Wirtschaft
Dick im Geschäft: Nicolas Berggruen.
Dick im Geschäft: Nicolas Berggruen.(Foto: imago stock&people)
Montag, 13. Juli 2015

Berggruen-Firma schlägt zu: Platform will Chemiekonzern Alent kaufen

Nach dem misslungenen Karstadt-Abenteuer gerät Nicolas Berggruen wieder in die Schlagzeilen. Die von ihm und Martin E. Franklin gegründete Firma Platform tätigt einen Milliardendeal. Sie übernimmt den britischen Chemiekonzern Alent.

Das US-Unternehmen Platform von Martin E. Franklin und Nicolas Berggruen will den britischen Chemie- und Elektronikkonzern Alent für rund 1,35 Milliarden Pfund übernehmen. Es sei vereinbart worden, dass die Platform Specialty Products Corp 503 Pence in bar für jede Alent-Aktie zahle, teilten die beiden Unternehmen mit.

Dabei können Alent-Aktionäre sich einen Teil des Geldes auch in Platform-Aktien auszahlen lassen. Die Offerte entspricht einem Aufschlag von 49 Prozent auf den Schlusskurs der Alent plc am Freitag von 337,7 Pence.

Platform wurde 2013 von Franklin mit Unterstützung des Hedgefonds-Managers Bill Ackman gegründet. Platform-Mitgründer und Boardmitglied ist der durch den Kauf der insolventen Warenhauskette Karstadt bekannt gewordene und später heftig in die Kritik geratene Investor Berggruen. Alent-Aktien schnellten am Montagmorgen in London um 46 Prozent in die Höhe auf 492 Pence, nachdem das Wall Street Journal zuerst über die geplante Transaktion unter Berufung auf Kreise berichtet hatte.

"Dieses Geschäft und die Akquisition passen gut zu unseren selbst gesteckten Zielen, und wir sind überzeugt von der Wertschöpfung, die der Zusammenschluss mit sich bringen dürfte", sagte Platform-Chairman Franklin. Das Board von Platform habe die Akquisition einstimmig unterstützt. Platform rechnet durch den Zusammenschluss mit jährlichen Kosteneinsparungen von mindestens 50 Millionen Dollar vor Steuern.

Kauf von Marktführern in Nischenbereichen

Platform hatte 2013 schon den Spezialchemiekonzern MacDermid für rund 1 Milliarde US-Dollar gekauft, einen direkten Rivalen von Alent. Seither gab Platform rund 5 Milliarden US-Dollar für Zukäufe in der Agrochemiebranche aus, unter anderem für Arysta LifeScience, Agriphar und Chemtura AgroSolutions. Franklin ist bekannt dafür, Marktführer in Nischenbereichen zu kaufen, bei denen geringe Kapitalinvestitionen erforderlich sind, die ihn aber mit der nötigen Liquidität für weitere Zukäufe ausstatten. Auch die Übernahme von Alent scheint diesem Schema zu folgen.

Einer von Alents zwei Geschäftsbereichen ist Enthone, ein in den USA ansässiger Anbieter von Spezialchemikalien für die Oberflächenveredlung und Konkurrent von MacDermid. Platform will Enthone mit dem MacDermid-Geschäft fusionieren und das zusammengeschlossene Unternehmen so zu einem größeren Wettbewerber in der Branche aufbauen, in der auch Total und Dow Chemicals mitmischen, wie es zuvor aus Kreisen hieß. Der zweite Alent-Geschäftsbereich generiert demnach ausreichend Barmittel, die für weitere Akquisitionen genützt werden dürften, und soll eigenständig bleiben.

Alents Nettoumsatz sank 2014 im Jahresvergleich um 1,7 Prozent auf 413 Millionen Pfund. Das Unternehmen befand sich inmitten einer Umstrukturierung für mehr Kosteneinsparungen.

Der von Platform übernommene US-Konsumgüterhersteller Jarden Corp soll Kreisen zufolge ebenso kurz vor einem Zukauf stehen. Der Konzern will den Verpackungskonzern Waddington Group für 1,35 Milliarden US-Dollar von der Buyout-Firma Olympus Partners übernehmen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person.

Quelle: n-tv.de