Wirtschaft

Valeant will Botox-Hersteller Pharmariese riskiert "dicke Lippe"

Dick ist der Deal so oder so: 47 Milliarden Dollar will Valeant auf den Tisch legen, um den Konkurrenten Allergan zu schlucken. Der kanadische Pharmakonzern verspricht sich durch den Botox-Hersteller Milliardeneinsparungen.

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Botox ist nicht nur bei den Stars und Sternchen in, weltweit lassen sich immer mehr Menschen damit "behandeln".

(Foto: picture alliance / dpa)

Der kanadische Pharmakonzern Valeant hat ein milliardenschweres Übernahmeangebot für den US-amerikanischen Botox-Hersteller Allergan vorgelegt. Valeant habe sich mit Allergan-Großinvestor Bill Ackman zusammengetan und wolle rund 47 Milliarden Dollar für den kalifornischen Konzern bieten, teilte Valeant mit. Allergan bestätigte zwar die Offerte, wollte sich aber dazu nicht weiter äußern.

Mit Valeant und Allergan würden sich zwei mittelgroße Unternehmen zusammenschließen, die beide in der Haut- und Augenmedizin aktiv sind. Investor Ackman gehört der Fonds Pershing Square Capital Management, der mit 9,7 Prozent größter Aktionär von Allergan ist.

Neuer Riese und Mehrwert

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In die Stirn (wie im Bild) oder auch in die Lippen: Botox kommt immer häufiger zum Einsatz.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Der Vorschlag stellt eine unschlagbare Gelegenheit dar, um mehr Wert für Allergan- und Valeant-Aktionäre zu schaffen", warb Valeant-Chef Michael Pearson für sein Vorhaben. Durch den Zusammenschluss entstehe ein führendes Unternehmen in den Therapiefeldern Augenheilkunde, Haut-, Schönheits- und Zahnmedizin. Auch eine gute Position in den Schwellenländern nannte Pearson als Argument.

Valeant will den Allergan-Aktionären 48,30 Dollar in bar plus 0,83 Valeant-Aktien je Allergan-Papier bieten. Insgesamt offeriert Valeant damit 152,88 Dollar je Anteilsschein. Das Angebot enthält einen Aufschlag von 31 Prozent auf den Allergan-Kurs vom 10. April, dem Tag bevor Pershing Square Capital die Anteilsschwelle von fünf Prozent übertraf. An der Börse wird bereits auf eine Nachbesserung spekuliert. Die Allergan-Aktie legte nach der Nachricht zeitweise mehr als 15 Prozent auf 164,09 Dollar zu und lag damit deutlich über dem Übernahmeangebot. Valeant-Aktien gewannen 5,3 Prozent auf 132,47 Dollar.

Milliardeneinsparungen angepeilt

Valeant mit Sitz in Laval in Quebec ist schon seit einiger Zeit auf Einkaufstour. Erst im vergangenen Jahr hatten die Kanadier den Kontaktlinsen-Hersteller Bausch & Lomb erworben. Zu den bekanntesten Arzneien von Valeant zählen das Antidepressivum Wellbutrin und das rezeptfreie Erkältungsmittel Cold-FX. Valeant bevorzugt Übernahmeziele, bei denen sich hohe Einsparungen erzielen lassen.

Valeant-Chef Pearson rechnet im Zuge der Übernahme von Allergan mit 2,7 Milliarden Dollar jährlich. Valeant erwirtschaftete 2013 rund 5,8 Milliarden Dollar und ist damit etwas kleiner als Allergan. Der vor allem durch den Faltenglätter Botox bekannte Schönheitsmedizin-Konzern kam auf 6,3 Milliarden Dollar.

Pharmabranche ist in Bewegung

In der Pharmabranche stehen aktuell größere Zukäufe wieder stärker auf der Agenda. Am Wochenende berichtete die britische "Sunday Times", der US-Pharmariese Pfizer sei mit einem 100 Milliarden Dollar schweren Übernahmeangebot an den britischen Rivalen AstraZeneca herangetreten.

Der Schweizer Pharmariese Novartis kündigte an, vom britischen Rivalen GlaxoSmithKline für 14,5 Milliarden Dollar das Geschäft mit Krebsmedikamenten zu übernehmen. Im Gegenzug geht das Impfstoffgeschäft für 7,1 Milliarden Dollar plus Lizenzgebühren an die Briten. Die beiden Konzerne wollen zudem ein Gemeinschaftsunternehmen für nicht rezeptpflichtige Medikamente gründen. Sein Tiermedizin-Geschäft verkauft der Schweizer Konzern für rund 5,4 Milliarden Dollar an den US-Rivalen Eli Lilly.

Quelle: n-tv.de, bad/rts

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