Wirtschaft

Betriebszulassung schon im Juni? Piloten wollen 737-Max-Start verhindern

Nach dem Absturz zweier Maschinen vom Typ Boeing 737 Max soll das Problemmodell womöglich doch schon binnen weniger Wochen wieder abheben. Aus Pilotenkreisen kommen massive Zweifel. Die Flugzeugführer misstrauen dem Hersteller und der US-Flugaufsicht.

Europäische Piloten haben angesichts einer möglicherweise schon bald anstehenden Startfreigabe des Passagierjetmodells Boeing 737 Max ernste Bedenken geäußert. Die Piloten seien diesbezüglich "zutiefst beunruhigt", teilte der europäische Pilotenverband ECA mit. Der Skandal um katastrophale Mängel in der Cockpit-Software sowie fehlerhafte Flugsimulatoren zur Ausbildung von 737-Max-Piloten habe das Vertrauen in die gesamte US-Flugsicherheit erschüttert, hieß es.

Nach zwei Abstürzen in Indonesien im Oktober 2018 und in Äthiopien im März 2019 war ein weltweites Flugverbot für Boeings 737-Max-Maschinen verhängt worden. Bei den beiden Unfällen waren insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen.

Insidern zufolge rechnet die für die Betriebszulassung zuständige US-Aufsichtsbehörde FAA damit, dass das Flugverbot für Boeing-Maschinen des Typs 737 Max nun doch schon ab Ende Juni aufgehoben werden könnte. Noch am Vortag hatte FAA-Chef Dan Elwell in aller Öffentlichkeit betont, dass die Behörde sehr sorgfältig vorgehen werde und die Prüfung der vom Hersteller vorgestellten Software-Updates nötigenfalls auch ein volles Jahr in Anspruch nehmen könnte.

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Blick ins Cockpit einer Boeing 737 Max: Kann ein Update potenziell tödliche Fehlfunktionen verhindern?

(Foto: REUTERS)

Hinter verschlossenen Türen ist nun dagegen von einer Startfreigabe binnen weniger Wochen die Rede. Diese Erwartung hätten FAA-Vertreter gegenüber der UN-Behörde für Zivile Luftfahrt (ICAO) geäußert, sagten zumindest drei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Einen festen Zeitplan gebe es allerdings nicht.

Vertreter der FAA und von Boeing waren am Donnerstag zu einem Informationsgespräch mit der ICAO im kanadischen Montreal zusammengekommen. Die Boeing 737 Max wurde im März nach dem zweiten Absturz innerhalb von fünf Monaten weltweit aus dem Verkehr gezogen.

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Für Boeing stehen erhebliche geschäftliche Interessen auf dem Spiel: Fluggesellschaften in aller Welt haben mehr als 5000 dieser Maschinen fest bestellt. Der Stückpreis liegt laut Liste je nach Ausstattung in Bereichen zwischen 90 und 110 Millionen Euro. Die US-Fluggesellschaften American Airlines und Southwest sollen die Maschinen bereits ab August schon wieder eingeplant haben.

Bevor die 737 Max den Flugbetrieb wieder aufnehmen können, muss die US-Luftfahrtbehörde FAA einer Wiederzulassung zustimmen. Boeing hatte bereits in der vergangenen Woche mitgeteilt, das Unternehmen habe das Softwareupdate für den Flugzeugtyp abgeschlossen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA verlangte daraufhin weitere Informationen zur neuen Software. Die Aufseher stehen allerdings auch selbst in der Kritik, da sie beim ursprünglichen Zulassungsprozess sicherheitsrelevante Prüfschritte dem Hersteller überlassen hatten.

38.000 Piloten aus 36 Ländern

Europäische Piloten kritisieren vor allem, dass sowohl die FAA als auch Boeing eine Wiederzulassung in Betracht zögen, ohne die vielen Fragen zu erörtern, die das Max-Modell aufwerfe, wie der Pilotenverband ECA erklärte. Der ECA vertritt mehr als 38.000 Piloten aus 36 Ländern. Vertreter von Aufsichtsbehörden weltweit berieten zuletzt in Texas darüber, wann und wie die Boeing-Maschinen wieder fliegen dürfen.

Eine Fehlfunktion der speziell für die Boeing 737 Max entwickelte Sicherheits-Software MCAS (Maneuvering Characteristics Augmentation System) hatte bei den zwei Abstürzen bisher vorliegenden Erkenntnissen zufolge eine zentrale Rolle gespielt. Beide Maschinen waren kurz nach dem Start ungebremst mit dem Bug voraus aufgeschlagen.

Die MCAS-Software soll bei einem drohenden Strömungsabriss die Nase des Flugzeugs automatisch nach unten drücken. Die eigentlich für Ausnahmefälle vorgesehene Automatik ließ den Piloten keine Möglichkeit gegenzusteuern. Dass eine einfache Abschaltung des Systems das Problem behoben hätte, war den Piloten von Boeing nicht mitgeteilt worden. Hersteller Boeing hatte die Flugzeugführer nicht darüber informiert, dass ein solches Steuerungsmodul in den Maschinen verbaut ist.

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Quelle: n-tv.de, lou/dpa/rts

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