Wirtschaft

Konzern schreibt rote Zahlen ProSiebenSat.1 brechen die Werbeerlöse weg

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Der Umsatz brach im zweiten Quartal um ein Viertel auf 709 Millionen Euro ein.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wegen der Ausgangsbeschränkungen sitzen zwar wieder mehr Zuschauer als sonst vor den Fernsehgeräten, aber die Werbekunden schalteten viel weniger Spots. Als Konsequenz fällt der Konzernumsatz im zweiten Quartal um 25 Prozent. Vorstandschef Beaujean hofft jetzt auf das zweite Halbjahr.

Ein Einbruch der Fernseh-Werbeeinnahmen in der Coronakrise und rote Zahlen im zweiten Quartal können ProSiebenSat.1-Chef Rainer Beaujean den Optimismus nicht nehmen. "Das Bild hat sich aus unserer Sicht deutlich aufgehellt", sagte er mit Blick auf die Buchungen für Juli und August. Die Anzeichen einer Erholung der Konjunktur nähmen zu. Lagen die Werbeerlöse im zweiten Quartal noch um 37 Prozent unter Vorjahr, habe sich das Minus im Juli auf knapp 20 Prozent reduziert, und für August zeichne sich ein Rückgang von nur noch zehn Prozent ab. Die Aktie brach um 11,7 Prozent auf 8,50 Euro ein.

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Analysten von Citi verwiesen darauf, dass Konkurrenten in Europa mit einer kräftigeren Erholung der Werbeeinnahmen rechneten. "Für die Monate danach ist unser Blick in die Kristallkugel noch sehr unklar", sagte Beaujean. Der Rückstand aus dem ersten Halbjahr werde sich aber bis Jahresende nicht wettmachen lassen, auch wenn ProSiebenSat.1 in normalen Jahren zwischen September und Dezember rund die Hälfte seines operativen Gewinns erwirtschafte. Die fehlenden Werbeerlöse trieben die Kette um die Sender ProSieben, Sat.1 und Kabel 1 von April bis Juni mit einem bereinigten Nettoverlust von 52 (2019: plus 85) Millionen Euro in die roten Zahlen.

Stellenabbau sei aus heutiger Sicht nicht nötig

Nach sechs Monaten steht ein kleines Plus zu Buche. Der Umsatz brach im zweiten Quartal um ein Viertel auf 709 Millionen Euro ein. Vor allem Reise- und Autobranche sowie Gastronomie fielen als Werbekunden weitgehend aus, obwohl wegen der Ausgangsbeschränkungen mehr Zuschauer als sonst vor dem Fernsehgerät saßen. Fernsehproduktionen der ProSieben-Tochter RedArrow mussten der Abstandsregeln wegen verschoben werden. Mit Kurzarbeit für bis zu 2000 Beschäftigte und der Senkung der Programmkosten um 100 Millionen Euro gegenüber den Planungen für das Jahr 2020 stemmt sich ProSiebenSat.1 gegen die Einbußen.

"Weiterhin fokussieren wir uns auf unser konsequentes Kosten- und Cash-Management und blicken optimistischer auf den Herbst", sagte Beaujean. Ein Stellenabbau sei aus heutiger Sicht nicht nötig. Zuwächse in der Online-Sparte NuCom konnten den Ausfall der Umsätze und Gewinne der Sendergruppe nicht annähernd wettmachen.

Bekanntschafts-Portale wie Parship und der Parfümhändler Flaconi legten zwar zu, Einkaufs- und Erlebnis-Portale brachen aber ein. Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebitda) schrumpfte von April bis Juni auf 23 (Vorjahr: 213) Millionen Euro zusammen. Beaujean betonte, ProSiebenSat.1 wolle sich von den restlichen Anteilen an NuCom nicht trennen, an der auch der Finanzinvestor General Atlantic beteiligt ist - allenfalls von einzelnen Unternehmen: "NuCom steht nicht als Ganzes zum Verkauf."

Quelle: ntv.de, jki/rts