Preisschock durch Iran-KriegWarum Amerikaner plötzlich E-Autos kaufen

Die Spritpreisexplosion sorgt im US-Automarkt für einen Schockmoment. Was keine Regulierung geschafft hat, erzwingt der Iran-Krieg über die Preise an der Zapfsäule. Wankt das von Donald Trump forcierte Revival der Verbrenner?
Mehr als fünf Dollar pro Gallone - umgerechnet rund 1,14 Euro pro Liter - müssen Amerikaner mittlerweile in manchen Regionen an der Tankstelle zahlen. Die Spritpreisexplosion durch die steigenden Ölpreise infolge des Iran-Kriegs hat Signalwirkung. Immer mehr Amerikaner denken beim Autokauf offenbar um. Laut den Daten von Cox Automotive werden plötzlich deutlich mehr gebrauchte Elektroautos gekauft.
Wie die "Financial Times" unter Berufung auf den weltgrößten Anbieter von Dienstleistungen und Technologien für den Automobilhandel berichtet, legten die Verkäufe gebrauchter E-Fahrzeuge in den USA im ersten Quartal 2026 im Jahresvergleich um zwölf Prozent und im Vergleich zum Vorquartal sogar um 17 Prozent zu. Besonders bemerkenswert ist, dass gebrauchte E-Autos gefragt sind, während die Neuwagenverkäufe von E-Autos im Jahresvergleich um 28 Prozent einbrachen.
Analysten führen diesen neuen Trend vor allem auf die veränderte Angebotssituation zurück. Nach der Corona-Boomphase wurden viele E-Autos geleast, die nun massenhaft als Leasingrückläufer auf den Markt zurückkommen. Laut der Kreditauskunftei Experian werden E-Autos, deren Leasing-Verträge abgelaufen sind, bis Ende dieses Jahres 15 Prozent aller Autos ausmachen; im ersten Quartal waren es 7,7 Prozent.
Das drückt die Preise. Laut Cox Automotive ist der durchschnittliche Gebrauchtpreis für E-Autos zwischen Februar 2025 und Februar 2026 um 8,5 Prozent gesunken. Gleichzeitig schrumpfte der Preisabstand zu gebrauchten Benzinern von 4923 auf 1334 US-Dollar. Der Gebrauchtmarkt für Elektroautos wird vor allem auch durch den Preisverfall bei Teslas belebt. Der US-Autobauer wollte mit seiner aggressiven Preispolitik Marktanteile verteidigen.
Cox-Expertin Stephanie Valdez Streaty spricht von einer "signifikanten Preiskorrektur bei Elektrofahrzeugen", die für eine neue Dynamik sorgt: Wer heute in den USA nach einem bezahlbaren Auto sucht, bekommt gebrauchte E-Autos nicht mehr als Nischenprodukt, sondern als ernst zu nehmende preisliche Alternative.
Doch wie nachhaltig ist dieser Trend? "Die Preissignale wirken nicht direkt, sondern über die wirtschaftliche Entwicklung", sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer ntv.de. In unsicheren Zeiten würden viele Käufer größere Anschaffungen verschieben – oder eben gezielt zu günstigeren Gebrauchtwagen greifen. Der Boom bei gebrauchten E-Autos sei deshalb weniger ein unmittelbarer Effekt der Zapfsäule als vielmehr ein Symptom wachsender wirtschaftlicher Unsicherheit.
Bemerkenswert ist die Entwicklung vor dem Hintergrund der Präsidentschaft Donald Trumps dennoch. Trump hat die E-Mobilität sowohl im Wahlkampf als auch danach wiederholt abgewertet. Seine erklärte Leitlinie ist die Rückkehr zum Verbrennungsmotor. So sagte er beispielsweise bei einem Wahlkampfauftritt 2023 in Michigan: "Elektroautos sind ja in Ordnung, aber sie kommen nicht weit, sie kosten ein Vermögen, und die Zukunft gehört dem Benzin." Ebenso unmissverständlich war seine Aussage: "Wenn ich Präsident bin, wird es keinem US-Bundesstaat gestattet sein, benzinbetriebene Autos oder Lkws zu verbieten." Damit richtete er sich gegen die Pläne des US-Staates Kalifornien, den Verkauf neuer Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor bis 2035 zu verbieten. Er versprach, diese Beschränkungen zu kippen, um die Autoindustrie in Michigan zu schützen.
Dass ausgerechnet unter einer Regierung, die Verbrenner derart rhetorisch - auch praktisch durch die Einstellung der Förderungen im Rahmen des Inflation Reduction Acts - gestützt hat, der Gebrauchtmarkt für E-Autos boomt, zeigt: Der Markt folgt im Zweifel dem Preis und nicht politischen Parolen. Dudenhöffer warnt jedoch vor vorschnellen Schlüssen: Schnäppchen im Gebrauchtwagenmarkt seien "wie Osterhasen, die man nach Ostern verkaufen will". Was für einzelne Käufer attraktiv ist, könne für den Markt insgesamt auch schnell zum Problem werden – denn bei weiter fallenden Preisen verschieben viele ihre Kaufentscheidung, was eine Abwärtsspirale auslösen kann.
In Europa zeigt sich eine ähnliche Entwicklung auf dem Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos, die jedoch weniger abrupt verläuft als in den USA. Laut Mobile.de hat sich die Zahl der Anfragen nach Elektrofahrzeugen in Deutschland seit Ausbruch des Iran-Kriegs von 12 auf 36 Prozent verdreifacht; gebrauchte Elektrofahrzeuge erhielten sogar 66 Prozent mehr Anfragen. "Sobald man die Marke von zwei Euro pro Liter überschreitet, hinterlässt das einen bleibenden Eindruck", zitiert das Portal TrendingTopics Chef Romain Boscher, Chef von Aramisauto, dem französischen Marktführer im Online-Verkauf von Gebrauchtwagen an Privatpersonen.