Wirtschaft

Mangelhafte Qualität Polen lehnt russisches Öl ab

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Die Öl-Versorgung Polens über die Pipeline "Freundschaft" ist derzeit gestoppt.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Weil das gelieferte Öl zu schlecht war, verweigert Polen die Annahme des Rohstoffs aus einer der wichtigsten Pipelines Russlands. Damit fließt nicht nur weniger Öl nach Polen, sondern auch nach Deutschland. Wie steht es jetzt um die Versorgung?

Wegen schlechter Qualität möchte Polen kein russisches Öl mehr aus einer wichtigen Pipeline beziehen. Damit beeinträchtigt das Land auch die Versorgung in Deutschland. Wie die weißrussische Nachrichtenagentur Belta berichtet, nehme Polen seit Mittwochabend kein Öl mehr aus der über weißrussisches Gebiet laufenden Röhre "Druschba" ab. Grund sei ein zu hoher Anteil von organischem Chlorid in dem Rohstoff. Fließt das Öl nicht von Polen aus, gelangt es auch nicht weiter in Richtung Westen.

Händler großer Ölkonzerne, die Raffinerien in Deutschland betreiben, bestätigten dies: Die Versorgung über die noch von der Sowjetunion gebauten "Druschba", auf Deutsch "Freundschaft", sei gestoppt. Die Pipeline wurde Ende 1963 von DDR-Staatschef Walter Ulbricht eröffnet. Die Leitung endet im brandenburgischen Schwedt.

Die Annahme von Öl zu verweigern ist in der Branche äußerst selten. Händler sagten, der jüngste Fall mit einer Verunreinigung von russischem Öl liege rund zehn Jahre zurück. Sie schließen gleichwohl nicht aus, dass Käufer aus dem Westen nun von russischer Seite Schadenersatz verlangen könnten. Durch die Röhre können pro Tag bis zu knapp 160 Millionen Liter Öl fließen. Das entspricht einem Prozent der weltweiten Nachfrage.

Zu viel Chlorid im Öl

Ölhändlern zufolge wurden in dem jetzt bemängelten Öl Konzentrationen von 150 bis 300 ppm organischem Chlorid gemessen; 1 ppm entsprechen 0,0001 Prozent. Üblich sind nur ein bis drei ppm, maximal dürfen es zehn ppm sein. Organisches Chlorid wird bei der Ölförderung eingesetzt. Es muss aber vor dem Transport wieder herausgefiltert werden, weil es bestimmte Teile in den Öl-Raffinerien zerstören kann.

Der Pipeline-Betreiber Transneft versuche, das Problem schnellstmöglich in den Griff zu bekommen, teilte das russische Energieministerium mit. Es wird vermutet, dass ein bislang nicht bekannter russischer Ölproduzent dafür verantwortlich ist. Einen Öl-Engpass wird es hierzulande laut Experten aber nicht geben. Deutschland habe eine weit verzweigte Logistik-Kette. Zudem seien die Öllager wegen der eher milden Witterung gut gefüllt. Erst bei einem Lieferausfall über viele Wochen könnten es Probleme bei der Versorgung geben.

Quelle: n-tv.de, ibu/rts

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