Wirtschaft
Beamte, Angestellte im Haustarifvertrag oder bei den Billig-Töchtern - bei der Post machen sie denselben Job für unterschiedliches Geld.
Beamte, Angestellte im Haustarifvertrag oder bei den Billig-Töchtern - bei der Post machen sie denselben Job für unterschiedliches Geld.(Foto: picture alliance / Sebastian Kah)
Montag, 12. März 2018

"Aushöhlung der Tarifverträge"?: Post schafft Zwei-Klassen-Gesellschaft

Von Hannes Vogel

Alle Postboten sollen künftig unter einem Dach arbeiten - egal, ob sie Angestellte im Haustarifvertrag oder bei den Billig-Töchtern sind. Die Gewerkschaften fürchten das Ende der Tarifverträge beim einstigen Staatskonzern - und Lohndumping.

Die Deutsche Post plant offenbar einen weiteren Konzernumbau, um im heiß umkämpften Paketgeschäft wettbewerbsfähiger zu werden: Laut der "Welt" gründet der Dax-Konzern gerade einen neuen Gesamtbetrieb für all seine Briefträger und Paketboten. Künftig sollen in dieser neuen Gesellschaft alle Zusteller unter einem Dach arbeiten, egal, ob sie nach Haustarifvertrag oder bei den 2015 gegründeten Billig-Tochterfirmen angestellt sind. Laut der Zeitung sollen die Pläne bereits zum 1. Mai 2018 umgesetzt werden.

Die Gewerkschaften machen Front gegen den Umbau. Sie haben Angst, dass in der neuen Gesellschaft künftig nicht nur Mitarbeiter mit völlig unterschiedlicher Bezahlung für ein und dieselbe Tätigkeit beschäftigt sein werden. Die Post-Manager bereiten mit dem Schritt womöglich auch die weitere Verschlechterung der Arbeitsbedingungen vor. "Wir befürchten, dass das Lohnniveau bei der Post auf Dauer abgesenkt werden soll", sagte die Bundesvorsitzende der Fachgewerkschaft DPVKOM, Christina Dahlhaus, der "Welt". Die Pläne seien ein "Einstieg in die weitere Aushöhlung der Tarifverträge der Deutschen Post AG".

Offiziell bestätigen will die Deutsche Post den geplanten Umbau auf Anfrage von n-tv.de nicht. "Medienberichte, dass die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in der Brief- und Paketzustellung verschlechtert werden sollen, entbehren jeder Grundlage", teilt der Konzern jedoch mit. "Seit vielen Jahren arbeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit unterschiedlichen Lohn- und Gehaltsstrukturen in unserem Unternehmen reibungslos zusammen."

Gleiche Arbeit, unterschiedlicher Lohn

2015 hatte das Dax-Unternehmen trotz massiver Streiks der Belegschaft 49 regionale Billig-Töchter für seine Zusteller gegründet. Neue Paketboten werden seitdem nur noch in diesen DHL Delivery GmbHs angestellt - zu deutlich niedrigeren Tariflöhnen der Logistik-Branche. Laut Gewerkschaft verdienen die Post-Zusteller dort im Schnitt ein Viertel weniger als ihre Kollegen mit Haustarifvertrag.

Laut Post war der Schritt nötig, um im Paketgeschäft wettbewerbsfähig zu bleiben: Die Post-Mitarbeiter sind teurer als die Paketboten der Konkurrenz. Und trotz der Billig-Offensive würden die Mitarbeiter der Delivery GmbHs immer noch mehr verdienen als bei anderen Wettbewerbern, sagt die Post: "Die Beschäftigten erhalten auch im Vergleich zum Wettbewerb attraktive Löhne nach dem jeweiligen Tarif der Speditions- und Logistikbranche. Der Zulauf an neuen Mitarbeitern für die Delivery-GmbH ist unverändert hoch."

Mit dem geplanten Umbau verschärft die Post allerdings die Zwei-Klassen-Gesellschaft im Konzern. Denn auch wenn Angestellte und Billig-Löhner schon lange den gleichen Job für unterschiedliches Geld machen - künftig sollen sie auch im gleichen Dienstplan eingeteilt werden und in denselben Bezirken arbeiten. Die deutlichen Unterschiede in puncto Arbeitszeiten, Sozialleistungen und Urlaubsansprüche werden dadurch noch deutlicher zutage treten.

Post verdient gut am Zwei-Klassen-Modell

Ähnlich wie bei der Lufthansa und ihrer Billigtochter Eurowings wird durch die geplante Einheitsfirma für alle Postboten die Spaltung der Belegschaft zementiert: Rund 180.000 Menschen arbeiten in Deutschland im Brief- und Paketgeschäft der Post. 130.000 werden nach Haustarifvertrag bezahlt, 40.000 sind Beamte und 10.000 arbeiten als Paketboten bei den Billig-Töchtern.

Dem Konzern geht es dank der zunehmenden Billiglöhne seiner Zusteller gut. 2017 verdiente die Deutsche Post unterm Strich rund 2,9 Milliarden Euro, fast drei Prozent mehr als im Vorjahr. 40 Prozent des Betriebsgewinns kamen aus der Brief- und Paketzustellung, wo auch die rund 10.000 Billig-Paketboten des Konzerns arbeiten.

Die Sparte ist nach dem Express-Geschäft sogar der profitabelste Bereich der Deutschen Post. Operativ blieben dort von jedem Euro rund 8 Cent hängen - im Konzerndurchschnitt sind es nur rund 6 Cent. Dank des boomenden Online-Handels brummt die Sparte, auch wenn immer weniger klassische Briefe verschickt werden. Und nicht nur die Paketboten, auch ihre Kunden schröpft die Post zunehmend: Sie hat die Preise für ihre Paketdienste erhöht und das Porto für den Standardbrief seit 2013 viermal angehoben, auf inzwischen 70 Cent - ein Plus von 27 Prozent in fünf Jahren.

Quelle: n-tv.de