anteile erhöhen können. Damit wird vor allem Sorgen vor einem zu großen Einfluss der Chinesen Rechnung getragen.

PSA will die Beschlüsse des Aufsichtsrats am Mittwochmorgen offiziell bekanntgeben, zusammen mit den Geschäftszahlen des vergangenen Jahres. Eine endgültige Vereinbarung könnte Ende März unterzeichnet werden, wenn Chinas Staatschef Xi Jinping nach Frankreich kommt.

Aktionäre stimmen über Aufsichtsratschef ab

Thierry Peugeot, der bis zuletzt vehement für die Unabhängigkeit des größten französischen Autobauers vor allem vom Staat eintrat, könnte außerdem seinen Posten an der Spitze des Aufsichtsrats verlieren. Darüber soll Ende März eine außerordentliche Aktionärsversammlung entscheiden.

Auch wenn die Familie Peugeot seit Mitte der 1960er Jahre nicht mehr an der Firmen-Spitze stand, gab sie als Hauptaktionär die Richtung an. Daher müssen sich die Peugeots auch vorwerfen lassen, maßgeblich für die Schieflage des Konzerns verantwortlich zu sein, der 1976 den Autobauer Citroën gekauft hatte.

Das Unternehmen hatte sich zu sehr auf den europäischen Markt konzentriert. Somit trafen die Wirtschaftskrise und der Einbruch der Verkaufszahlen in Europa PSA Peugeot Citroën härter als andere europäische Autobauer, die mehr auf Wachstumsmärkte wie China oder Brasilien setzten.

Im Jahr 2012 verbuchte der Konzern einen Rekordverlust von fünf Milliarden Euro. PSA legte bereits einen Spar- und Restrukturierungsplan auf, der die Streichung von mehr als 11.000 Stellen und die Schließung des Werks in Aulnay-sous-Bois bei Paris vorsieht.

Unternehmen kooperieren seit 1992

Einen nicht unmaßgeblichen Einfluss auf die Konzernstrategie dürfte künftig Dongfeng ausüben. Der 1969 - mitten in der Kulturrevolution - von der damaligen maoistischen Regierung gegründete Staatskonzern ist heute der zweitgrößte Autohersteller Chinas, nach seinem Konkurrenten SAIC (Shanghai Automotive Industry Corporation). Im vergangenen Jahr setzte Dongfeng - was Ostwind bedeutet - 3,53 Millionen Fahrzeuge ab und erreichte damit in China einen Marktanteil von 16 Prozent.

Bereits 1992 gründeten PSA und Dongfeng ein gemeinsames Unternehmen, das heute drei Fabriken in der zentralchinesischen Stadt Wuhan betreibt, dem Sitz des chinesischen Autobauers. DCPA (Dongfeng Peugeot Citroën Automobile) beschäftigt derzeit rund 15.000 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr verkaufte das Unternehmen 550.000 Fahrzeuge - ein Viertel mehr als im Jahr zuvor.

Außerdem gründete Dongfeng Gemeinschaftsunternehmen mit mehreren anderen Autoherstellern wie den japanischen Konzernen Nissan und Honda, dem Koreaner Kia, Taiwans größtem Autobauer Yulong sowie dem französischen PSA-Konkurrenten Renault. Anfang des Jahres vereinbarte der chinesische Konzern zudem eine Kooperation mit dem schwedischen Unternehmen AB Volvo - mit dem erklärten Ziel, weltweiter Branchenführer beim Bau von Lastkraftwagen zu werden.

Quelle: ntv.de, jwu/AFP

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