Wirtschaft

Künftiger Fed-Chef vor Senat Powell wandelt auf Yellens Spuren

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Jerome Powell soll im Februar die Leitung der Fed übernehmen.

(Foto: imago/Xinhua)

Jerome Powell signalisiert die Bereitschaft, die US-Zinsen anzuheben und die Geldpolitik zu straffen. Der designierte Fed-Chef will die Tradition seiner Vorgänger Yellen und Bernanke hinsichtlich der Reaktion auf mögliche Wirtschaftskrisen fortsetzen.

Der designierte Chef der US-Notenbank Federal Reserve, Jerome Powell, hat sich im US-Kongress als Verfechter schrittweiser Zinserhöhungen präsentiert und eine baldige Straffung signalisiert. "Es ist an der Zeit, die Zinsen zu normalisieren. Das gilt auch für die Fed-Bilanz", sagte der langjährige Notenbankdirektor in einer Senatsanhörung im Rahmen seines Bestätigungsverfahrens.

Die Argumente für eine geldpolitische Straffung auf der nächsten Sitzung im Dezember würden "immer zwingender". Zugleich zeigte er sich entschlossen, als künftiger Fed-Chef in der Tradition seiner Vorgänger Ben Bernanke und Janet Yellen auf mögliche künftige Wirtschaftskrisen handfest zu reagieren.

Auf unerwartete Gefahren für die Finanzstabilität und den ökonomischen Erfolg des Landes müsse mit angemessener Durchschlagskraft reagiert werden. Powell muss noch vom Senat als Nachfolger Yellens bestätigt werden, die sich nach Ablauf ihrer vierjährigen Amtszeit Anfang Februar aus dem Führungsgremium zurückziehen wird. Am Mittwoch wird sie sich vor einem Kongressausschuss zur Konjunkturentwicklung äußern. Experten erhoffen sich auch Hinweise auf den weiteren geldpolitischen Kurs.

Die Fed wird das nächste Mal am 12. und 13. Dezember zu einer geldpolitischen Sitzung zusammenkommen. Es gilt als wahrscheinlich, dass Yellen als letzte große Amtshandlung an der Spitze der Fed die Zinszügel nochmals straffen wird: Sie hat den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld dieses Jahr bereits zwei Mal angehoben - zuletzt im Juni auf die aktuell gültige Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent.

Powell nennt Größenordnung für Bilanzabbau

Powell hat im Führungskreis der Notenbank alle unter Yellen getroffenen Entscheidungen der vergangenen Jahre mitgetragen - auch den Abbau der Bilanz. Dieser wird sich nach seiner Ansicht bis Anfang des kommenden Jahrzehnts hinziehen. Er veranschlagte vor dem Senatsausschuss einen Zeitraum von drei bis vier Jahren für das im Herbst begonnene Manöver. Letztlich dürfte das Portfolio der Notenbank dann noch 2,5 bis drei Billionen Dollar schwer sein. Die Notenbank will ihren Bestand an Staatsanleihen Zug um Zug senken.

Auslaufende Papiere werden in mehreren Stufen nicht mehr  ersetzt. So soll das in den Jahren nach der Finanzkrise zur Stützung der Wirtschaft auf insgesamt 4,5 Billionen Dollar angewachsene Portfolio nach und nach abgeschmolzen werden. Vor Ausbruch der weltweiten Finanzkrise 2007/08 lag die Bilanzsumme der Fed bei 800 Milliarden Dollar. Mit dem massiven Erwerb von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren zur Stützung der Konjunktur wurde sie massiv aufgebläht.

Eine Gruppe um Senator Rand Paul aus Kentucky sieht das Gebaren der Fed als unzulässigen Eingriff in das freie Spiel der Marktkräfte und will ihr stärker auf die Finger schauen. Powell erteilte diesen unter dem Schlagwort "Audit the Fed" laufenden Bemühungen eine Absage, da sie letztlich auf ein Einspannen des Kongresses in die Geldpolitik hinausliefen. Zugleich betonte er, er sehe die Unabhängigkeit der Notenbank unter der Regierung von US-Präsident Donald Trump nicht in Gefahr.

Trump, ein bekennender Anhänger niedriger Zinsen, hatte Yellen im Wahlkampf heftig kritisiert, ihre Leistung jedoch später in milderem Licht dargestellt. Dennoch verwehrte er ihr eine zweite Amtszeit und entschied sich stattdessen für seinen republikanischen Parteifreund Powell. Trump wird dem Führungsgremium der Notenbank noch weiter seinen Stempel aufdrücken können, da es mehrere vakante Positionen im Direktorium zu besetzen gilt.

Quelle: ntv.de, wne/rts